Kritik nach dem Massencrash

Wie ist es möglich, dass der Tunnel einer Stadtautobahn glitschig ist? Und weshalb dauerte die Sperrung des Rosenbergtunnels über vier Stunden? Die Verantwortlichen nehmen Stellung.

Daniel Walt
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ST. GALLEN. «Es gibt Hunderttausende von Fachleuten auf unseren Strassen. Wenn wir jede Kritik auf die Goldwaage legen, machen wir unseren Job nicht mehr lange.» Das sagt Norbert Matti, Leiter Nationalstrassen Gebiet VI. Er ist unter anderem zuständig für die St. Galler Stadtautobahn, auf der es am Dienstag kurz vor 13 Uhr zu einer Massenkarambolage von 16 Fahrzeugen gekommen ist. In der Folge stellte sich manch einer die Frage, ob der Unterhaltsdienst seinen Job nicht gemacht habe – die Fahrbahn im Rosenbergtunnel war zum Unfallzeitpunkt rutschig. Entsprechende Kritik wurde beispielsweise in Kommentaren auf dem Online-Portal unserer Zeitung laut.

Keine kritischen Werte

Wegen der dauernden Schneefälle waren die Streufahrzeuge laut Norbert Matti bereits ab der Nacht auf Dienstag, 2 Uhr, im Einsatz. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Glatteis-Frühwarnsystem. Es misst den Salzgehalt sowie die Boden- und die Lufttemperatur – sechs Messpunkte gibt es auf der St. Galler Stadtautobahn. «Nach 9 Uhr zeigten sie keine problematischen Werte mehr an», betont Norbert Matti. Trotzdem wurde im Verlauf des Vormittags entschieden, noch einmal zwei Streufahrzeuge auf Tour zu schicken – sie passierten die spätere Unfallstelle im Rosenbergtunnel laut Matti kurz nach 11 Uhr.

«Das Möglichste getan»

Auch im Vorfeld der Massenkarambolage kurz vor 13 Uhr hat das Glatteis-Frühwarnsystem keinen Alarm geschlagen. Der Grund: Im Tunnel war es zum Unfallzeitpunkt kälter als draussen, wo die Messstationen plaziert sind. Die tiefe Lufttemperatur, eine entsprechende Bodentemperatur sowie die Feuchtigkeit dürften somit zur gefrierenden Nässe geführt haben.

Norbert Matti ist überzeugt: «Wir haben unser Möglichstes getan.» Ein nochmaliges Salzen in jenem Bereich vor dem Unglückszeitpunkt sei aufgrund der Messdaten nicht angezeigt und zudem schlicht nicht machbar gewesen – «sonst müssten wir doppelt so viele Streufahrzeuge haben.»

Erster Unfall als Auslöser

Eine entscheidende Rolle bei der Auslösung des Massencrashs spielte ein erster Unfall, der sich im vorderen Bereich des Tunnels ereignet hatte. Hanspeter Krüsi, Medienchef der Kantonspolizei: «Ein Auto war auf der glitschigen Fahrbahn zuerst an die rechte und dann an die linke Tunnelwand geraten und auf der Normalspur stehen geblieben.» Ein zweites Fahrzeug konnte anhalten, nicht aber ein drittes. In der Folge passierten gegen 30 Autos die Stelle auf der Überholspur. Bis schliesslich ein Wagen bremste. Daraufhin kam es zur Massenkarambolage – laut Krüsi der grössten in der Geschichte der Stadtautobahn.

Kritik an der vierstündigen Sperrung weist er zurück. Er betont, dass die Polizei die Autobahn viel länger hätte blockieren müssen, wenn sich der Unfall nicht in einem Tunnel ereignet hätte. Zur Klärung des detaillierten Hergangs kann sie nämlich auf die Bilder der Tunnelüberwachung zurückgreifen. An einem anderen Ort hätte sie viel Zeit dafür aufwenden müssen, alle Unfallspuren genau zu dokumentieren.

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