Ländle für alle Jahreszeiten

Vertraut und doch unbekannt, so tritt einem das Vorarlberg in zwei neuen Publikationen entgegen. Vertraut, weil die Dörfer und Landschaften viele Berührungspunkte mit der Ostschweiz aufweisen.

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Der Fallbach in Österreich. (Bild: Aus: Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch)

Der Fallbach in Österreich. (Bild: Aus: Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch)

Vertraut und doch unbekannt, so tritt einem das Vorarlberg in zwei neuen Publikationen entgegen. Vertraut, weil die Dörfer und Landschaften viele Berührungspunkte mit der Ostschweiz aufweisen. Unbekannt, weil einem die beiden Bücher mit ihren vielen Hinweisen und Details zeigen, wie facettenreich das Nachbarland im Osten ist. Entgegen anderen Tourismusbüchern schlagen diese Präsentationen nicht mit Superlativen um sich, sondern führen die Leserinnen und Leser behutsam durch die Region.

Wandern durchs ganze Jahr

Von Helmut Tiefenthaler stammt «Das Vorarlberger Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch». In diesem stellt der 1941 geborene Geograph und Historiker nicht nur seine vielen Erfahrungen mit Wanderwegen zusammen, sondern ordnet sie zu einem Gang durch ein ganzes Jahr: vom Frühling am See über den Sommer in den Bergen, den Herbst in den Tälern bis zum Winter zwischen Dorf und Alp.

Kleine Kartenausschnitte geben die wichtigsten Wanderhinweise, erläuternde Texte zeigen zudem, was geschichtlich und kulturell hinter einer Landschaft steckt.

Tiefenthaler verrät in seinen Texten, dass das Landschaftserlebnis auch eine philosophische Seite hat: «Ein Wahrnehmen, das auf das Wahre der Wirklichkeit neugierig ist, beginnt zumindest mit einer Entschleunigung, wie wir sie im beschaulichen Spazieren und Wandern erleben können.» So erscheint sein Vorarlberg als ein Gebiet, in dem der Wanderer zu sich selber kommt.

Für die Nichtwanderer hat Georg Kessler einen Reiseführer unter dem Titel «Freizeit im Ländle» herausgegeben, in welchem der gelernte Geograph «die schönsten Ausflugsziele in Vorarlberg» vorstellt. Auch dieses Buch wartet nicht mit reisserischen Schlagworten, sondern mit vielen aufschlussreichen Informationen auf. Es stellt zuerst die Gegend am See vor, führt dann über das nördliche zum südlichen Rheintal, schliesslich über den Bregenzerwald in die Alpenregion bei Bludenz ins Montafon und zum Arlberg.

Besonders empfehlenswert ist laut dem Buch das Angelika-Kauffmann-Museum. Es ist der aus dem Dorf stammenden, europaweit tätigen Malerin gewidmet, bei der einst Goethe in den Zeichenunterricht ging.

Viele Berührungspunkte

In Kesslers Führer zeigen sich auch viele Berührungspunkte mit der Schweiz: das Stickereimuseum und die Rhein-Schauen in Lustenau, das Jüdische Museum in Hohenems, das Schmugglerland Gargellen oder auch der Hinweis auf Paul Grüninger, der jüdischen Flüchtlingen den Weg über den Rhein offenhielt.

Das Bemerkenswerte an beiden Publikationen: Es gelingt ihnen, das hervorzuheben, was dem Vorarlberg eigen ist. Es wird nicht der Vergleich mit anderen gesucht. Das macht die beiden Bücher zu Musterbeispielen der Tourismuswerbung und des Standortmarketings. (J. O.)

Helmut Tiefenthaler, «Das Vorarlberger Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch», Fr. 39.90 Georg Kessler, «Freizeit im Ländle», Fr. 26.60; beide Bücher Tyrolia-Verlag

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