Kritik an Böschs Blaufahrt - und Schonfrist

WIL. Die Wiler SVP-Fraktion hat ihren Entscheid im Fall Sarah Bösch vertagt. Sie will zunächst abklären, ob und unter welchen Umständen eine weitere Zusammenarbeit mit ihr noch möglich ist. Von ihrer Alkoholfahrt und der Kritik an der Polizei distanziert sie sich allerdings.

Daniel Walt
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Die Wiler SVP-Stadtparlamentarierin Sarah Bösch. (Bild: pd)

Die Wiler SVP-Stadtparlamentarierin Sarah Bösch. (Bild: pd)

Am Montagabend tagte die SVP-Fraktion des Wiler Stadtparlaments. Neben gewöhnlichen Politgeschäften stand auch ein heisses Eisen an: Die SVP-Politiker mussten darüber befinden, wie sie mit dem Fall Sarah Bösch umgehen. Das erst vor kurzem zur SVP Wil gestossene Mitglied hatte für schweizweite Schlagzeilen gesorgt, weil sie in St.Gallen alkoholisiert von der Polizei aus dem Verkehr gezogen worden war. Noch während der Kontrolle postete sie auf Facebook scharfe Kritik am Vorgehen der Beamten. Und muss sich nun auch wegen des vor einigen Jahren gescheiterten Projekts einer Tagesstätte für behinderte Kinder im Kanton Zürich unangenehme Fragen gefallen lassen.

Schätzung: Eine bis zwei Wochen
In einem Communiqué teilte die Wiler SVP-Fraktion in der Nacht auf Dienstag mit, sie distanziere sich in aller Deutlichkeit von den abwertenden Äusserungen, die Sarah Bösch gegenüber Sicherheitskräften gemacht habe. "Trunkenheit am Steuer ist kein Kavaliersdelikt", heisst es in der Mitteilung. Die SVP-Fraktion schätze die Arbeit der St.Galler Sicherheitskräfte ausserordentlich, habe diese immer tatkräftig unterstützt und werde das weiterhin tun. "Die SVP-Fraktion legt grossen Wert auf Glaubwürdigkeit in einem öffentlichen Amt", schreibt sie weiter. Deshalb werde sie interne Verhaltensregeln im Umgang mit Social Media erarbeiten.

Entscheid aufgeschoben
Ein Entscheid zur Frage, ob Sarah Bösch noch eine Zukunft in der Wiler SVP-Fraktion hat, ist hingegen noch nicht gefallen. SVP-Fraktionspräsident Mario Schmitt erklärte am Dienstagmorgen auf Anfrage von Tagblatt Online: "Wir prüfen, ob und wenn ja unter welchen Voraussetzungen eine Zusammenarbeit mit ihr in der SVP-Fraktion noch möglich ist." Diese Abklärungen würden noch etwas Zeit in Anspruch nehmen - Schmitt schätzt, dass es um eine oder zwei Wochen geht. Während dieser Zeit werde es keine weiteren Auskünfte mehr zum Fall Sarah Bösch geben.

"Wäre nicht seriös gewesen"
"Es wäre nicht seriös gewesen, nach einer Sitzung, an der wir vor allem Parlamentsgeschäfte behandelt haben, gegen Mitternacht oder halb eins noch einen solchen Entscheid zu fällen", sagt Mario Schmitt. Zudem seien nicht alle Fraktionsmitglieder auf dem selben Wissensstand in der Angelegenheit gewesen - "und dann wäre es schade, einen Entscheid zu fällen, den man ein, zwei Tage später vielleicht wieder bereut", so Schmitt.

Noch keine Fragen beantworten müssen
Sarah Bösch war laut Mario Schmitt an der Fraktionssitzung zugegen. Fragen zu den Vorwürfen an ihre Person beantwortete sie allerdings nicht - "und das musste sie auch nicht, weil wir gemeinsam beschlossen haben, uns für die Abklärungen die nötige Zeit zu nehmen", so der Fraktionspräsident. Mario Schmitt, ein erklärter Befürworter Sarah Böschs, ist mit dem am Montagabend getroffenen Entscheid zufrieden: "Ich finde das Vorgehen, das wir gewählt haben, seriös", sagt er.