Kyoto-Ziele nicht erreicht

Erstmals wurde in Liechtenstein der Zustand der Umwelt statistisch erfasst. Die Umweltstatistik zeigt noch grossen Handlungsbedarf auf, um die Kyoto-Ziele zu erreichen.

Günther Meier
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Messgeräte zeigen eine abnehmende Luftqualität in Liechtenstein. (Bild: Nana do Carmo)

Messgeräte zeigen eine abnehmende Luftqualität in Liechtenstein. (Bild: Nana do Carmo)

VADUZ. Zeitreihen der aktuellen Umweltstatistik reichen teilweise über Jahrzehnte zurück, womit sich die Entwicklung der Umweltbelastung und der Belastungsentwicklung an den Zahlen ablesen lässt. Die Schadstoff-Emissionen in die Luft wurden seit 1985 deutlich reduziert, doch beim Ozon wurden die Grenzwerte an vielen Tagen seit 1990 erheblich überschritten. Die Untersuchung der Flechten, die als Umwelt-Indikatoren gelten, zeigt eine abnehmende Luftqualität in den vergangenen Jahren an, was nicht mit den Messresultaten übereinstimmt. Mögliche Erklärungen sind die Abnahme der Niederschläge oder die Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur.

Schadstoffe über dem Zielwert

Die starke Motorisierung und Industrialisierung Liechtensteins trägt zu hohen Werten bei den Treibhausgas-Emissionen bei. Im Jahre 2009 wurden 247 000 Tonnen CO2-Äquivalente ausgestossen, womit das Volumen dieser Schadstoffe um rund 36 000 Tonnen über dem im Kyoto-Protokoll festgelegten Zielwert für die Periode 2008 bis 2012 liegen. Der Ausstoss von flüchtigen organischen Verbindungen wurde von 980 Tonnen im Jahr 1985 auf 408 Tonnen im Jahr 2009 gesenkt, während die emittierten Stickoxide im gleichen Zeitraum von 852 auf 635 Tonnen zurückgingen. Bei den Siedlungsabfällen registrierten die Statistiker in jüngster Vergangenheit einen Rückgang, doch generell stieg der Umfang der Siedlungsabfälle seit 1972 stetig an. Aktuell hinterlässt jeder Einwohner in Liechtenstein im Durchschnitt 995 Kilogramm Siedlungsabfälle. Beim Kehricht allein fielen im Jahr 2009 pro Einwohner 241 Kilo an.

Tüchtig sind die Liechtensteiner beim Sammeln von verwertbaren Materialien: Alteisen, Papier, Karton und Glas wurde pro Einwohner 562 Kilo registriert. Die Recyclingquote, die sich in den letzten Jahren erhöhte, lag 2009 bei 62,2 Prozent.

134 Brutvogelarten

Liechtenstein besitze trotz seiner Kleinheit eine sehr hohe Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen, hält die Umweltstatistik fest. Nicht weniger als 70 verschiedene Säugetiere, 134 Brutvögel, 7 Reptilien, 9 Amphibien, 27 Fische, 121 Weichtiere, 2 Krebsarten, 1484 Farn- und Blütenpflanzen, 440 Moose und 1705 Pilze werden nachgewiesen. Die Umwelteinflüsse und der Siedlungsdruck beeinträchtigen jedoch nach und nach die Lebensräume von Tieren und Pflanzen.

Als gefährdet gelten 239 Pflanzenarten, 4 Reptilienarten sowie 44 Brutvogelarten und 17 verschiedene Fische.