Zwei Österreicher finden beim HC Thurgau ihre Eishockey-Heimat

Bernhard Fechtig und Patrick Spannring sind in ihrer ersten Saison in der Swiss League zu unverzichtbaren Stammspielern geworden. Den HC Thurgau bereichern die beiden auf und neben dem Eis - auch im Hinblick auf das vierte Playoff-Spiel gegen den EHC Visp vom Mittwoch um 20 Uhr in Weinfelden. 

Matthias Hafen
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Bernhard Fechtig bleibt dem HC Thurgau zwei weitere Jahr bis zum Ende der Saison 2021/22 treu.

Bernhard Fechtig bleibt dem HC Thurgau zwei weitere Jahr bis zum Ende der Saison 2021/22 treu.

Bild: Mario Gaccioli (21. Dezember 2019)

Österreicher-Witze mussten sie sich nicht allzu oft anhören. Und wenn Trainer Stephan Mair das Austria-Duo scherzhaft als «Vorarlberger Mafia-Connection» bezeichnet, ist das ebenso liebevoll wie respektvoll gemeint. Stürmer Patrick Spannring, seit Anfang Jahr beim HC Thurgau, und Verteidiger Bernhard Fechtig, seit Anfang Saison da, sind im laufenden Playoff gegen Visp nicht mehr aus dem Kader des HCT wegzudenken.

Der eine, Spannring, bringt ordentlich Wasserverdrängung in die Offensive und räumt schon mal den einen oder anderen Gegner unsanft aus dem Weg. Der andere, Fechtig, agiert hinten als solider, kompletter Zweiwegverteidiger.

«In den ersten Wochen habe ich kein Wort gesagt»

Im Gespräch bestätigen die beiden Österreicher Klischees aus ihrer Heimat. Sie sind eloquent, freundlich und zuvorkommend. Sie geben einem das Gefühl, als checke man in einem Viersternhotel ennet des Rheins ein. Selber haben sie sich nach eigenen Angaben bestens eingelebt in der Schweiz. Die ohnehin tiefe Sprachbarriere bereitet mit jedem Tag weniger Probleme. «In den ersten drei Wochen habe ich in der Dusche kein Wort gesprochen», sagt der 27-jährige Fechtig, weil er dort die Teamkollegen ohnehin nicht verstanden hätte. Heute gebe es nur noch mit den Bernern Verständigungsprobleme. «Aber das beruht auf Gegenseitigkeit», sagt der 29-jährige Spannring.

Patrick Spannring bringt ordentlich Wasserverdrängung in die Thurgauer Offensive.

Patrick Spannring bringt ordentlich Wasserverdrängung in die Thurgauer Offensive.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 31. Januar 2020)

In der Kabine des HC Thurgau geniessen die beiden Vorarlberger, wie das Teamgefüge gelebt werde. «Hier ist man wirklich eins. Jeder kommt mit jedem aus», sagt Spannring. In Österreich sei es nicht selten so, dass die Einheimischen und die Ausländer eines Teams zwei Gruppen bildeten. Spannring, 2018 WM-Teilnehmer und auch in dieser Saison wieder im Nationalteam, spielt zum ersten Mal in der Schweiz. «Wenn ich gewusst hätte, wie viel Freude das macht, hätte ich mich früher darum bemüht», sagt er. Wie Fechtig hat er aus Kindeszeit Anrecht auf eine Schweizer Lizenz und gilt auf dem Matchblatt deshalb nicht als Ausländer. «Ein Riesenglück für uns», so Spannring. Die Lizenz beantragte er nach der WM 2018. Weil er einst Drofelnik hiess und erst mit der Heirat der Eltern den Namen Spannring annahm, entdeckte er die Möglichkeit dazu so spät. Heute zieht es ihn nicht mehr zurück. «Ich will in der Schweiz bleiben», sagt Spannring. Sein Ziel ist die NLA.

Fechtig bis 2022 beim HC Thurgau

Vielleicht auch deshalb hat der Stürmer seinen Vertrag mit dem HC Thurgau noch nicht verlängert. Fechtig, der einst mit Rheintals U20 gespielt hat, unterschrieb bereits für zwei weitere Jahre bis Ende 2021/22. Eigentlich schade, wenn die beiden Adler aus Austria künftig in verschiedene Richtungen fliegen würden. Denn die Österreicher bereichern nicht nur den Mannschaftsgeist, sondern auch das Spiel des HCT.

Bischofberger kommt, Altorfer kommt nicht mehr

Einen Tag vor dem vierten Playoff-Spiel gegen Visp am Mittwoch um 20 Uhr in der Weinfelder Güttingersreuti gab der HC Thurgau die Verpflichtung von Cyrill Bischofberger für die nächste Saison bekannt. Der 22-jährige Center stösst vom EHC Chur aus der MySports League zum Team von Trainer Stephan Mair. Bischofberger spielte mittels B-Lizenz bereits heuer vier Mal für den HCT, zuletzt zweimal im Playoff gegen Visp. Schlechte Neuigkeiten gibt es derweil von Niki Altorfer. Der 29-jährige Stürmer muss sich nach dem unfairen Check von Visps Verteidiger Marc Steiner in Spiel zwei an der Schulter operieren lassen und fällt zwei bis drei Monate aus. Damit kommt Altorfer erst nächste Saison für seinen neuen Verein EHC Kloten wieder zum Einsatz.