Kurzweilig präsentierte Epochen

Das umgebaute Stadtmuseum in Rapperswil-Jona soll zu einem Anziehungspunkt für Einheimische, Touristen und Schüler werden. Seine Vergangenheit als angestaubte Heimatsammlung hat das interaktive Museum hinter sich gelassen.

Michael Grimm
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Die Frontansicht des sanierten Stadtmuseums Rapperswil-Jona. (Bild: Dominique Marc Wehrli)

Die Frontansicht des sanierten Stadtmuseums Rapperswil-Jona. (Bild: Dominique Marc Wehrli)

RAPPERSWIL-JONA. Das Stadtmuseum hatte noch nicht einmal seine Türen geöffnet, schon zog es weltweite Aufmerksamkeit auf sich – zumindest bei Architekten. Auf www.dailytonic.com, einem der bedeutendsten Architekturblogs, wurde es vor wenigen Tagen zu einem Vorzeigeprojekt erhoben. Studenten rund um den Globus studieren nun den ungewöhnlichen Bau der Ortsgemeinde Rapperswil-Jona. Ebenso wurde «Janus», der bronzene Zwischenbau, Ende Januar mit grosser Mehrheit vom Online-Magazin «Swiss-Architects» zum Bau des Jahres 2011 gewählt. «Das ist eine ganz besondere Ehre», freute sich der Rapperswiler Kultur- und Kunstwissenschafter Peter Röllin bei einem Rundgang.

Viel zu sehen und zu hören

Zum eindrucksvollen Bau passt auch dessen Inhalt. Was ein Team aus Experten, Ausstellungsgestaltern und dem Kurator Mark Wüst im Breny-Haus, Breny-Turm und dem futuristischen, bronzefarbenen Zwischenbau namens «Janus» entstehen liessen, kann sich sehen lassen. Und hören. Denn das Stadtmuseum funktioniert multimedial. Auf insgesamt 370 Quadratmetern wird die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner erzählt. Sie beginnt bei den Pfahlbauern, endet aber nicht wie in manch anderem Museum im 19. Jahrhundert. Das Stadtmuseum befasst sich auch mit dem Heute. Dabei gilt: Je mehr Treppen man steigt – auch wenn es einen Lift gibt – desto moderner wird die Thematik. So verteilen sich die Epochen der Rapperswiler Stadtgeschichte auf drei Etagen. Vom hypermodernen und kühlen Gebäudeteil wechselt man mehrfach in eine wärmere, historische Atmosphäre.

Stücke mit Zusammenhang

Kurator Mark Wüst und sein Team legen grossen Wert darauf, dass die Ausstellungsstücke in einen Zusammenhang gebracht werden. «Es geht um Inhalte, nicht um das einzelne Objekt wie in einem Kunstmuseum.» Dieser Vorsatz wurde konsequent umgesetzt, so dass auch ganz gewöhnliche Einwohner oder Touristen auf unterhaltsame Weise in die Vergangenheit abtauchen und sich vertieft einzelnen Themen widmen können. Der Wandel vom angestaubten Heimatmuseum zum interaktiven Stadtmuseum scheint geglückt. Mit ein bis zwei Wechselausstellungen pro Jahr dürften auch künftige Stammgäste am Herrenberg 40 immer wieder Neues entdecken.