Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KULTURDENKMAL: Das alte Bad Pfäfers: Vom Kultbad zur Kulturoase

Einst Ort der Heilung und Inspiration zahlreicher Berühmtheiten, ist das älteste Barockbad der Schweiz jetzt kantonaler Kulturstandort. In der Thermalwasser-Quellschlucht lässt sich die Wucht des Wassers erleben. Unterwegs beim Alten Bad Pfäfers.
Ursula Wegstein
Das Alte Bad Pfäfers ist das einzige noch bestehende Barockbad der Schweiz.

Das Alte Bad Pfäfers ist das einzige noch bestehende Barockbad der Schweiz.

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>


Diesem Ort kann man sich auf dreierlei Wegen nähern. Allerdings nur langsam. Nicht mit dem Auto. Auch das Velofahren ist auf der Schotterstrecke nicht erlaubt. Das Alte Bad Pfäfers ist entweder von Pfäfers oder Valens wandernd von oben durch den Wald zu erreichen. Oder von unten: entlang der Tamina von Bad Ragaz über die leicht ansteigende Strasse mit dem Schluchtenbus, der Rösslipost oder zu Fuss.

Hohe Felswände, schäumende Wasser, Steine und Wald begleiten uns auf dem Weg von Bad Ragaz hinauf. Die Gämsen am Hang verstecken sich noch. Aufgrund des Schmelzwassers fliesst die Tamina momentan braun statt klar bergab. Das ist im Sommer anders, sagt Schluchtenführerin Denise Kirchner. Angekommen beim restaurierten Alten Bad Pfäfers, gelangen wir durch den langen Barockgang vorbei an Küche, Stube und Speisesaal zum Eingang in die ­Taminaschlucht. Erst über eine Brücke, dann durch ein Drehtor führt der Weg direkt in die Felsspalte hinein in die ­Dunkelheit. Wir nähern uns dem Naturschauspiel.

Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Luther - Das Musical (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
Altes Bad Pfaefers (Bild: Michel Canonica)
40 Bilder

Rundgang im alten Bad Pfäfers

Im Jahr 1240 von zwei Klosterjägern entdeckt

Immer enger rücken die Felsen zusammen, bis sie irgendwann ein Dach bilden. Durch den Felsspalt fällt kaum noch Licht. Kurz zeigt sich der Himmel noch als Oval, bis er irgendwann ganz verschwunden ist. Es wird merklich kühler. Unten rauscht gleichmässig die Tamina, oben spritzt und tropft es von den 60 bis 80 Meter hohen Felsen. Wie durch einen Trichter verstärken die Felsen das Rauschen. Über Jahrmillionen hat sich hier das Wasser seinen Weg durch die Felsen gesucht. Unter dem Felsendach am ­Eingang in den Tunnelgang steigt der Dampf des 36,5 Grad warmen Thermalwassers auf. Der Dampf war es, auf den der Geschichte nach im Jahr 1240 zwei Jäger vom nahe gelegenen Kloster Pfäfers aufmerksam geworden sind. Mönche entdeckten daraufhin die heilende Wirkung des Wassers.

Schnell sprach sich die wundersame Kraft der warmen Quelle herum. In teilweise halsbrecherischen Aktionen hat man Heilungssuchende hier von oben in Körben zum Bad in die Schlucht abgeseilt. Wannen schlug man in die Felsen, in welchen die Kranken badeten. Allerdings nicht nur 20 Minuten, wie heute empfohlen, sondern teilweise sieben bis zwölf Tage lang. «Vielleicht nahm hier das Wellnessen von heute seinen Anfang», sagt die Schluchtenführerin. Zwei Badehäuser wurden hier später auf Stelzen errichtet, die man über Leitern erreichen konnte. Durch einen Tunnel führt das letzte Stück des Weges vorbei an einem Trinkwasserbrunnen in das Felsinnere zur Quellwassergrotte. Die Luft wird jetzt feucht und immer wärmer. Hinter Glas dampft und sprudelt die Quelle. Pro Minute pumpt sie 5000 bis 8000 Liter an die Oberfläche.

Illustre Gäste von Paracelsus über Zwingli bis Furgler

Wissenschafter vermuten, dass das Quellwasser im Sardona- oder Tödigebiet versickert, rund 1000 Meter tief in die Erde eindringt, dabei erwärmt wird und in der Taminaschlucht durch die Felsquerspalten nach zehneinhalb Jahren wieder an die Oberfläche gelangt. Durch moderne Kunststoffleitungen wird das kostbare Nass heute direkt nach Bad Ragaz und Valens geleitet, wo es in den Kurzentren weiterhin zur Behandlung des Stütz- und Bewegungsapparates, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie neurologischen und stoffwechselbedingten Störungen eingesetzt wird – und zum Wellnessen.

Nach einem Schluck aus dem Brunnen kommen wir zurück zum alten Bad am Eingang der Schlucht. Der Barockbau wurde 1718 fertiggestellt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Bad zu einer international renommierten Kurstätte. Seine Hochblüte erlebte es in der Biedermeierzeit. Im renovierten Speisesaal sind zahlreiche Berühmtheiten im ­Por­trät verewigt: Ulrich Zwingli, Hans Christian Andersen, Victor Hugo, Thomas Edison, Johanna Spyri, Rainer Maria Rilke, Kurt Furgler. Wichtigster Gast war allerdings Paracelsus: Er wirkte 1535 als erster Badearzt in Pfäfers und machte das Bad mit seiner Schrift über diesen Ort weitherum bekannt.

Kleinskulpturenausstellung heute eröffnet

Über 700 Jahre hat man hier gebadet. 1970 wurde der Badebetrieb nach Valens verlegt. Neben Museum und Restaurantbetrieb finden in den Gewölbegängen und Sälen des renovierten Bades heute Ausstellungen, Konzerte oder Seminare statt. Das ganze Gebäude ist zu besichtigen: Küche, Gästezimmer, alte Wannenbäder bis zum Dachstuhl. Das ­Museum veranschaulicht, wie es hier zu früheren Zeiten zu- und herging: Man promenierte in schönen Gewändern, Frack oder Uniform. Ein Orchester spielte zur Unterhaltung. In den besten Zeiten kochten 22 Köche für 300 Gäste. Es gab Gymnastik, und die Krankenschwestern sangen mit ihren Patienten. Über Politik und Religion durfte man nicht sprechen, erzählt die Führerin.

Seit der neuen Saison ist das Bad wieder im Eigentum des Kantons und ist kantonaler Kulturstandort. Heute beginnt das Festival der Kleinskulpturen mit Künstlern aus aller Welt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.