Landwirt aus Montlingen kupiert zwei sterbenden Lämmern den Schwanz und lässt sie leiden – Tierschutz und Veterinäramt eingeschaltet

Ein Rheintaler Landwirt soll zwei seiner Lämmer den Schwanz ohne Betäubung abgeschnitten haben, obwohl diese bereits im Sterben lagen. Nachbarn wandten sich an den Tierschutz. Zudem wurde das kantonale Veterinäramt eingeschaltet.

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Den Jungtieren wurde der Schwanz abgeschnitten.

Den Jungtieren wurde der Schwanz abgeschnitten.

Bilder: Leserreporterin

(red) Eine junge Frau, die in Montlingen wohnt, ist in einem Tierschutzfall aktiv geworden. «Ich erhoffe mir Gerechtigkeit für die Tiere und dass der Bauer am besten nie wieder Tiere halten darf», sagt sie gegenüber FM1Today. «Dem Mann fehlt es an Empathie, so geht man nicht mit Tieren um.» Laut Tierschutzverein machten die älteren Schafe des Züchters einen gesunden Eindruck, das Problem waren zwei Lämmer, die sterbend im Gras lagen und die die Studentin von ihrem Wohnblock aus bemerkt hat. Sie wünscht sich jetzt eine saubere Untersuchung des Falles. Die Lämmchen hätten das verdient.

Was ist passiert? Die Studentin hatte beobachtet, wie auf einer Wiese, angrenzend an ihre Wohnung, ein Landwirt zwei seiner Lämmchen elend sterben liess. «Der Anblick war so brutal, dass ich sofort weinen musste», sagte die Studentin gegenüber dem Onlineportal. «Die Jungtiere litten an Starrkrampf. Statt sie jedoch zu erlösen, kupierte er die schon grösseren Tiere.» Zudem habe er sie «gegümmelt». Beim Kupieren wird der Schwanz abgeschnitten, beim «Gümmelen» die Hoden abgebunden, um die Tiere zu kastrieren.

Tierschutz und kantonales Veterinäramt eingeschaltet

Da die Tiere nur noch gezittert und aus dem Maul geschäumt hätten, haben die Studentin und ihre Familie das Gespräch mit dem Schafzüchter gesucht. Dieser habe darauf entgegnet, es liege in der Natur, dass gewisse Tiere nun mal «verrecken» würden. Daraufhin suchten sie Hilfe beim Tierschutzverein.

Beim «Gümmele» werden dem Lamm die Hoden abgebunden, damit sie absterben.

Beim «Gümmele» werden dem Lamm die Hoden abgebunden, damit sie absterben.

Der Tierschutz habe versucht, den Bauern zur Vernunft zu bringen, damit er die Tiere erlöse. Weil aber die Einsicht gefehlt habe, sei zusätzlich der Tierschutzbeauftragte der Gemeinde und das kantonale Veterinäramt eingeschaltet worden. «Wir sind die erste Instanz für die Leute, dürfen aber selber nicht handeln», so die Erklärung des Tierschutzvereins Rheintal gegenüber FM1Today.

Doch auch nach der Aufforderung des kantonalen Veterinäramts an den Landwirt, die Tiere zu erlösen, habe dieser nicht gehandelt. Daraufhin habe ein Tierarzt die Schäfchen eingeschläfert. «Wären wir nicht gewesen, hätte der Bauer die Tiere einfach sterben lassen», äusserte sich die Studentin gegenüber dem Onlineportal.

Lämmer werden untersucht

Das St.Galler Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen bestätigt, von diesem Fall Kenntnis zu haben. Es sei noch unklar, weshalb die Lämmer an Starrkrampf gelitten hätten. «Die beiden toten Lämmer wurden beschlagnahmt und befinden sich zurzeit beim Veterinäramt», sagt Leiter Albert Fritsche.

Bis zum siebten Lebenstag dürfen Lämmer ohne Betäubung kupiert werden. Das «Gümmeln» der Hoden ist bis zum vierzehnten Lebenstag erlaubt, allerdings nur mit Betäubung und Vorbehandlung. Der Landwirt muss über eine entsprechende Befähigung verfügen.

Der Name des Landwirts ist der Redaktion bekannt. Er war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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