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Landeshauptmann Markus Wallner: «Ein Hochwasser wäre ein Albtraum für die Region»

Prosperierende Wirtschaft, gesunder Tourismus, kaum Stadt-Land-Gefälle: Was macht Vorarlberg besser als die Ostschweiz? Landeshauptmann Markus Wallner über Fachkräftemangel, touristische Rezepte und die negativen Seiten des Erfolgs.
Andri Rostetter
«So weit waren wir in dieser Geschichte noch nie»: Markus Wallner. (Bild: VLK/Serra)

«So weit waren wir in dieser Geschichte noch nie»: Markus Wallner. (Bild: VLK/Serra)

Markus Wallner, wann waren Sie das letzte Mal in der Schweiz?

Das ist gar nicht so lange her. Ende April hatten wir ein Treffen der Internationalen Bodenseekonferenz am Rheinfall, eine schöne Gegend.

Was haben Sie dort gemacht?

Die IBK arbeitet ja an einer neuen Strategie. Wir wollen die Strukturen, Verfahren und die inhaltliche Ausrichtung der Organisation weiterentwickeln.

Wie intensiv sind die Kontakte mit der Ostschweiz?

Sehr intensiv, politisch und wirtschaftlich, vor allem mit den Anrainerkantonen St. Gallen und Graubünden. Unsere Regierungen treffen sich regelmässig, und zwar obligatorisch in Vollbesetzung. Unsere Verbindungen gehen aber bis nach Zürich, wenn auch nicht ganz so intensiv.

Wo kann die Ostschweiz von Vorarlberg lernen?

Wir können gegenseitig voneinander lernen. Die Schweiz ist in der Forschung internationale Spitze, in der Ostschweiz gibt es mit der Universität St. Gallen eine Bildungseinrichtung von Weltruf.

Vorarlberg hat dagegen keine Universität.

Wir haben dafür enorm viel in unsere Fachhochschulen und in die Berufsbildung investiert. Das dürfte die Schweiz mit Blick auf den Fachkräftemangel interessieren. Überhaupt haben wir sehr stark auf die Exportwirtschaft gesetzt. Das zahlt sich jetzt aus,

Vorarlberg gilt international als Boomregion. Dafür kämpfen Sie mit steigenden Bodenpreisen und Mieten.

Das ist die Kehrseite des Erfolgs. Wir versuchen aber entgegenzusteuern.

Womit?

Wir bauen jedes Jahr bis zu 750 gemeinnützige Wohnungen mit Mietpreisen etwas über 500 Euro. Aber die Aufgabe ist zugegebenermassen nicht einfach.

Warum?

Das Rheintal ist eine sehr attraktive Region. Der Nutzungsdruck ist riesig, jeder Quadratmeter umstritten.

Und abseits der Ballungszentren?

Wir haben keine Probleme mit strukturschwachen Gebieten. Es gibt kaum Abwanderung in den Talschaften, auch auf dem Land haben wir intakte Strukturen mit hoher Beschäftigung. Wir haben wirkungsvolle Förderinstrumente. Damit schaffen wir Ausgleich zwischen den Regionen. Das Stadt-Land-Gefälle existiert bei uns deshalb kaum.

Vorarlberg ist ein Vorbild für die Ostschweiz, wenn es um den Tourismus geht. Was machen Sie besser?

Man muss vorsichtig sein mit Kritik am Nachbarn. Entscheidend ist unsere neue Tourismusstrategie. Wir setzen auf drei Pfeiler: Nachhaltigkeit, Regionalität, Gastfreundschaft. Diese Strategie geht bis tief in die einzelnen Bereiche.

Zum Beispiel?

Die Tourismusorte schauen, dass auch Mitarbeiter in hochwertigen Unterkünften wohnen können. Zudem wird überall eng mit der Landwirtschaft zusammengearbeitet. Aber das sind nur zwei Punkte von vielen.

Allen Unterschieden zum Trotz: Vorarlberg und St. Gallen haben ein ähnliches Schicksal, man sucht immer wieder gemeinsam nach Lösungen, gerade im Grenzgebiet, im Rheintal.

So ist es. Hier tragen wir im Hochwasserschutz eine grosse Verantwortung. Ein Jahrhunderthochwasser würde in Vorarlberg gemäss Schätzungen Schäden in der Höhe von sieben Milliarden Euro verursachen. Das wäre ein Albtraum. Es würde die Region um Jahrzehnte zurückwerfen.

Dennoch ist das internationale Hochwasserschutzprojekt Rhesi ein Prozess, der Jahrzehnte in Anspruch nimmt.

Ja. Das heisst aber nicht, das wir nichts tun können. Vor zwei Jahren haben wir die Rheindämme analysiert und mehrere gefährdete Stellen gefunden. Wir haben diese sofort stabilisiert. Aber es stimmt: Jeder zusätzliche Tag ohne Rhesi ist ein Tag des Risikos. Wir müssen das jetzt durchziehen, die Sicherheit hat absolute Priorität. Wir müssen die Variantendebatte jetzt beenden.

In Vorarlberg gibt es vor allem in der Gemeinde Koblach starken Widerstand.

Wir haben klargemacht, dass wir nicht bei null beginnen. Die Gemeinde hat uns nun einen Forderungskatalog gestellt.

Ist er akzeptabel für Sie?

Ja. Wir arbeiten diese Punkte jetzt ab. Wir kommen der Gemeinde stark entgegen.

Mindestens so umstritten wie der Hochwasserschutz ist der Verkehr.

Noch immer gibt es auf beiden Seiten des Rheins je eine Autobahn, aber ohne Verbindung. Alle Überprüfungen zeigen, dass die S18 die Lösung sein wird. Die anderen Varianten würden nicht die gewünschte Entlastung bringen. Wir sind guten Mutes, dass wir das Ganze jetzt auf den Weg bringen.

Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

So weit wie heute waren wir in dieser Geschichte noch nie.

Zur Person

Markus Wallner (*1967) ist seit 2011 Landeshauptmann von Vorarlberg. Wallner startete seine Laufbahn 1991 bei der Industriellenvereinigung Wien und Vorarlberg und bei der EU-Kommission in Brüssel. 2000 wurde er für die ÖVP in den Vorarlberger Landtag gewählt. Wallner studierte Politikwissenschaften und Geschichte in Innsbruck. Er lebt mit seiner Familie in Frastanz. (ar)

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