Ohne Wirtepatent und Bewilligung: Zwei Personen haben unrechtmässig in Bischofszell ein Restaurant eröffnet

Der Stadtrat hat die Schliessung eines Restaurants angeordnet und Strafanzeige wegen Widerhandlung gegen das Gastgewerbegesetz erstattet.

Georg Stelzner
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Drei Namen zieren die Fassade der Liegenschaft Obertor 9 in Bischofszell: «Ilge», «Extrablatt» und «Karadeniz». Einkehren ist trotzdem nicht möglich.

Drei Namen zieren die Fassade der Liegenschaft Obertor 9 in Bischofszell: «Ilge», «Extrablatt» und «Karadeniz». Einkehren ist trotzdem nicht möglich. 

Bild: Georg Stelzner

Die Gaststätte am Obertorplatz in Bischofszell blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Als «Ilge» erlebte das Restaurant seine Blütezeit. In den letzten Jahren gehörte Kontinuität nicht zu den Stärken des Gastrobetriebs. Nicht nur die Gäste, sondern auch die Wirte gaben sich die Türklinke in die Hand.

Das bisher letzte Kapitel ist alles andere als ruhmreich. Geschrieben wurde es von zwei Personen, die sich um das Gastgewerbegesetz schlicht und einfach foutierten: Sie verfügten weder über das obligatorische Wirtepatent noch über eine behördliche Bewilligung, traten aber sehr wohl während Wochen als Wirte auf.

Wirtepatent

Das Wirtepatent beziehungsweise der Fähigkeitsausweis für die Gastronomie ist kantonal geregelt. Im Thurgau benötigt ein Wirtepatent, wer Speisen oder Getränke für den Genuss vor Ort anbieten will. Die Bewilligung durch die Behörde der Standortgemeinde setzt voraus, dass der Gesuchsteller die Wirteprüfung erfolgreich absolviert hat. Zur Vorbereitung auf diese Prüfung können Kurse besucht werden. (st)

Einwohner informierten den Stadtrat

 «Wir haben von Einwohnern davon erfahren und sind dann sofort eingeschritten», sagt Stadtschreiber Michael Christen. Für den Stadtrat waren die beiden selbsternannten Wirte nämlich keine Unbekannten. Die beiden hatten zwar Unterlagen eingereicht, aber keine Bewilligung erhalten.

Michael Christen.

Michael Christen.

(Bild: Reto Martin)

Trotzdem nahmen sie den Betrieb am Obertor 9 – offenkundig im Sinne ihrer eigenen Interpretation von Gewerbefreiheit – auf. «Es gab gute Gründe, die Bewilligung nicht zu erteilen. Die grundsätzlichen Voraussetzungen waren einfach nicht erfüllt», erklärt Christen.

Das Vorgehen der betreffenden Personen habe dem Stadtrat keine andere Wahl gelassen, als die Schliessung des Lokals zu verfügen und Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten – zumal eine vorgängig ausgesprochene Verwarnung nicht gefruchtet habe, ergänzt der Stadtschreiber.

Verhalten von seltener Dreistheit

Michael Christen betont, dass der Stadtrat Bischofszell auf ein gutes Verhältnis mit Vertretern des lokalen Gastgewerbes Wert lege. Ziel sei es, alle gleich zu behandeln. Gravierende Probleme gebe es kaum. Man lasse niemanden ins Verderben rennen und betrachte eine Anzeige stets als allerletztes Mittel.

An einen Fall wie den hier geschilderten vermag sich Christen, seit rund acht Jahren in Bischofszell als Stadtschreiber tätig, nicht zu erinnern. Bei den «Wirten» vom Obertor habe es sich zudem um Auswärtige gehandelt.

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