Zwischenfall
«Der Vorfall tut allen sehr leid»: Verhalten eines Romanshorner Kindergärtlers über Doktorspielchen hinaus versetzt die Eltern in Aufruhr

Am Dienstag ist es am Romanshorner Chindsgi Zelgli zu einem bedenklichen Zwischenfall gekommen. Die Schulleitung reagiert unter anderem mit einem Schreiben und einem Elterngespräch. Doch die Eltern haben Angst um ihre Kinder.

Tanja von Arx
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Am Romanshorner Kindergarten Zelgli kam es zu körperlichen Grenzüberschreitungen und teils auch sexualisiertem Verhalten.

Am Romanshorner Kindergarten Zelgli kam es zu körperlichen Grenzüberschreitungen und teils auch sexualisiertem Verhalten.

Symbolbild: Benjamin Manser

«Wir Eltern haben Angst.» Das sagt eine Mutter gegenüber unserer Zeitung, betreffend unschöne Vorfälle am Romanshorner Kindergarten Zelgli. Der Redaktion liegt ein Schreiben der Schulleitung an die Eltern vor, dem von Seiten zu entnehmen ist:

«Liebe Eltern, wir möchten Sie darüber informieren, dass es im Kindergarten zwischen einzelnen Kindern zu körperlichen Grenzüberschreitungen und teils auch sexualisiertem Verhalten gekommen ist.»

Weiter: «Das Interesse am eigenen Geschlecht ist in diesem Alter völlig normal. Dennoch ist es wichtig, bereits im Kindergartenalter zu wissen, wo Grenzen liegen und wie man Nein sagen kann.»

«Halten Sie Augen und Ohren offen»

Es folgt eine Auflistung von Massnahmen, welche die Schule bereits ergriffen habe: Schulsozialarbeit beiziehen, die Kinder sensibilisieren, auch präventive Programme durchführen. Zudem folgen Empfehlungen an die Eltern. Zuletzt: «Halten Sie Augen und Ohren offen. Nicht alle Kinder sprechen direkt über Erlebnisse, die für sie übergriffig und verletzend waren.» Und:

«Bestärken Sie Ihr Kind darin, auf jeden Fall deutlich Nein zu sagen, wenn ihm jemand körperlich zu nahe kommt.»

Was ins Auge fällt: Konkret beschrieben werden die Vorfälle nicht. «Das plagt einen», sagt die Mutter. «Man weiss nicht genau, worum es geht.» Auch ein Elterngespräch am Freitagmorgen hat keine Klarheit gebracht. Im Gegenteil. Die Mutter sagt:

«Scheinbar waren die Vorfälle so gravierend, dass die Schulleitung nicht sagen will, was genau passiert ist.»

Es sei nicht mehr um Doktorspielchen gegangen. Offenbar hatte die Mutter Kontakt mit einem Elternteil eines betroffenen Kindes:

«Aber sie will nichts sagen. Es sei so schlimm gewesen, dass sie die ganze Nacht nicht schlafen konnte.»

Das Ganze ereignete sich am Dienstag, scheinbar zwischen zwei Kindern. Sowohl das übergriffige als auch das betroffene Kind wurden mittlerweile aus der Gruppe genommen, ersteres durch die Schule und zweiteres durch die Eltern. Eine Stellvertretung hat die Kindergärtnerin abgelöst und dann deren Kollegin, welche für die parallele Kindergartengruppe zuständig ist. «Das ist alles komisch», sagt die Mutter. «Ständig fragt man sich: Ist das anderen Kindern auch schon passiert?» Denn die Hemmschwelle sei gross, über das Thema zu reden.

Eltern bemängeln die Kommunikation der Schule

Unterdessen stehen auch Vorwürfe im Raum. Eltern bemängeln besonders die Kommunikation von Seiten der Schule. «Es ist am Dienstagmorgen passiert, kommuniziert hat man am Donnerstagabend um halb sechs», sagt die Mutter. «Der Schulleiter war für Fragen nicht mehr erreichbar.» Geradezu verharmlosend, ja fast schon zynisch würde die Mail wirken, mit der das Schreiben zugestellt wurde. Dort schliesst der Schulleiter nach kurzen Sätzen: «Ich wünsche Ihnen und Ihrem Kind einen guten Abschluss des Schuljahres und schöne Sommerferien.»

Auf Anfrage teilt die Schulleitung mit:

«Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes konnten wir weder detaillierte Angaben zu den Vorfällen noch zu den involvierten Personen machen.»

Man habe sich an die vom Kanton vorgegebene Schulkrisenintervention gehalten, kurz Skit, auch bei den Formulierungen im Schreiben. Der Schulleiter betont, er habe während der letzten Tage umfassende Abklärungen getroffen und die notwendigen Hebel in Bewegung gesetzt: Neben der Umsetzung der Skit-Richtlinien wurde die Opferhilfe beigezogen, das Gespräch mit den betroffenen Eltern gesucht und die Schulsozialarbeiterin instruiert.

Der Schulleiter sagt:

«Uns ist klar, für die Eltern ist es immer zu spät. Aber wir haben seriös und fundiert kommuniziert.»

Dass er am Donnerstagabend nicht mehr erreichbar gewesen sei, lässt er nicht gelten. «Das ist frei erfunden und entbehrt jeglicher Grundlage.» Sein Handy sei eingeschalten gewesen, und Anfragen hätten ihn keine erreicht. «Am nächsten Tag habe ich mich dann Fragen der Eltern persönlich gestellt.» Dem Schulleiter ist es ein Anliegen zu sagen, dass die Kindergärtnerin die Situation auch sehr belaste. «Wir wollten sie schützen und entlasten, deswegen haben wir Stellvertretungen organisiert.»

Primarschulpräsident Hanspeter Heeb.

Primarschulpräsident Hanspeter Heeb.

Bild: Donato Caspari

Primarschulpräsident Hanspeter Heeb gibt sich auf Anfrage zurückhaltend. «Das ist ein Fall, der Eltern und Kinder angeht.» Er solle die Öffentlichkeit nicht weiter interessieren. Dann sagt er aber: «Der Vorfall tut allen sehr leid.» Der Schule, der Kindergarten-Lehrperson, den Eltern und den Kindern auch.

«Uns ist klar, dass die Eltern betroffen sind. Wir sind es auch sehr.»

Man wisse noch nicht, wie es weitergehen würde. «Der Schulleiter plant die nächsten Tage.» Auf die Frage nach dem Handlungsspielraum der Schule sagt Heeb: «Wir haben das Gespräch mit den Eltern gesucht. Sie zeigen sich glücklicherweise kooperativ.»