Landsgemeinde und Offa sind abgesagt, das Theater St.Gallen bleibt zu: Was wegen des Veranstaltungsverbots alles ausfällt in der Ostschweiz

Das öffentliche Leben in der Ostschweiz wird stark eingeschränkt. Kultur, Politik und Freizeit sind betroffen.Gottesdienste finden weiterhin statt – unter Auflagen.

Katharina Brenner
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Offa und Jahrmarkt fallen in diesem Frühling aus.

Offa und Jahrmarkt fallen in diesem Frühling aus.

Ralph Ribi

Das öffentliche Leben in der Ostschweiz kommt zwar nicht zum Stillstand, aber es wird deutlich eingeschränkt. Manches ist noch ungewiss, das hier steht bereits fest:

  • Circus Knie Das Corona-Virus stellt auch den Circus Knie vor eine nie dagewesene Herausforderung, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Er muss die Premiere und einen Teil seiner Tournee verschieben oder absagen. Betroffen sind zehn Spielorte, darunter die Ostschweizer Stationen in Frauenfeld, Wil, Buchs, Kreuzlingen und der erste Spieltag in St. Gallen. Die Vorstellung in Rapperswil, die Ende nächster Woche geplant war, wird auf November verschoben. Der Platz in Rapperswil-Jona wird bis auf weiteres zum «Ausharren» genutzt, wie der Nationalzirkus weiter schreibt.
  • Offa Mit der Verlängerung bis Ende April fällt auch die Offa ins Zeitfenster des Veranstaltungsverbots. Die Frühlings- und Trendmesse hätte vom 15. bis 19. April rund 95000 Besucher erwartet. Der traditionelle Durchführungstermin während der Frühlingsferien mache ein Verschiebedatum unmöglich, heisst es in einer Mitteilung. Ebenfalls abgesagt ist der Jahrmarkt, der jeweils zeitgleich stattfindet. Die Offa ist nach der Immo-Messe die zweite St. Galler Messe, die wegen des Corona-Virus nicht durchgeführt werden kann. Die Olma-Messen werden voraussichtlich ihr gesamtes Programm bis Ende April absagen, heisst es auf Anfrage. 22 Personen aus dem Auf- und Abbau seien bereits in Kurzarbeit.
  • Kultur Stark betroffen vom schärferen Veranstaltungsverbot ist die Kultur. Im Theater St. Gallen legt das Corona-Virus den gesamten Betrieb lahm. «Wir nehmen die angeordneten Vorgaben mit grossem Bedauern, gleichzeitig aber mit vollem Verständnis zur Kenntnis und werden den Vorstellungsbetrieb im Theater, in der Lokremise und in der Tonhalle einstellen», schreibt das Theater in einer Mitteilung. Die Regelung gilt ab sofort und bis zum 30. April. Auch das Palace in der Stadt St. Gallen sagt alle Veranstaltungen ab. Die Verantwortlichen prüfen alternative Formate für unter 50 Personen. Das Würth-Haus Rorschach schliesst den öffentlichen Bereich vom 16. März bis zum 19. April. Der Betrieb der sechs Unternehmen, die im Würth-Haus Rorschach ansässig sind, sei von der Schliessung nicht betroffen, heisst es in einer Mitteilung. Weiterhin geöffnet bleibt das Kinok in der Stadt St. Gallen. Es bietet Platz für 98 Gäste. Neu besetzt es nur jeden zweiten Platz.
  • Politik In Innerrhoden passiert wegen des Corona-Virus Historisches. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wird die Landsgemeinde abgesagt, die traditionell am letzten Sonntag im April stattfindet. Wann sie stattdessen durchgeführt wird und was mit den Bezirksgemeinden passiert, entscheidet der Kanton am Dienstag. Die SVP im Kanton St. Gallen hat ihre Delegiertenversammlung am 1. April abgesagt und die SP des Kantons St. Gallen ihren Parteitag am 25. April. Auch die Mitgliederversammlung der SP-Stadtpartei wird verschoben.
  • Freizeit Die Bäder- und Saunawelt im Säntispark sowie der Spielebereich bleiben bis auf weiteres geschlossen. Der Supermarkt, die beiden Fachmärkte sowie das Migros-Restaurant bleiben geöffnet – unter Einhaltung der behördlichen Vorgaben. Dasselbe gilt für alle anderen Migros-Restaurants in der Ostschweiz. Sämtliche Migros-Supermärkte bleiben geöffnet.
  • Kurse Wer sich in seiner Freizeit in Fremdsprachen, Geschichtsvorlesungen oder einem Kochkurs weiterbilden möchte, muss in den kommenden Wochen daheim Vokabeln lernen und am Herd stehen. Der Klubschulbetrieb ist bis auf weiteres eingestellt. Auch die öffentlichen Vorlesungen an der Universität St. Gallen sind abgesagt.
  • Walter-Zoo Wer sich Löwen und Tiger anschauen möchte, kommt auch weiterhin auf seine Kosten. Der Walter-Zoo Gossau bleibt geöffnet – allerdings mit Einschränkungen. Die Tierhäuser bleiben ab Samstag geschlossen. Reptilien und Schlangen sind dann nicht mehr zu sehen.
  • Kirchen Reformierte und Katholiken sind sich einig: Unter 100 Besuchern zu bleiben, sollte bei Gottesdiensten kein grosses Problem sein. Sollten es mehr werden, beispielsweise beim Sonntagsgottesdienst in der Kathedrale, wolle man auf umliegende Kirchen oder spätere Gottesdienste verweisen. Bischof Markus Büchel entbindet seine Gläubigen indes von der Sonntagspflicht. Das Bistum bittet insbesondere ältere Personen, daheim zu bleiben. Fernsehgottesdienste und Livestreams seien Alternativen. Am Hohen Donnerstag wird auf die Fusswaschung verzichtet werden.
  • Mineralientage Noch am Freitagmorgen hatten die Veranstalter mit der Durchführung der Mineralien- und Fossilientage gerechnet – trotz mehrerer hundert Personen, die sie pro Tag in der Kreuzbleiche erwartet hatten. Dann kam der Entscheid des Bundesrats und damit die Absage.
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