Kurhaus wird Asylzentrum

Die Baldegger Schwestern vermieten ihr Kurhaus in Amden dem Kanton St. Gallen. Während mindestens fünf Jahren werden darin bis zu 120 Asylsuchende untergebracht. Die Gemeinde ist überrascht, am Montag wird informiert.

Daniel Graf
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Blick auf das Kur- und Ferienhaus Bergruh in Amden – seit 91 Jahren von Baldegger Schwestern geführt. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

Blick auf das Kur- und Ferienhaus Bergruh in Amden – seit 91 Jahren von Baldegger Schwestern geführt. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

AMDEN. Ab 2016 wird das Kurhaus Bergruh, das zurzeit von den Baldegger Schwestern betrieben wird, zu einem kantonalen Asylzentrum. Bis zu 120 Asylsuchende sollen dort untergebracht werden und das während mindestens fünf Jahren. Ein Asylprojekt dieser Grössenordnung hat es im Linthgebiet noch nie gegeben. Der Amdener Gemeinderat hat erst letzten Donnerstag vom Vertrag zwischen den Baldegger Schwestern und dem Kanton erfahren. «Die Information, dass das Kurhaus, wie es heute betrieben wird, aufgegeben werden muss, hat in der Gemeinde Betroffenheit ausgelöst», sagt Toni Jöhl, Stellvertreter von Gemeindepräsident Urs Roth. Das «Bergruh» sei bei den Einwohnern sehr beliebt gewesen.

Ständige Überwachung

Urs Weber, Leiter der Asylabteilung beim Migrationsamt in St. Gallen, war gestern vor den Medien bemüht, jegliche Sicherheitsbedenken im Keim zu ersticken: «In den kantonalen Asylzentren steht 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche jemand zur Verfügung.» Diese Person diene als Ansprechpartner sowohl für die Asylsuchenden als auch für die Bewohner der Gemeinde. «Ausserdem verstärken wir die Sicherheit, jeweils von 17 bis 3 Uhr wird privates Sicherheitspersonal anwesend sein.» Und auch die Kantonspolizei werde so gut wie jeden Tag beim neuen Asylzentrum Präsenz markieren. Weber betont: In den kantonalen Asylzentren seien seit zweieinhalb Jahren keine gröberen Vorfälle mehr passiert.

Bei den zehn bis 15 Mitarbeitern, die im Asylzentrum arbeiten werden, achte er speziell darauf, dass neben Fachwissen auch eine gute Sozialkompetenz vorhanden sei. Nur so könne es gelingen, die Asylsuchenden möglichst reibungslos auf ein Leben in der Gemeinde vorzubereiten. Auf die Idee, aus dem Kurhaus eine Asylunterkunft zu machen, kamen die Baldegger Schwestern, nachdem sie verschiedene andere Nutzungsmöglichkeiten geprüft hatten.

Für Generaloberin Zita Estermann haben vor allem zwei Gründe zur Schliessung geführt: «Einerseits werden die Schwestern hier immer älter und der Nachwuchs fehlt. Es ist uns so nicht mehr möglich, den Betrieb wie bisher weiterzuführen.» Andererseits sei die Nachfrage nach einem Kurhaus wie dem «Bergruh» auch aus gesundheitspolitischen Gründen stetig gesunken. Immer weniger Personen nähmen sich nach einer Operation oder Krankheit die Zeit, sich auszukurieren. Aus diesem Grund sei der Orden «seit längerem mit Zukunftsfragen konfrontiert». Das Angebot kam dem Kanton gerade recht. Dieser muss seit Jahren immer mehr Asylsuchende aufnehmen, wie Jürg Eberle, Leiter des kantonalen Migrationsamts, erklärt: «2014 musste der Kanton St. Gallen elf Prozent mehr Asylsuchende betreuen als im Vorjahr.» Dazu komme, dass immer mehr Personen auch tatsächlich ein Bleiberecht erhielten. Diese Quote sei in den letzten Jahren auf über 60 Prozent gestiegen.

Eberle betont, das Linthgebiet sei «auf der Asylkarte des Kantons bisher ein weisser Fleck». St. Gallen betreibt zurzeit vier unbefristete und zwei befristete Asylzentren. Im Raum See-Gaster stehen bisher lediglich zwei Liegenschaften zur Verfügung: Das befristete Asylzentrum in Weesen sowie die Jugendherberge Busskirch in Rapperswil-Jona, die derzeit aber nicht genutzt wird. «Mit dem Asylzentrum in Amden haben wir eine dauerhafte Lösung gefunden, um diese Lücke zu schliessen», sagt Eberle.

Stillschweigen über die Miete

Sicher ist, dass die Baldegger Schwestern die Liegenschaft nicht mehr für sich selber benötigen werden. Damit stehen die Chancen gut, dass der Vertrag mit dem Kanton verlängert und das «Bergruh» auch nach 2021 als Asylunterkunft genutzt werden kann. Über die Mietkosten haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Für die Gemeinde werden keine Kosten anfallen – sie hat gar gewisse Vorteile (siehe Kasten).

Am Montag, 11. Mai, orientieren Gemeindebehörden, Kantonsvertreter sowie Regierungsrat Fredy Fässler ab 19.30 Uhr im Gemeindesaal Amden über das neue Asylzentrum.

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