Kundgebung
Nach unbewilligter Corona-Demonstration in Appenzell: Verantwortliche werden angezeigt

Am Samstagnachmittag zogen bei strömendem Regen rund 500 Coronaskeptiker und -skeptikerinnen durch das Dorf Appenzell. Gemäss der Kantonspolizei ist es zu keinen Sachbeschädigungen oder Verhaftungen gekommen. Die für die Demo verantwortlichen Personen werden angezeigt.

Claudio Weder und David Grob
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Bilder: Claudio Weder (Appenzell, 5. Juni 2021)

Strömender Regen in Appenzell, einige Schweizer Fahnen, viele Regenschirme, Glockengebimmel. Einige Grüppchen haben sich auf dem Brauereiplatz versammelt, einige warten in der Hauptgasse auf den Start des Demonstrationszuges.

Unbekannte haben zu einer Coronademonstration in Appenzell aufgerufen. Die Demonstration ist nicht bewilligt, klar ist einzig der Startpunkt Brauereiplatz um 13:30 Uhr. «Es ist noch nicht wahnsinnig viel los», sagt Roland Koster, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden, kurz vor 13:30 Uhr. Koster steht auf dem Brauereiplatz in Appenzell und beobachtet das Geschehen.

«Es sind wohl etwas weniger als 100 Leute auf dem Brauereiplatz.»

Doch die Zahl sei schwierig einzuschätzen, einige Grüppchen befinden sich in den Gassen des Dorfes, einige könnten noch in den Restaurants warten, in die sie nun ja wieder dürfen, meint Koster. Diese Einschätzung deckt sich mit der Einschätzung unseres Reporters vor Ort. Etwas später werden beide ihre Einschätzung revidieren.

Gegen 13:45 Uhr setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. Transparente ragen in die Luft. Auf den einen wird für ein Nein zum Covid-Gesetz geworben, auf anderen steht: «Make Influenza great again» oder «Steckt euch die Genspritze in den Arsch». Manche Teilnehmende sammeln Unterschriften am Strassenrand. «Liberté», skandieren einige, Glocken bimmeln, ein wenig später stossen rund 20 Trychler hinzu, wie so oft an Demonstrationen von Coronaskeptikern dieser Tage.

Erst wenige Demonstrierende, dann immer mehr

Der Demonstrationszug wird immer länger. Roland Koster sagt gegen 14 Uhr, als die Demonstration sich längst durch die Gassen des Dorfes zieht:

«Es nehmen gegen 1000 Personen an der Demonstration teil. Die Leute sind wirklich aus allen Löchern herausgekommen.»

Im Communiqué, das die Polizei nach der Demonstration verschickte, wurde die Zahl der Teilnehmenden dann aber wieder nach unten korrigiert: Gemäss Mitteilung waren es rund 500 Personen, die am unbewilligten Demonstrationszug teilnahmen. Die Leute versammelten sich zunächst beim Parkplatz Gringel, ehe sie sich via Unterrainstrasse, Poststrasse, Hauptgasse zum Landsgemeindeplatz und wieder zurück zum Gringel bewegten. Die Demonstrationsteilnehmer seien aus der ganzen Schweiz angereist, nur wenige Einheimische seien dabei gewesen, meint Koster.

Aus den versplitterten Grüppchen zu Beginn ist ein Demonstrationszug geworden. Das Ziel ist unklar: Die Demonstration ist unbewilligt, eine Route haben die Behörden demnach auch nicht erhalten. Zuschauer stehen kaum welche am Strassenrand. «Die wenigen Touristen sind gegangen», meint Koster.

Die Polizeitaktik für Koster ist klar: «Wir wollen es nicht eskalieren lassen.» Man werde den Demonstrationszug tolerieren, wenn nicht beispielsweise der Verkehr blockiert werde. Ein Einschreiten durch die Polizei scheint ohnehin nicht notwendig. «Die Stimmung ist ganz friedlich», meint Koster.

Keine Ausschreitungen, keine Verhaftungen

Gegen 14.30 Uhr löste sich die Demonstration allmählich auf. Wie die Kantonspolizei im Communiqué weiter mitteilt, wurde sie durch Polizeikräfte des ganzen Ostschweizer Polizeikonkordates verstärkt. Die Einsatzleitung habe den Schwerpunkt auf das Verhindern von Personen- und Sachschäden gelegt. Aufgrund des Prinzips der Verhältnismässigkeit sei auf das Durchsetzten der Maskentragpflicht verzichtet worden.

Zu Ausschreitungen oder Sachbeschädigungen ist es nicht gekommen. Es wurde niemand verhaftet. Die für die Demo verantwortlichen Personen werden ermittelt und an die Staatsanwaltschaft von Appenzell Innerrhoden verzeigt.