Der künftige HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller provoziert die FDP

Der designierte HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller fordert, dass die Universität sich auch künftig weitgehend selber reglementiert. Der FDP-Fraktionschef widerspricht.

Andri Rostetter
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Das Foyer der Universität St.Gallen. (Bild: Urs Bucher, 18. September 2018)

Das Foyer der Universität St.Gallen. (Bild: Urs Bucher, 18. September 2018)

Spesenaffäre, Turbulenzen in der Führungsetage, Debatten über Nebenbeschäftigungen: Die HSG ist an mehreren Fronten unter Druck. Bernhard Ehrenzeller ist der Mann, der ab Februar 2020 wieder Ruhe auf den St.Galler Rosenberg bringen soll. Wie er sich das vorstellt, hat der designierte HSG-Rektor im Interview mit unserer Zeitung erstmals dargelegt. Wenig überraschend: Ehrenzeller pocht darauf, dass die Uni die aktuellen Probleme selber löst. «Wir müssen sie schliesslich auch umsetzen.»

Bernhard Ehrenzeller, designierter Rektor: «Die HSG ist keine Verwaltungsabteilung.» (Bild: Benjamin Manser)

Bernhard Ehrenzeller, designierter Rektor: «Die HSG ist keine Verwaltungsabteilung.» (Bild: Benjamin Manser)

Die Autonomie der HSG sei zentral, insbesondere mit Blick auf die internationale Konkurrenz. Man müsse deshalb aufpassen, dass die Universität nicht überreglementiert werde. «Die HSG ist keine Verwaltungsabteilung.» Sie erwirtschafte einen erheblichen Teil ihres Umsatzes selber. Dafür brauche es unternehmerischen Spielraum.

Ehrenzellers Aussagen haben nun die FDP auf den Plan gerufen. Fraktionschef Beat Tinner verschickte gestern über die Geschäftsstelle der Partei eine schriftliche Entgegnung. Darin greift er die Universitätsleitung frontal an. «Inwiefern die HSG aktuell über ein funktionierendes Rektorat verfügt, sei dahingestellt», schreibt er. Sicher sei dagegen, dass in den vergangenen Monaten verschiedene Akteure in Regierung, Universitätsrat und Universitätsleitung ihre Führungsverantwortung nicht wahrgenommen hätten. «Dies auch wenn jüngst – und das wird ausdrücklich begrüsst – in verschiedenen Fällen Massnahmen ergriffen wurden.» Tinner zeigt sich überzeugt: Würden sämtliche Gremien und jede einzelne involvierte Person ihre Führungs- und Eigenverantwortung wahrnehmen, sollten Exzesse, wie sie jüngst publik wurden, nicht mehr passieren. Die Weichen würden mit der Überarbeitung des Universitätsgesetzes gestellt. «Federführend ist dabei aber keineswegs die Universität selbst, sondern die Politik.»

Beat Tinner, Fraktionschef FDP St. Gallen: «Für uns ist diese Debatte nicht Selbstzweck.» Bild: PD

Beat Tinner, Fraktionschef FDP St. Gallen: «Für uns ist diese Debatte nicht Selbstzweck.» Bild: PD

Tinner verweist auf die dringliche Motion, die das Parlament im vergangenen November mit grosser Mehrheit gutgeheissen hat. Die Motion fordert eine eigenständige und überdepartementale Projektorganisation für die Ausarbeitung des Gesetzes. Will heissen: Die kantonale Politik soll möglichst breit involviert werden. Die FDP stelle die Autonomie der Universität damit nicht in Frage, hält Tinner fest. Wesentliche akademische Entscheide müsse die HSG weiterhin selber fällen können. Die Politik müsse aber Rahmenbedingungen setzen, die es der Uni erlaubten, die jüngsten Probleme zu lösen und die Verantwortlichkeiten zu klären. «Wäre die Universität, wie das Ehrenzeller behauptet, tatsächlich in der Lage, selbst Lösungen zu finden, hätten wir diese Debatte wohl nicht», schreibt Tinner. «Spielräume sind wichtig – aber auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Universität in den nächsten Jahren mit rund 55 Millionen Franken aus der Staatskasse alimentiert wird.»

Bashing-Vorwürfe gegen FDP

Mit Tinners Breitseite geht der Streit zwischen HSG und FDP in eine neue Runde. Die Fraktion hatte im November gefordert, dass der Bericht zur Administrativuntersuchung im Zusammenhang mit der Spesenaffäre öffentlich gemacht wird. Die Universitätsleitung liess sie abblitzen. Im Januar warf Tinner der Uni «kollektives Führungsversagen» vor. Aus dem Umfeld der Universität ist mittlerweile die Klage zu hören, der St. Galler Freisinn versuche sich mit HSG-Bashing zu profilieren. Tinner widerspricht: «Für die FDP ist diese Debatte nicht Selbstzweck. Unser Engagement hat ein Ziel: Die Universität St. Gallen als eine der wichtigsten kantonalen Institutionen zu stärken und ihr eine blühende Zukunft zu ermöglichen.»

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