Kriminelle entdecken Cannabis

Die Polizeikorps der Ostschweiz stellen eine steigende Tendenz beim Hanfanbau in geschlossenen Räumen fest. Die Betreiber seien zunehmend organisierte kriminelle Gruppen.

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Cannabis aus Indooranlagen ist stärker als draussen angepflanzter Hanf. (Bild: Kapo LU)

Cannabis aus Indooranlagen ist stärker als draussen angepflanzter Hanf. (Bild: Kapo LU)

70 Indoorhanfanlagen fand die Kantonspolizei St.Gallen im vergangenen Jahr, mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. Eine steigende Tendenz stellt auch die Thurgauer Kantonspolizei bei den Indooranlagen fest. Der Cannabisanbau in geschlossenen Räumen habe den Anbau draussen in den letzten Jahren verdrängt, sagt Eugen Rentsch, Leiter der Abteilung Betäubungsmitteldelikte der Kantonspolizei St.Gallen. Mit Hilfe von künstlicher Beleuchtung und oft automatisierter Düngung und Bewässerung lasse sich drinnen deutlich stärkeres Cannabis züchten.

Organisierte Gruppen

Die Betreiber der Indooranlagen seien vermehrt organisierte kriminelle Gruppen, oft mit Balkanhintergrund, sagt Eugen Rentsch. Diese betreiben meist grössere Anlagen mit zum Teil über 1000 Pflanzen oder Netzwerke kleinerer Plantagen. Denn das Geschäft mit Cannabis ist lukrativ. Rund eine Milliarde werde mit der Droge jährlich umgesetzt. Und für Cannabis drohen geringere Strafen als für Vergehen mit härteren Drogen.

Lange dominierten kleinere Anbieter den Schweizer Cannabismarkt. Laut Christian Schneider, Analytiker der Bundeskriminalpolizei, beliefern diese weiter den grössten Teil des Marktes. Er bestätigt aber, dass Cannabis auch für organisierte Gruppen attraktiv sei. Gerade Gruppen aus dem Balkan hätten lange den Heroinmarkt dominiert. Doch der Konsum des Heroins nehme ab.

Busse statt Verfahren

Erwischt die Polizei Cannabiskonsumenten, muss sie seit Oktober 2013 nur noch eine Ordnungsbusse aussprechen. Die neue Regelung, die im Kanton St.Gallen schon seit 2002 gilt, habe sich bewährt, heisst es bei den Ostschweizer Polizeikorps. Sie habe zu einer massiven Entlastung geführt, sagt Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Da umständliche Verfahren wegfallen, sei auch der Aufwand für die Staatsanwaltschaften deutlich kleiner geworden.

Etwa gleich geblieben sei die Zahl der bestraften Konsumenten: Rund 1600 Kiffer wurden im vergangenen Jahr mit einer solchen Busse von 100 Franken bestraft. (ken/rob)

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 1. Februar.