Kurzarbeit im Kanton St.Gallen explodiert: 5500 Betriebe können bereits Kurzarbeit beziehen – 20 Prozent mehr Stellensuchende als im Vorjahr 

Die Coronakrise trifft Arbeitnehmer schwer. Die Zahl der Stellensuchenden ist im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Vor allem Jüngere sind betroffen. Bei den Regionen ist es das Sarganserland. 

Katharina Brenner
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7900 Voranmeldungen von Betrieben für Kurzarbeit sind seit 17. März im Kanton St. Gallen eingegangen. Darüber informierte am Dienstag Karin Jung, Leiterin Amt für Wirtschaft und Arbeit.

7900 Voranmeldungen von Betrieben für Kurzarbeit sind seit 17. März im Kanton St. Gallen eingegangen. Darüber informierte am Dienstag Karin Jung, Leiterin Amt für Wirtschaft und Arbeit.

Urs Bucher

Nie zuvor ist die Zahl der Stellensuchenden in St.Gallen derart angestiegen. Dasselbe gilt für die Kurzarbeit. Das teilte die Staatskanzlei am Dienstag mit. Die Massnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie haben massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Erstmals nahm Karin Jung, Leiterin des Amts für Wirtschaft und Arbeit, an der wöchentlichen Coronapressekonferenz der Regierung teil und informierte über die aktuellen Zahlen.  

Ende März 2020 waren im Kanton St. Gallen 11'871 Stellensuchende bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet, 14 Prozent mehr als im Februar. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Stellensuchenden sogar um rund 20 Prozent angestiegen. Im Thurgau beträgt der Anstieg 14, in Ausserrhoden 12 Prozent. Die beiden Kantone liegen damit im Bereich des gesamtschweizerischen Mittels von 13 Prozent. Eine Erklärung für den stärkeren Anstieg in St. Gallen hat Jung nicht.

«Wir möchten die Entwicklungen der kommenden Wochen und Monate abwarten, ehe wir aussagekräftige Interpretationen anstellen.»  

Jüngere am stärksten von Anstieg betroffen

Am stärksten ist die Zunahme bei den 15- bis 24-Jährigen mit mehr als 30 Prozent. Bei den 25- bis 49-Jährigen beträgt sie 20 Prozent, bei den 50-Jährigen und Älteren 17 Prozent. Auch hier möchte Jung nicht spekulieren, sondern weitere Daten sammeln. Was sie sagt: Die Stellensuchenden-Quote unter den Jüngeren sei bis dato tiefer ausgefallen als bei den anderen Altersgruppen, daher fielen auch die prozentualen Veränderungen unterschiedlich aus.

Im Sarganserland ist der Anstieg der Stellensuchenden im Jahresvergleich mit mehr als 30 Prozent am stärksten. Gemäss Jung spielt es eine Rolle, dass das Sarganserland wegen des Branchenmix stark von den vom Bundesrat verfügten Betriebsschliessungen betroffen ist. In den Wahlkreisen Rorschach, Rheintal, See-Gaster und Wil beträgt die Zunahme zwischen 20 und 30 Prozent. Das Werdenberg liegt im kantonalen Schnitt, das Toggenburg und der Wahlkreis St. Gallen darunter.

Bei den Branchen ist der Anstieg im Maschinenbau und Baugewerbe überdurchschnittlich, im Fahrzeugbau ist sogar ein geringfügiger Rückgang festzustellen. Im Dienstleistungssektor ist das Gastgewerbe mit einem Anstieg um fast die Hälfte besonders betroffen.
Während die Zahl der Stellensuchenden steigt, sind bei den RAV 22 Prozent weniger Stellen gemeldet als im Vorjahresvergleich, aktuell 2234. Die Stellenmeldepflicht ist vorläufig aufgehoben, Jung appelliert an Arbeitgeber, offene Stellen trotzdem zu melden. Einzig in einer Berufsgruppe haben die gemeldeten Stellen zugenommen: in der Landwirtschaft.

Team von einer Person auf 30 aufgestockt

Seit dem 17. März sind im Kanton St.Gallen 7900 Voranmeldungen von Betrieben für Kurzarbeit eingegangen. Im ganzen Januar waren es gerade mal 20. Alle Branchen seien betroffen, so Jung. 5500 Gesuchsteller hätten bereits eine Verfügung erhalten und könnten Kurzarbeit beziehen, das betrifft weit über 40'000 Mitarbeiter. Um den Ansturm zu bewältigen, wurde das Team von einer Person auf 30 aufgestockt. Welche Beträge ausbezahlt wurden, könne erst nach einigen Monaten festgestellt werden.

Ab Mittwoch können KMU mit Sitz im Kanton St. Gallen Überbrückungskredite bis maximal 250'000 Franken beantragen – als Ergänzung zum Bundesprogramm. Die Regierung sieht eine maximale Garantiesumme von 45 Millionen Franken vor. Möglich sind Kreditanträge mit bis zu fünf Millionen Franken Umsatz. Der Zinssatz liegt bei 1,25 Prozent, die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Diese Kredite sichert der Kanton zu 90 Prozent ab. Die Banken tragen 10 Prozent des Ausfallrisikos. Die Regierung unterstützt zudem Sportvereine mit 700'000 Franken aus dem Sport-Toto-Fonds.

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