LANDESVERWEIS: Dealer sofort ausgeschafft

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat einen Albaner verurteilt, der in der Region Heroin verkauft hatte.

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Bereits zwei Tage nach dem Urteil fand sich der 25-jährige Albaner planmässig im Flugzeug wieder – zurück nach Tirana, einfach: das Ende einer kriminellen Reise. Acht Jahre bleibt ihm die erneute Einreise in die Schweiz untersagt. Dealt der Mann weiter, drohen im Wiederholungs­fall 19 Monate Haft. Die Geschichte hat auch eine tragische Seite, denn der Verurteilte stammt aus einem der ärmsten Länder Europas: Albanien liegt wirtschaftlich noch hinter Costa Rica, Sri Lanka oder Mexiko. Das National­ein­kom­men pro Kopf ist zwanzigmal niedriger als in der Schweiz.

Von der Polizei beobachtet und gefasst

Im Februar 2016 wurde der angeklagte Arbeitslose in der Hauptstadt Tirana angesprochen. Ein Mittelsmann versprach ihm gutes Geld, wenn er in die Schweiz reise, um dort Heroin ­ zu verkaufen. Der Mann reiste ein paar Wochen später in die Schweiz. An einem Bachbord sollte er einen Plastik­sack voller Heroin ausbuddeln und für 800 Franken an einen Dritten weiterverticken. 500 Franken davon sollte er einem Vierten weiter­geben, der Rest war für ihn – daheim fast ein Monatsverdienst. Es klappte.

Ein halbes Jahr später wiederholte sich das Spiel. Doch diesmal wurde er in einer Unterführung von der Polizei beobachtet. Bei der Kontrolle hatte er ein Dutzend Portionen Heroin und über 2000 Franken in gassen­typischer Stückelung bei sich. In seiner ­Jacke fanden die Polizisten auch ­einen Veloschlüssel. Der passte zu einem Zweirad am nahen Bahnhof. In dessen Lenker fanden sich weitere Drogen. Insgesamt warf ihm die Anklage den Besitz und Verkauf von rund 100 Gramm Heroin vor.

Die Staatsanwaltschaft machte geltend, dass er damit die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr gebracht habe. Andererseits habe er sich geständig gezeigt und in der gut geölten Verbrechensorganisation mit raffiniert abgestimmten Aufgaben «nur ­einen untergeordneten Rang eingenommen». Als sogenannter «Läufer» sei er ein leicht zu er­setzender, mit geringem Lohn bedachter Täter gewesen. Dafür seien 19 Monate Haft angemessen, die bei dem bisher Unbescholtenen zur Bewährung auszusprechen seien, bei einer Probezeit von drei Jahren.

«Delinquenten brauchen wir hier nicht»

Im abgekürzten Verfahren erhob das Gericht den gemein­samen Vorschlag von Staats­anwaltschaft und Verteidigung umstandslos zum Ur­teil. «Wer nur zum Delinquieren einreist, den brauchen wir hier nicht», lautete der Klartext. Das bedeutet: Sollte der Mann erneut illegal einreisen, erhält er aus­länderrechtliche Bussen, wenn er wieder dealen sollte, kommt er in Haft.

Reinhold Meier

ostschweiz@tagblatt.ch