LANDESGERICHT FELDKIRCH
Mörderische Fantasien: Zwei Männer planten Attentat auf junge Joggerin am Bodensee

Ein Deutscher und ein Vorarlberger wollten eine junge Joggerin vergewaltigen und ermorden. Darüber tauschten sie sich per Chat und Telefon aus. Doch das Landesgericht Feldkirch sieht es nicht als erwiesen an, dass sie das Verbrechen auch in die Tat umgesetzt hätten.

Christiane Eckert
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Eine junge Joggerin als Opfer: Ein Deutscher und ein Vorarlberger tauschten per Chat ihre Mordfantasien aus.

Eine junge Joggerin als Opfer: Ein Deutscher und ein Vorarlberger tauschten per Chat ihre Mordfantasien aus.

Bild: Vitranc/ iStockphoto

Es mutet seltsam an, was die beiden jungen Männer, der 19-jährige Deutsche und der 20-jährige Vorarlberger, als Spass ansehen. Im Chat und am Telefon malten sich die beiden ein gruseliges Verbrechen aus. Und zwar sehr konkret. Der 11. März wurde ins Auge gefasst, Opfer sollte eine junge Joggerin am Bodensee sein, die auf einem unbelebten Weg daherkommt.

Nach Zufall wollte man sie auswählen, sie zu zweit vergewaltigen, dann umbringen und entsorgen. Man überlegte, ob man sie verscharren sollte, dafür müsste man eine Schaufel im öffentlichen Verkehrsmittel transportieren, nicht ganz unauffällig, wie die Männer befanden. Im See versenken, mit einem Stein, von einem Boot aus, das erschien ihnen geschickt.

Handschuhe müsste man sich zuvor noch besorgen, wussten sie. Würde sie schreien oder Probleme machen, würde man sie abstechen, überlegte man sich. Dann stritten die beiden, die Wege trennten sich und einer der beiden erzählte seinem Sozialbetreuer davon. Da der junge Mann bereits zuvor wiederholt in psychiatrischer Behandlung war, schrillten bei dem Betreuer die Alarmglocken und er wandte sich an die Staatsanwaltschaft.

Verfahren eingeleitet

«Man kam zu mir und machte mir klar, dass es hier nicht um die Frage gehe, ob etwas passiere, sondern lediglich darum, wann es passiere», so der Anklagevertreter. Im Plädoyer bringt er Auszüge, wo der 20-Jährige gruselige Aufrufe im Internet postete, Sachen, die normalen Menschen zu denken geben. Was der Gerichtspsychiater davon hält, bleibt für die Öffentlichkeit ein Geheimnis, denn sie wird bei Gutachtenserörterung ausgeschlossen. Verteidigerin des Angeklagten setzt sich für ihren Mandanten ein und betont, dass es sich hier um alles andere als um konkrete Mord- oder Vergewaltigungspläne gehe, sondern um ein Hochschaukeln zwischen zwei jungen Männern, um Imponiergehabe und nichts Ernstes. Sie kann den Richter davon überzeugen, dass zumindest im Zweifel ein Freispruch zu fällen ist.

Ein Rest an Vorwürfen bleibt

Für den Zweitangeklagten bleibt ein kleiner Rest an Vorwürfen. Eine Sachbeschädigung von geringem Ausmass und das Herunterladen kinderpornografischer Bilder, was ihm acht Monate Bewährungsstrafe einbringt. Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil akzeptiert, ist noch offen, der Vertreter gab vorerst keine Erklärung ab, womit die Entscheidung nicht rechtskräftig ist.

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