Zwischen Esoterik und Kräuterkunde:
Ein Selbstversuch mit rituellem Räuchern

Es kann das Wohlbefinden stärken, heisst es, Viren töten aber nicht. Journalistin Inka Grabowsky ist dem rituellen Räuchern auf den Grund gegangen, mit fachkundiger Unterstützung der Kräuter-Drogerie Fischer in Tägerwilen.

Inka Grabowsky
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Ein persönlicher Versuch Wacholder zu verräuchern - wirkt eher kratzig im Hals.

Ein persönlicher Versuch Wacholder zu verräuchern - wirkt eher kratzig im Hals.

(Bild: Inka Grabowsky)

In Zeiten, in denen das Leben verstärkt online stattfindet, finden einige Newsletter und Werbemails etwas mehr Aufmerksamkeit als auch schon. «Desinfektion angesagt mit Räuchern?» fragt die Betreiberin von «Räucherkräuter.ch» in der Betreffzeile und regt an, doch einmal auszuprobieren, Bartflechte, Eichenrinde oder Fichtenharz in Rauch aufgehen zu lassen. Sie hätten desinfizierende Wirkung. «Einige Stoffe helfen speziell gegen die akuten Ängste und die momentane Spannung», schreibt Gaby Binnendijk aus Illnau.

Anlass genug, bei unseren lokalen Experten nachzufragen. Katja Fischer von der Kräuter-Drogerie Fischer in Tägerwilen hat im Augenblick alle Hände voll zu tun, weil die Nachfrage nach gesundheitsfördernden Mitteln in ihrem Online-Shop «teefischer.ch» derzeit gewaltig ist. Sie rät aber explizit davon ab, sich vom Räuchern eine Heilung zu versprechen.

«Es ist eine persönliche Seelenreinigung. Räuchern kann helfen,
die Psyche zu beruhigen,
sich sicher und geborgen zu fühlen.»

«Deshalb würden wir Harze und Kräuter empfehlen, die einhüllend, beschützend und beruhigend wirken, die das Heim energetisch säubern und den Rückzug erleichtern.»

Weisser Salbei, Wacholder oder Zypresse seien besonders reinigend, Benzoe-Harz und Tonkabohnen sorgten für eine warme, liebevolle Atmosphäre und Cistrosenkraut werde eine Schutzwirkung zugesprochen.

«Das heisst aber nicht,
dass der Rauch vor Viren schützt.
Es geht ausschliesslich
um das eigene Wohlbefinden
– Wellness sozusagen.»

Wer rituelles Räuchern ausprobieren möchte, braucht dafür zunächst einmal nur eine feuerfeste Schale, die mit Sand gefüllt wird. Darauf kommt eine Kohletablette, die man anzündet. Kräuter oder Harze wie Weihrauch, die man auf die glühende Kohle legt, verbrennen. Wer es subtiler mag, kauft sich ein Räuchersieb, das er über eine Kerzenflamme stellt. Dann verglühen Pflanzen langsamer.

Wissenschaftlich beweisbar ist die Wirkung des Räucherns nicht, auch wenn es überall in der Welt als Reinigungsritual eine lange Geschichte hat. Wirklich messbar sind nur die Nebenwirkungen des Räucherns. Die Rauchgase enthalten Feinstaub, unvollständig verbrannte Nebenprodukte und kleinste Tröpfchen von Öl oder Säure, die wir als Duft wahrnehmen. Ob das der Gesundheit schadet, ist nach Ansicht der Fachleute eine Frage der Dosis.

Wer einen Raum ausräuchert und dann gut lüftet, wird kaum beeinträchtigt werden. Skeptisch sind Experten allerdings bei Räucherstäbchen aus Asien. Man wisse oft nicht, was darin enthalten ist oder welche Pestizide oder Insektizide mit verbrennen.

Immerhin diesem Problem kann man aus dem Weg gehen, wenn man Kräuter aus dem eigenen Garten nutzt. Lorbeer, Rosmarin oder Wacholder wären durchaus geeignet. Gegen irrationale Ängste sollen die verbrannten Blütenblätter der Pfingstrose helfen. Mit Vorsicht zu geniessen sind dagegen giftige oder psychoaktive Pflanzen. Efeu soll zwar Glück bringen, und gewisse Sorten Hanf verhelfen sicher zu Visionen, aber man sollte sich genau überlegen, ob man die gesundheitlichen Risiken eingehen will.

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