Kritik an Fracking wächst

Britische Firmen planen, nördlich des Bodensees nach Gasvorkommen zu suchen – der Bundesrat äussert sich nur knapp dazu. Das geht aus einer Antwort an Nationalrat Reimann hervor.

Regula Weik
Drucken
Teilen
Mit derartigen Bohrtürmen kann mit der Fracking-Methode in Gestein eingeschlossenes Erdgas freigesetzt und gefördert werden. (Bild: epa/Jim Lo Scalzo)

Mit derartigen Bohrtürmen kann mit der Fracking-Methode in Gestein eingeschlossenes Erdgas freigesetzt und gefördert werden. (Bild: epa/Jim Lo Scalzo)

«Die Interessen der Schweiz werden durch eine Schweizer Delegation in der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee wahrgenommen.» Das schreibt der Bundesrat auf eine Eingabe des Wilers Lukas Reimann im Nationalrat. Aus der bundesrätlichen Antwort wird klar: Der Bundesrat mag sich nicht in die Diskussion über das geplante Fracking am Bodensee einmischen. Mitte November war bekannt geworden, dass zwei britische Unternehmen in Baden-Württemberg nach Schiefergas bohren wollen.

Die Internationale Gewässerschutzkommission hatte sich bereits vergangenes Jahr mit dem Thema «Unkonventionelle Gasgewinnung aus Erdgaslagerstätten» beschäftigt und damals den Beschluss gefasst: «Kohlenwasserstoff-Gewinnungen aus dem Bodensee oder seinem Umland sind nicht vereinbar mit dem Schutz der Trinkwassergewinnung und dem vorsorglichen Gewässerschutz.»

Online-Petition läuft

Der Bundesrat weist in seiner Antwort an Reimann weiter darauf hin: «Die Internationale Bodenseekonferenz, in der auch die betroffenen Schweizer Kantone Einsatz haben, vertritt ebenso eine ablehnende Haltung.»

Die Bodensee-Stiftung sieht das anders. Sie kritisiert die «vage und inhaltsleere» Aussage der Bodenseekonferenz (Ausgabe vom 11. Dezember). Diese hatte festgehalten, der Bodensee sei «ein unverzichtbarer Trinkwasserspeicher für fast fünf Millionen Menschen» und dem Schutz des Trinkwassers müsse «eine hohe Priorität» eingeräumt werden. Die Bodensee-Stiftung hat denn auch eine Online-Petition «Verhindert das Fracking im Bodenseeraum» auf der Plattform www.avaaz.org eingerichtet.

Motion nachreichen?

Nationalrat Reimann wehrt sich vehement gegen das geplante Fracking am Bodensee. Die Pläne der britischen Firmen seien «ein nicht hinnehmbares Risiko». Die Antwort des Bundesrats genügt ihm nicht. Er prüft eine Motion. «Ich habe diese noch nicht zur Hand», sagt Reimann. «Ich möchte mich über die Details erst noch mit anderen Ostschweizer Parlamentariern absprechen.»

Fragen an St. Galler Regierung

Auch im Kanton St. Gallen ist ein politischer Vorstoss zum Thema hängig. Der Goldacher SP-Kantonsrat Felix Gemperle will von der Regierung wissen, was sie höher gewichtet – den Schutz des Bodensee-Trinkwassers oder die Förderung von Erdgas.

Aktuelle Nachrichten