Cybercrime
«Der Gauner gibt sich als Polizist aus und erfragt Zugangsdaten»: Kantonspolizei St.Gallen warnt vor neuer Betrugsmasche

Die Kantonspolizei hat einen starken Anstieg an Betrügern festgestellt, die sich als Polizisten oder Bankangestellte ausgeben und sich so von gutmütigen Bürgern hohe Geldbeträge ergaunern. Die Vorfälle haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.

Eva Wenawaser, Alain Rutishauser
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Die Täterschaft versucht mittels Lügengeschichten das Vertrauen der Personen zu erschleichen.

Die Täterschaft versucht mittels Lügengeschichten das Vertrauen der Personen zu erschleichen.

Symbolbild: Kantonspolizei St.Gallen

Die Telefonbetrüger lassen sich stets neue dreiste Vorgehensweisen einfallen. Während sie in der vergangenen Zeit versuchten, sich als Enkel in einer Notlage oder als falscher Polizist auszugeben, ist laut einer Medienmitteilung der Kantonspolizei St.Gallen im Moment eine neue Betrugsmasche auffällig: Die Täterschaft versuche nicht nur mittels Lügengeschichten das Vertrauen von älteren Person zu erlangen, sondern rufe nun auch jüngere Generationen an.

«Dabei geben sich Telefonbetrüger als Polizisten aus und erfragen Zugangsdaten oder Zugriff auf den Bildschirm des Opfers», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Dadurch gelangen sie auf die Konten der Opfer und überweisen direkt hohe Geldbeträge ins Ausland. Bereits im Vorjahr wurden im Kanton St.Gallen rund 290 solche Fälle gemeldet, bei denen Betrüger unter Vortäuschung falscher Tatsachen Geld ergaunern wollten. In acht Fällen waren die Täter erfolgreich, erbeuteten insgesamt über 320'000 Franken.

Dunkelziffer um einiges höher als die bekannten Fälle

Hanspeter Krüsi ist Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen

Hanspeter Krüsi ist Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen

Bild: PD

2021 ist es bereits zu 67 solchen Delikten gekommen, die Zahl hat sich also im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht. Zwar waren die Täter nur in einem Fall erfolgreich, konnten aber immerhin 42'000 Franken erbeuten. «Das sind aber nur die gemeldeten Fälle. Wir gehen von einer viel höheren Dunkelziffer aus, deshalb ist auch die Erfolgsquote schwierig einzuschätzen», sagt Krüsi. Wenn aber nur zwei oder drei weitere Versuche im ähnlichen Rahmen gelungen seien, betrage der Schaden bereits weit über 100'000 Franken.

Als Gründe für die Zunahme solcher Delikte vermutet Krüsi die Homeoffice-Pflicht wegen Corona, durch die nun öfters zu Hause am Computer gearbeitet werde. «Auch die Täterschaft verlagert sich nach Hause vor den Computer. Die Einbrüche nehmen ab, und Cybercrime, also Verbrechen im Internet nimmt zu.»

Betrügergruppen aus dem Ausland

Der Betrugsversuch, bei dem der Täter Erfolg hatte und 42'000 Franken erbeutete, lief wie folgt ab: «Das Opfer hat einen Anruf des Gauners erhalten, der sich als Polizist ausgegeben hat», sagt Krüsi. Der Betrüger habe von einem Hackerversuch auf das Bankkonto des Opfers gesprochen. «Um nachzuprüfen, ob der Hacker erfolgreich gewesen sei, brauche der Gauner die Zugangsdaten des E-Banking.» Mit Benutzernamen und Passwort habe sich der Betrüger dann eingeloggt und selber Geld ins Ausland überwiesen.

Hinter den Betrugsdelikten stecken ausländische Gruppen: «Dabei sind Gruppierungen aus der Türkei federführend», sagt Krüsi. Allerdings seien auch andere osteuropäische Länder, beispielsweise Russland oder Rumänien, involviert.

Verhaltensempfehlungen der Polizei

Die Kantonspolizei St.Gallen bittet dringend darum, wachsam zu sein. Weder Polizisten noch Bankangestellte oder andere vertrauenswürdige Berufsleute erfragen telefonisch Passwörter oder sonstige Zugangsdaten für den Computer. Zur besser Erkennung von bösen Absichten sind folgende Informationen zu beachten.

Verhaltensempfehlungen der Kantonspolizei St.Gallen in Bezug auf das neue Phänomen:

  • Die Polizei fordert nie auf, Geld bei einer Bank oder einem Finanzinstitut abzuheben.
  • Die Polizei fordert ebenso nie auf, Geld aus Sicherheitsgründen in einen anderen Kanton oder gar ins Ausland zu bringen.
  • Die Polizei verlangt nicht, dass man ihr Geld, Schmuck oder andere Wertgegenstände aushändigt oder irgendwo hin bringt.
  • Die Polizei fordert oder empfiehlt nie, Geld via E-Banking auf ein bestimmtes Konto zu überweisen, schon gar nicht ins Ausland.
  • Die Polizei verlangt nie, dass Sie das laufende Telefongespräch nicht beenden oder unterbrechen dürfen.
  • Lassen Sie sich nicht von der auf dem Telefondisplay angezeigten Rufnummer irreführen. Diese kann von der Täterschaft verfälscht werden.

Weitere Hinweise:

  • Gewähren Sie niemandem Fernzugriff auf Ihren Computer oder Ihr Smartphone, den Sie nicht zu hundert Prozent kennen.
  • Geben Sie keine Kreditkartennummern, Pin-Codes, Passwörter oder Nummern von Bankkarten bekannt.
  • Seien Sie stets wachsam gegenüber fremden Personen, die Sie anrufen oder persönlich ansprechen.
  • Wählen Sie den Notruf 117, wenn Sie eine verdächtige Feststellung machen.
  • Gewähren Sie fremden Personen nie Zutritt zu Ihrem Wohnbereich.
  • Machen Sie niemandem gegenüber Angaben über Ihre Vermögenssituation oder vorhandenem Geld oder Wertsachen.
  • Bewahren Sie keine grösseren Geldbeträge zu Hause auf.
  • Geben Sie nie Auskunft über Ihre Wohnverhältnisse und machen Sie keine Angaben zu Ihrer Person.