Kriminalstatistik
Weniger Einbrüche, mehr Online-Betrügereien: Die Ostschweizer Kantone in der Übersicht

Die Ostschweizer Kantone haben die Kriminalstatistik von 2020 veröffentlicht. Was auffällt: Die Zahl der Einbrüche ist wegen Corona deutlich gesunken.

Tim Naef
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Die Zahlen zum Kanton St.Gallen: Straftaten haben um drei Prozent zugenommen

Straftaten gegen das Strafgesetzbuch (insbesondere Betrugsfälle, Pornografie und Fahrzeugeinbruchdiebstähle) haben um drei Prozent zugenommen, während Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz leicht abgenommen haben:

Starker Anstieg der schweren Gewaltdelikte

Die schweren Gewaltdelikte (Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen, schwerer Raub und Vergewaltigungen) haben aufgrund einer Zunahme von schweren Körperverletzungen um insgesamt 12 Prozent zugenommen. Letztere haben sich im Vergleich zum vergangenen Jahr beinahe verdoppelt, wohingegen Tötungsdelikte und Vergewaltigungen abgenommen haben.

Die Anzahl der Sexualdelikte stieg im Vergleich zum Vorjahr wieder an. Dies ist damit zu erklären, dass die Pornografie-Fälle um fast 50 Prozent zugenommen haben. Diese machen mehr als 90 Prozent der Cyberdelikte aus und haben insofern zum Anstieg der Cyberdelikte beigetragen.

Zwei Tötungsdelikte weniger

Delikte gegen Leib und Leben erhöhten sich um 29 Prozent, jedoch können zwei Tötungsdelikte weniger aufgeführt werden, nämlich neun statt wie beim letzten Mal elf Ereignisse. Bei allen Vorfällen handelte es sich um versuchte Tötungsdelikte, die glücklicherweise keine Todesopfer forderten und allesamt aufgeklärt werden konnten. Ein Fall eines vollendeten Tötungsdelikts auf Stadtgebiet wird in dieser Statistik nicht geführt, da die Ermittlungen durch ein ausserkantonales Korps geführt werden.

Weniger Raubüberfälle

Bei den Raubüberfällen ist eine Abnahme um 13 Prozent zu verzeichnen.

Deutlich mehr Betrugsfälle

Es gab eine relativ grosse Zunahme von Betrugsfällen, nämlich um 34 Prozent. Dies lässt sich hauptsächlich auf Cyberdelikte zurückführen (932 von 1137 Betrugsfällen waren Cyberdelikte). So müssen hierzu auch bereits erste Betrügereien in Zusammenhang mit Covid-19 gezählt werden.

Corona führt zu einer Abnahme bei Einbrüchen

Ebenfalls mit der Covid-Situation und der vermehrten Anwesenheit der Personen in ihrem Zuhause dürfte indes der Rückgang von Einbruchdiebstählen um 28 Prozent zu erklären sein. Der vermehrte Aufenthalt in den eigenen vier Wänden und die dadurch entstandene Nähe zu Mitmenschen dürfte sich auf der anderen Seite wiederum auf die Zunahme von Straftaten bei häuslicher Gewalt (19 Prozent) ausgewirkt haben.

Wer hat die meisten Straftaten begangen?

Beschuldigte Personen im Alter von 15 bis 19 Jahren sowie von 25 bis 39 Jahren sind im vergangenen Jahr als die aktivsten Altersgruppen in Erscheinung getreten. Die männlichen Personen machen dabei die Mehrheit aus.

Die Aufklärungsquote

Insgesamt fiel die Aufklärungsquote mit 63 Prozent im Vergleich zu 58 Prozent im Vorjahr leicht besser aus.

Deutlicher Rückgang der Straftaten im Kanton Thurgau

Die Zahl der Straftaten hat im vergangenen Jahr deutlich abgenommen: Gemäss polizeilicher Kriminalstatistik 2020 wurden im Thurgau 8527 Straftaten nach Strafgesetzbuch registriert, das ist gegenüber 2019 eine Abnahme um 892 Delikte oder 9,5 Prozent. Im Jahr 2013 waren noch 11'822 Delikte registriert worden. Die Häufigkeitszahl, die Anzahl Straftaten je 1000 Einwohner, sank 2020 von 34,1 auf 30,5. Schweizweit liegt die Häufigkeitszahl bei 49,0 (50,6). Gestiegen ist die Aufklärungsquote: 43,3 Prozent aller Delikte wurden aufgeklärt, im Jahr zuvor waren es 41,6 Prozent.

Hohe Aufklärungsquote bei Gewaltdelikten

Bei den Gewaltstraftaten wurden im vergangenen Jahr 994 Delikte registriert, eine Zunahme um 2 Prozent. Die schwere Gewalt nahm um 10 Prozent zu; dabei konnten alle drei vollendeten und alle vier versuchten Tötungsdelikte aufgeklärt werden. Angestiegen ist auch die Zahl der schweren Körperverletzungen, von 12 auf 16 Delikte. Bei der minderschweren Gewalt ist bei den einfachen Körperverletzungen eine Zunahme um 8 Prozent auf 155 Delikte zu verzeichnen, während die Zahl der Tätlichkeiten um 8 Prozent auf 323 zurückging.

Markant weniger Einbrüche

Wie die Gesamtzahl der Straftaten ging 2020 auch die Zahl der Vermögensdelikte um 9 Prozent zurück: Es wurden 5493 (6064) Straftaten gegen das Vermögen registriert. Beim Diebstahl gab es insgesamt 1983 Delikte, 15 Prozent weniger als 2019. Dabei sank die Zahl der Einbrüche um markante 24 Prozent auf den historischen Tiefststand von 487 Delikten; 2013 waren es noch 1164 Fälle gewesen. Auch die Zahl der Einschleichdiebstähle hat abgenommen, um 11 Prozent auf 265 Delikte. Die Zahlen beim Einbruch- und Einschleichdiebstahl sind zwar schon seit einigen Jahren rückläufig, doch 2020 dürfte die Coronapandemie diese Entwicklung noch verstärkt haben.

Auch der Kanton Appenzell Ausserrhoden verzeichnet weniger Straftaten

Die Aufklärungsquote aller Straftaten gegen das Strafgesetzbuch (StGB) liegt in Kanton Appenzell Ausserrhoden bei 59,5 Prozent. Die Gesamtzahl der Straftaten nach StGB liegt für das Jahr 2020 bei 1723, was einer Abnahme gegenüber dem Vorjahr von 3 Prozent gleich kommt. Die Zahl der registrierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz beträgt 187 und ist somit um 9 Prozent gesunken.

Mehr Gewaltdelikte, hohe Aufklärungsquote

Bei den Gewaltstraftaten wurde eine Zunahme von 9 Prozent auf 178 Straftaten verzeichnet. Die schwere Gewalt nahm mit zwei Straftaten ab. Erfreulich ist, dass keine Tötungsdelikte verzeichnet werden mussten. Die Zahl der einfachen Körperverletzungen blieb mit 11 konstant. Die Aufklärungsquote aller Gewaltstraftaten ist mit 89,3 Prozent (Vorjahr: 92,1 Prozent) erneut erfreulich hoch.

Zwei Vergewaltigungen angezeigt

Bei den Straftaten gegen die sexuelle Integrität weist die Statistik eine Abnahme auf 48 Delikte (Vorjahr: 60) aus. Vergewaltigungen wurden zwei, sexuelle Nötigungen keine und sexuelle Belästigungen drei zur Anzeige gebracht. Die Aufklärungsquote aller Straftaten gegen die sexuelle Integrität beträgt 91,7 Prozent.