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Ländlicher Solarboom gebremst

Nirgendwo in der Schweiz haben Landwirte in den vergangenen Jahren so viele Solarprojekte gestartet wie in St. Gallen und im Thurgau. Doch nun ändern sich die Regeln: Die landwirtschaftliche Kreditkasse zahlt nicht mehr dafür.
Andreas Kneubühler
Montage einer Photovoltaikanlage auf einer Scheune in Mörschwil im Jahr 2011. (Bild: Ralph Ribi)

Montage einer Photovoltaikanlage auf einer Scheune in Mörschwil im Jahr 2011. (Bild: Ralph Ribi)

Der Start der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) löste 2009 einen Boom aus. Plötzlich schien es auch finanziell reizvoll, in eine grössere Solaranlage zu investieren. Interessiert zeigten sich zahlreiche Landwirte – vor allem in den Kantonen St. Gallen und Thurgau. Für sie ging es nicht nur um die Produktion von Solarstrom – sondern auch um eine Möglichkeit, den Betriebsertrag breiter abzustützen. Grundlage dafür, dass die Produktion für Solarstrom auch eine langfristige Kapitalanlage sein kann, war die Vertragsdauer der KEV für jeweils 25 Jahre. Für die Investition in eine grössere Anlage – mehrere hunderttausend Franken – gab es Unterstützung von der landwirtschaftlichen Kreditkasse des Kantons St. Gallen (LKG) – falls diverse Bedingungen wie beispielsweise ein Abnahmevertrag erfüllt waren.

Altersvorsorge auf dem Dach

Die konkrete Rechnung sieht für die Landwirte so aus: Während 12 bis 15 Jahren zahlen sie den Kredit für die Investition ab. In dieser Zeit bleibe ihnen unter dem Strich nicht viel übrig, erklärte LKG-Geschäftsführer Roger Peterer im Boomjahr 2009. Danach aber könne die Solaranlage einen substanziellen Beitrag an das Einkommen leisten. Die Solaranlage funktionierte deshalb auch als Altersvorsorge. Typischerweise seien es 45- bis 55jährig Landwirte, die sich für die Investition interessierten, hatte Peterer beobachtet.

Ostschweiz an der Spitze

Die Nachfrage war denn auch gross – vor allem in der Ostschweiz: In den Kantonen Thurgau und St. Gallen seien schweizweit am meisten Anlagen unterstützt worden, sagt der stellvertretende Geschäftsführer der LKG, Marco Ender. 40 bis 50 Projekte waren es insgesamt. Es hätten noch mehr sein können. Doch schon kurz nach dem Start der KEV wurden keine neuen Gesuche mehr bewilligt, weil die Mittel erschöpft waren. Inzwischen existiert eine Warteliste mit gesamtschweizerisch knapp 30 000 Projekten. Nach 2009 trafen bei der Kreditkasse vor allem dann noch Gesuche ein, wenn sich einzelne Gemeinden engagierten und ähnliche Verträge anboten wie der Bund mit der KEV. Die Stadt Gossau ist nun deswegen in die Kritik geraten. Die vertraglich zugesicherten Abgeltungen werden als zu hoch beurteilt.

Weniger Vergütung

Inzwischen hat der Bund zwar neue Mittel für die KEV bereitgestellt, und die Warteliste soll abgebaut werden. Doch nun haben sich die Bedingungen geändert. Ab Januar 2014 kann die landwirtschaftliche Kreditkasse keine neuen Kredite mehr vergeben. Der Bundesrat hat mit der Agrarreform 14 den Spielraum für Diversifikationskredite neu definiert. Solaranlagen gehörten nicht mehr dazu, sagt Marco Ender. Auch für die kostendeckende Einspeisevergütung gibt es andere Regeln. Die neuen Verträge haben nur noch Laufzeiten von 20 Jahren, und die Vergütungssätze wurden gesenkt. Darin seien die gesunkenen Preise für Photovoltaikmodule und die tieferen Installationskosten berücksichtigt worden, begründet das Bundesamt für Energie.

Landwirte verunsichert

Was sind die Auswirkungen? Es herrsche Unsicherheit über das weitere Vorgehen, stellt Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes, fest. Einerseits seien die Landwirte am Bau von Photovoltaik-anlagen weiterhin interessiert. «Aber auch die öffentliche Hand hat ein grosses Interesse, dass die Bauern ihre Gebäude zur Verfügung stellen.» Mit den Änderungen bei der LGK werde die Finanzierung für verschiedene Landwirte unmöglich, erklärt er. In solchen Fällen könne die Vermietung des Daches für die Installation einer Photovoltaik-anlage eine Alternative sein.

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