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Kritik an Umsetzung der
IT-Bildungsoffensive: «Das dauert schlichtweg zu lang»

Die St.Galler Regierung hat den Programmauftrag für die IT-Bildungsoffensive verabschiedet. Er regelt Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Zu Inhalten ist in dem Schreiben nichts zu erfahren. Aus der SP kommt Kritik.
Katharina Brenner
Die Inhalte der IT-Bildungsoffensive, zum Beispiel Projekte in der Volksschule, werden aktuell erarbeitet. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die Inhalte der IT-Bildungsoffensive, zum Beispiel Projekte in der Volksschule, werden aktuell erarbeitet. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Fünf Monate nach der Abstimmung über die IT-Bildungsoffensive hat die St.Galler Regierung den Programmauftrag verabschiedet. Zu Inhalten steht auf den 23 Seiten nichts. Der Programmauftrag kläre Aufgaben und Verantwortlichkeiten, er regle die grundlegenden Elemente der Programmsteuerung und schaffe Klarheit in Bezug auf die Koordination der Projekte, schreibt die Regierung.

Laura Bucher, Co-Präsidentin der Fraktion von SP und Grünen St.Gallen (Bild: Regina Kühne)

Laura Bucher, Co-Präsidentin der Fraktion von SP und Grünen St.Gallen (Bild: Regina Kühne)

SP-Präsident Max Lemmenmeier spricht von einer «kafkaesken Projektorganisation». Das sei bei Projekten des Bildungsdepartements nichts Neues. Laura Bucher, Co-Präsidentin der SP-Grünen-Fraktion, äussert sich positiv zum Programmauftrag. Er stelle die Vernetzung über alle Bildungsstufen sicher. Sie sagt aber auch: «Entscheidend wird die Ausgestaltung und Umsetzung der konkreten Projektaufträge sein, auf die wir gespannt warten.»

Erste Wirkung nach zwei von acht Jahren

Einer, der nicht länger warten will, ist Ruedi Blumer. «Es braucht ein ganzes Jahr, um die Projektaufträge zu erstellen. Das dauert schlichtweg zu lang.» Und es verschlinge zu viel des Kredites für Strukturelles, sagt der SP-Kantonsrat, der 17 Jahre Schulleiter in Wil war.

«Es wäre möglich, auch in kürzerer Zeit ein durchdachtes, gutes Konzept zu erarbeiten.»

Die wichtigen Aktivitäten seien die in den Volks-, Berufs- und Mittelschulen, zu denen auch Weiterbildungen für Lehrpersonen gehören. «Diese werden aber erst ab dem Schuljahr 2021/22 angeboten. Das ist zu spät.» Dann seien bereits zwei von acht Jahren der IT-Bildungsoffensive verstrichen.

Bildungsdirektor Stefan Kölliker widerspricht vehement:

«Die Kritik, es gehe zu langsam, kann ich absolut nicht nachvollziehen.»

Der St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (Bild: Regina Kühne)

Der St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (Bild: Regina Kühne)

Bei einem solch komplexen, mehrjährigen Programm sei es unglaublich wichtig, zu Beginn die Rahmenbedingungen festzulegen. An den Projektaufträgen werde bereits intensiv gearbeitet. Bis Frühjahr 2020 will die Regierung fünf Projektaufträge erlassen. Die Pädagogische Hochschule St. Gallen, das Amt für Berufsbildung, die Fachhochschule Ost, die Universität St.Gallen sowie der Verein IT St.Gallen erstellen je einen.

In der Vorlage war die Aufteilung des Kredits an die unterschiedlichen Leadorganisationen bereits aufgeführt. Im Programmauftrag heisst es nun, die Projekte «haben in der Budgetierung eine Agilitätsreserve von zehn Prozent vorzusehen». Am Gesamtbetrag von 75 Millionen Franken werde sich nichts ändern, sagt Kölliker. Innerhalb dieses Betrags können aber Gelder «von einem Handlungsfeld in ein anderes verschoben werden, wenn sich dort eine Dringlichkeit ergibt». Die Digitalisierung wandle sich so schnell.

Lehrerverband erwartet Einbezug

Daniel Thomman, Co-Präsident des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands St.Gallen (Bild: PD)

Daniel Thomman, Co-Präsident des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands St.Gallen (Bild: PD)

Der kantonale Lehrerinnen- und Lehrerverband nimmt den Fahrplan positiv auf. Co-Präsident Daniel Thommen sagt, 2020 werde das neue Beurteilungsreglement in der Volksschule eingeführt. Für die Lehrpersonen bedeute das Weiterbildungen. Dasselbe werde für die IT-Bildungsoffensive gelten. «Käme beides nächstes Jahr, wäre das zu viel.»

Auch Vertreter von CVP, FDP und SVP äussern sich positiv zum Programmauftrag. Dass derzeit «vielerorts noch konkretere Umschreibungen fehlen», sei zwar zu bedauern, aber auch nachvollziehbar wegen «der hohen Komplexität und Dynamik im Bereich der Digitalisierung», sagt Sandro Hess, Leiter Fachkommission Bildung der CVP. Die Ausgestaltung zeichne sich durch ein gesundes Mass an Flexibilität aus. FDP-Präsident Raphael Frei meint, bei einem Projekt dieser Grössenordnung sei es richtig, nichts zu überstürzen. Sandro Wasserfallen, Präsident Fachkommission Bildung der SVP, nennt den Programmauftrag «einen wichtigen Meilenstein». Die Verantwortlichkeiten und Kontrollmechanismen seien klar definiert.

Zu diesen Kontrollmechanismen gehört, dass das Parlament jährlich über den Stand der Umsetzung und später auch die Wirkung der Projekte informiert wird. Wasserfallen, Hess und Blumer sind sich einig: Das Parlament wird die Umsetzung der IT-Bildungsoffensive genau beobachten.

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