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KRIMINALTOURISMUS: Ohrringe im Teddybär

Ostschweizer Grenzwächter geraten oft ins Staunen. Nicht nur die Verstecke, auch das mutmassliche Diebesgut und die Tatwerkzeuge zeugen vom Einfallsreichtum der Kriminaltouristen.
Tim Frei
Spezielle Verstecke (im Uhrzeigersinn): Lieferwagen, vollgestopft mit Velos; Teddybär, gefüllt mit Schmuck; präparierte Handtasche. (Bilder: Grenzwachtkorps III)

Spezielle Verstecke (im Uhrzeigersinn): Lieferwagen, vollgestopft mit Velos; Teddybär, gefüllt mit Schmuck; präparierte Handtasche. (Bilder: Grenzwachtkorps III)

Tim Frei

tim.frei@tagblatt.ch

«Nicht nur wir, auch die Kriminaltouristen haben sich spezialisiert», erklärt Martin Tschirren, Dienstchef Aufgabenvollzug und Mediensprecher der Grenzwachtregion III. Genauso wie das Grenzwachtkorps der Ost- und Südostschweiz tut die andere Seite das auch. «Um Grenzposten zu rekognoszieren, schickt sie Vorläufer.»

Der Begriff Kriminaltouristen umschreibt ausländische Straftäter ohne festen Wohnsitz in der Schweiz. Auch in anderer Hinsicht haben sich die kriminellen Besucher weiterentwickelt: Um das mutmassliche Diebesgut und die Tatwerkzeuge über die Grenze zu schmuggeln, denken sie sich immer aussergewöhnlichere Verstecke aus.

Anfang Oktober fassten Grenzwächter im St. Galler Rheintal zwei Polen. In Buchs erwischte eine mobile Patrouille einen gesuchten Einbrecher, am Grenzübergang in Widnau wurde eine Polin mit Tatwerkzeug geschnappt. Die 38-Jährige hatte in ihrer Handtasche Magnete versteckt, mit denen sich Diebstahlsicherungen aushebeln lassen.

Im Innenraum war die Tasche zudem mit einer Metallfolie präpariert. «Das erlaubt es, diebstahlgesicherte Waren problemlos durch die Schranke am Ladenausgang zu bringen», sagt Martin Tschirren. An ein anderes Versteck erinnert sich Tschirren, als sei es gestern gewesen. Im letzten Sommer fassten Grenzwächter in Rheineck sechs ausreisende Rumänen, die mutmassliches Diebesgut in einem Teddybär versteckt hatten – Ketten, Ohrringe, Armringe und Goldplättchen. Nebst weiteren Gegenständen wie Porzellangeschirr oder Bargeld fanden die Grenzwächter auch eine Tasche mit einer Schreckschusspistole mit Munition.

«Die häufigsten Verstecke sind die Hohlräume der Fahrzeuge», betont Tschirren. So würden verdächtige Gegenstände oft in Stossstangen, Türen oder der Autobatterie gefunden. Auch die Tatwerkzeuge sind nicht ohne. Nebst Brecheisen und Haken sind Grenzwächter auch auf Dietriche – sogenannte «Polenschlüssel» – gestossen. Oder auf Funkgeräte, mit denen sich Autos aufschliessen lassen: Diese können das Funksignal eines Autoschlüssels abfangen und das Auto später selbst öffnen.

Im Hintergrund agieren Banden

Ostschweizer Grenzwächter haben in den letzten Monaten eine Vielfalt an mutmasslichem Diebesgut entdeckt. Am häufigsten handelt es sich um Kosmetikartikel wie Parfüms oder Rasierklingen. Aber auch Velos, Ski und Schmuck kommen immer mal wieder vor. Als Extrembeispiele erwähnt Tschirren einen Lieferwagen, der mit Velos vollgestopft war. Ein anderes Mal waren es Kettensägen.

Die Kriminaltouristen kommen mehrheitlich aus dem osteuropäischen Raum. Das Grenzwachtkorps hat Erkenntnisse, dass hier Banden am Werk sind. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen bestätigt dies bezüglich abgeschlossener Verfahren: «In der Vergangenheit stellten wir bandenmässiges Vorgehen fest, teilweise auch durch Familien», sagt Staatsanwaltschafts-Sprecherin Regula Stöckli. Von «organisierter Kriminalität» gemäss Begriffsdefinition will sie aber nicht sprechen.

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