Zwei Thurgauer inmitten der Motocross-Weltelite

Im Vergleich zur Weltspitze war die sportliche Thurgauer Beteiligung am MXGP Switzerland in Frauenfeld nur eine Randnotiz. Doch für die beiden Lokalmatadoren Andy Baumgartner und Yves Furlato geht es um mehr als bloss Resultate.

Lukas Gerzner
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Obwohl nicht in den vorderen Rängen klassiert, trug Yves Furlato (78) zum Spektakel am MXGP Switzerland bei. (Bild: Donato Caspari)

Obwohl nicht in den vorderen Rängen klassiert, trug Yves Furlato (78) zum Spektakel am MXGP Switzerland bei. (Bild: Donato Caspari)

«Es ist, wie wenn du mit Kimi Räikkönen ein Go Kart Rennen fahren würdest», sagt Yves Furlato zu seiner Gastteilnahme am MXGP. Für den Motocrosser aus Amlikon-Bissegg, der in der Schweizer Meisterschaft sonst vorne mitfährt, war der MXGP Switzerland vom vergangenen Wochenende in Frauenfeld ein persönliches Highlight, wenn auch eine grosse Herausforderung. «Neben diesen Stars zu fahren, die man sonst im Fernsehen sieht, ist schon recht schwierig», sagt der 29-Jährige. Im ersten Lauf platzierte sich Furlato direkt hinter dem zweiten Thurgauer Teilnehmer, Andy Baumgartner, auf den 25. Rang. «Ich hatte Mühe, den Rhythmus zu finden», sagte der Amliker. Im zweiten Lauf schaffte es Furlato auf den 26. Rang – diesmal unmittelbar vor Baumgartner. Auch wenn nicht alles nach Wunsch lief, bleibt der MXGP für Furlato ein Anlass, den es zu geniessen gilt. Und: «Für die Schweizer Meisterschaft gibt er mir einen Extraschub.»

«Für meine Familie ist es wie ein Hobby, sie freuen sich auf die Rennen am Wochenende. Wir managen das als Team, es ist wie ein kleines Familienunternehmen.» (Yves Furlato)

Auch für Andy Baumgartner, der sein Ziel, den 20. Platz, nicht erreichte, bleibt der MXGP ein spezielles Erlebnis: «Die Strecke ist viel schwieriger als die Strecken der Schweizer Meisterschaft», sagt der Romanshorner. Man könne hierfür den Vergleich zwischen einer normalen Skipiste und einer Buckelpiste anstellen. «Auf diesen Strecken kann ich meine technischen Fähigkeiten noch viel mehr zeigen als auf den vergleichsweise einfachen Strecken in der Schweizer Meisterschaft.» Deswegen dient ihm der MXGP auch als Training: «Nach dieser Erfahrung empfindet man die Schweizer Strecken wieder als einfacher.» Er lerne sehr viel in einem solchen Rennen. «Du bekommst eine Routine für Schwierigkeiten, es ist ein Abhärtungstraining.»

«Mein Vater und mein Bruder sind als Mechaniker dabei, meine Freundin unterstützt mich auch in allem. Sie freuen sich mit mir und helfen mir sehr.» (Andy Baumgartner)

Nebst dem grossen Erfahrungswert sind es vor allem seine Unterstützer, die Baumgartner zu einer Teilnahme bewegen. «Ich möchte mich dem Heimpublikum zeigen und meinen Helfern wie auch Fans etwas davon zurückgeben, was sie in mich investiert haben», sagt der Baumaschinenmechaniker, der unter der Woche ebenfalls Zeit in Training und technische Vorbereitung steckt. «Ich muss vieles selber machen, was bei den Profis von den Mechanikern erledigt wird.» Andererseits kann Baumgartner – wie auch Furlato – im Vergleich zu den Profis relativ gelassen an das Rennen: «Hier habe ich nichts zu verlieren, während in der Schweizer Meisterschaft der Leistungsdruck hoch ist.» Dort ist der 27-Jährige vor dem letzten Rennen von Ende August in Mannens auf dem zweiten Rang. «Ich hoffe dort auf eine schwierige Strecke wie hier am MXGP, damit ich meine technischen Qualitäten zeigen kann.» Für Baumgartner wie Furlato ist der MXGP ein Gewinn für den regionalen Motocrosssport: «Das Fernsehen macht mit der Übertragung den Sport populär, Jeremy Seewer nimmt hier eine ähnliche Rolle ein wie Tom Lüthi bei den Strassenrennen», sagt Baumgartner.

Andy Baumgartner verpasste am MXGP sein persönliches Ziel, genoss den Auftritt inmitten der Motocross-Weltklasse aber trotzdem. (Bild: Donato Caspari)

Andy Baumgartner verpasste am MXGP sein persönliches Ziel, genoss den Auftritt inmitten der Motocross-Weltklasse aber trotzdem. (Bild: Donato Caspari)