Zwei Streitobjekte am Arboner Seeufer

Ein Gutachten fordert den Rückbau der Pergolas beim Restaurant Rotes Kreuz. Pikant: Es handelt sich um die gleiche Schutzzone wie beim Hochhausprojekt "Riva" der HRS.

Annina Flaig
Hören
Drucken
Teilen
Diese beiden Wohntürme will HRS in der Arboner Uferschutzzone realisieren.

Diese beiden Wohntürme will HRS in der Arboner Uferschutzzone realisieren.

Visualisierung: PD

Die Gegner und Befürworter des Projekts «Riva» warten auf das gleiche: Eine Expertise. Der Arboner Stadtrat gibt sie in Auftrag, nachdem die geplanten Hochhäuser der HRS seit längerem kontrovers diskutiert werden. Er will klären, ob sich die Zwillingstürme mit dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS) vereinbaren lassen. Die Ansprüche an Bauprojekte in der Arboner Uferpartie sind besonders hoch, wie die Pergolas beim Restaurant Rotes Kreuz zeigen. Der Besitzer hat sie vor drei Jahren illegal erstellt. Seither streitet er mit der Stadt sowie dem Thurgauer Heimatschutz (vgl. Kasten).

Unweit des Gebietes, wo die Wohntürme entstehen sollen, müssen diese illegal errichteten Pergolas beim Restaurant Rotes Kreuz wegen des Ortsbildschutzes höchstwahrscheinlich wieder abgebrochen werden.

Unweit des Gebietes, wo die Wohntürme entstehen sollen, müssen diese illegal errichteten Pergolas beim Restaurant Rotes Kreuz wegen des Ortsbildschutzes höchstwahrscheinlich wieder abgebrochen werden. 

Bild: Andrea Stalder

Die Umgebungszone 1 will keine Neubauten

Interessant ist, dass sich die Metall-Pergolas gemäss ISOS grösstenteils in der Umgebungszone 1 befinden. Das ist die gleiche Zone, in der sich die Parzelle des Hotels Metropol befindet, wo HRS die Arboner Skyline mit ihren Wohntürmen prägen will. Bei der Umgebungszone 1 handelt es sich laut der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) um «teilweise aufgeschüttetes Seeufer mit aufwendig gestalteter Grünanlage und Promenade». Diesem Ortsbild ist das Erhaltungsziel a zugeordnet, das «Erhalten der Beschaffenheit als Kulturland oder Freifläche» fordert. Zudem führt das ISOS folgende Erhaltungshinweise auf: «Abbruchverbot, keine Neubauten, Detailvorschriften für Veränderungen.»

Experten empfehlen keine Baubewilligung

Wer das achtseitige Gutachten zu den Pergolas liest, erhält einen Eindruck, wie penibel die ENHK Vorhaben in dieser Umgebungszone 1 beurteilt. So wird im Dokument unter anderem folgendes festgehalten: «Die Metallkonstruktionen sind in keiner Weise auf die spezifischen Situationen abgestimmt, so dass Wahrnehmung und Wirkung des Denkmals Hotel Rotes Kreuz wie auch seine Umgebung durch deren Dominanz stark gestört werden.» Weiter kommen die Experten zum Schluss, dass die Pergolas als visuell dominante technische Konstruktionen von erheblichen Ausmassen störend in Erscheinung treten. Die Baubewilligung sei zu verweigern. Gespannt sein darf man nun auf das Gutachten zum Projekt «Riva» unweit des «Roten Kreuzes». Denn die Wohntürme sind – im Vergleich zu den Pergolas – vierzig statt vier Meter hoch.

Mehr zum Thema