Kriminaltouristen gehen auf Ostschweizer Baustellen um

Diebe transportieren auf Ostschweizer Baustellen teure Werkzeuge, aber auch Glaskeramikherde ab – manchmal am helllichten Tag. Teils stammen die Tipps von Bauarbeitern.

Daniel Walt
Merken
Drucken
Teilen
Ungebetener Besuch: Bei ihren Diebstählen auf Baustellen lassen die Täter oftmals teure Maschinen und Werkzeuge mitgehen. (Bild: Kapo SG)

Ungebetener Besuch: Bei ihren Diebstählen auf Baustellen lassen die Täter oftmals teure Maschinen und Werkzeuge mitgehen. (Bild: Kapo SG)

"Auf Baustellen wird alles gestohlen - mit Vorliebe aber Elektromaschinen." Das sagt Pankraz Breitenmoser, Geschäftsleiter der St.Galler Baufirma Cellere AG. Im schlimmsten Fall stünden die Arbeiten jeweils still, bis neue Geräte besorgt seien. Auf jeden Fall aber bedeuten solche Diebstähle Umtriebe und Kosten für die betroffenen Firmen.

Diebe mit Fachkenntnissen
Hanspeter Krüsi, Medienchef der St.Galler Kantonspolizei, musste in den vergangenen Monaten immer wieder Meldungen zum Diebstahl von Werkzeugen auf Baustellen verfassen – seit Anfang August wurden gegen zehn Fälle publik. Krüsi spricht in Bezug auf die Täterschaft von Kriminaltouristen, die sich auf Baustellen spezialisiert haben – so, wie sich andere Gesetzesbrecher auf Schmuck und Uhren oder Modeartikel konzentrieren. Dass die Räuber über einiges Fachwissen verfügen, liegt für Krüsi auf der Hand: "Sie stehlen meist gute Geräte – beliebt sind beispielsweise Bohrmaschinen der Marke Hilti."

Markt in Osteuropa
Bei ihrem ungebetenen Besuch auf Baustellen gehen einige Diebe besonders dreist vor: Sie kommen nicht nachts, sondern tagsüber. Und zwar in Arbeitskleidern. "So fallen sie unter all den Bauarbeitern nicht auf", sagt Hanspeter Krüsi. Gleiches gilt für die Tatsache, dass nach Erkenntnissen der Polizei oft nicht etwa ausländische Wagen, sondern Autos mit hiesigen Kontrollschildern benutzt werden, um das Diebesgut abzutransportieren. Die gestohlenen Werkzeuge, aber auch für Neubauten bestimmte Einrichtungsgegenstände wie Küchenkombinationen, Kühlschränke oder Beleuchtungskomponenten bringen die Diebe laut Hanspeter Krüsi meistens rasch ins Ausland, und zwar nach Osteuropa. Wobei der Kantonspolizei St.Gallen auch Fälle bekannt sind, bei denen auf Baustellen gestohlene Werkzeuge später bei Einbrüchen hierzulande wieder aufgetaucht sind. "So fanden wir bei aufgeschweissten Tresors teils schon Trennscheiben oder Bohrhämmer von Baustellen", sagt er.

Kupferdiebstähle haben abgenommen
Ein Thema sind Baustellen-Diebstähle auch im Kanton Thurgau. Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei, weiss von 76 Fällen, die seit Anfang Jahr aktenkundig geworden sind. "Vom blossen Einbruchsversuch ohne Deliktsgut über Diebstähle von Kabelrollen, Bohrmaschinen und anderen Geräten bis hin zum Abtransport von halben Kücheneinrichtungen ist alles dabei", sagt er. Keinerlei Fälle gemeldet wurden in den vergangenen Monaten in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden. Viel ruhiger als noch vor einigen Jahren ist es in der gesamten Ostschweiz derzeit, was den Diebstahl von Kupfer angeht. Hanspeter Krüsi von der St.Galler Kantonspolizei: "Entweder ist dieser Markt im Moment gesättigt, oder es sind aktuell keine Leute verfügbar, die auf diese Art von Diebstählen spezialisiert sind."

"Generalverdacht wäre verfehlt"
Zurück zu den aktuellen Problemen mit Dieben, die auf Ostschweizer Baustellen Werkzeuge, Kühlschränke oder Herde stehlen. Profitieren sie von Insider-Informationen oder gar aktiver Mithilfe durch Arbeiter von Baustellen? "Davon gehen wir aus", antwortet Hanspeter Krüsi. Auch Pankraz Breitenmoser von der Firma Cellere hat sich schon hie und da gefragt, wie es sein kann, dass genau diese oder jene Maschine verschwunden ist. "Es wäre aber komplett falsch, die Mitarbeiter unter Generalverdacht zu stellen oder Leute aufgrund ihrer Herkunft gar nicht einzustellen", hält er fest. Was Breitenmoser und seinen Branchenkollegen nach Diebstählen bleibt, sind der Ärger und die Kosten. Verschwinden Geräte, ohne dass Einbruchsspuren vorhanden sind, kommt keine Versicherung für den Schaden auf. Im gegenteiligen Fall müssen die Firmen zumindest einen Selbstbehalt zahlen.

Wählerische Diebe auf Bauernhöfen

Publik geworden sind in den vergangenen Monaten auch einige Fälle von Werkzeug-Diebstählen auf Bauernhöfen im Kanton St.Gallen. Dabei hatten es die Diebe vielfach auf Geräte der Marke Stihl abgesehen – gleichwertige Maschinen anderer Marken interessierten sie nicht. "In dieser Hinsicht ist es im Moment wieder ruhig geworden", sagt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St.Gallen. Wer hinter den Diebstählen steckt, hat die Polizei bisher nicht herausgefunden. (dwa)