Zwei Jahre lang war hier nichts mehr los – doch jetzt ist das Leben in die alte Beiz in Hefenhofen zurückgekehrt
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Zwei Jahre lang war hier nichts mehr los – doch jetzt ist das Leben in die alte Beiz in Hefenhofen zurückgekehrt

Sommerserie Hausbesuch, Teil 1: In diesem Gebäude treffen Gegenstände aus längst vergessenen Zeiten auf jugendliche Unbekümmertheit. Wer hier wohl wohnt?

Sheila Eggmann
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Wer wohnt hier?

In der Sommerserie Hausbesuch stellt die Redaktion Oberthurgau in einem ersten Teil ein spezielles Haus aus der Region und seine Geschichte vor – ohne jedoch zu verraten, wer es bewohnt. In einem zweiten Teil wird schliesslich aufgelöst, wer sich darin niedergelassen hat.

Die Glocke am Eingang kündigt den Besuch an.

Die Glocke am Eingang kündigt den Besuch an.

Andrea Stalder

Wer in das Haus hineinläuft, wird gehört. Die alte, an der Eingangstür befestigte Glocke kündigt jeden Besuch an. Der ursprüngliche Zweck von ihr: Der Serviertochter signalisieren, dass Gäste gekommen sind. Denn im unteren Stock war bis Mai 2017 ein Restaurant. «Ab und zu steht auch heute noch jemand in der Stube, weil er denkt, dass es hier etwas zu essen gibt», sagt einer der Bewohner.

Es ist ein Haus, das lebt. Das tat es schon immer. Der grosse Fachwerkbau wurde im Jahr 1811 errichtet. Seit 1840 ist darin eine «Schenkwirtschaft», so steht es in der Chronik, die im Eingangsbereich hängt. Viele Vereine gingen hier ein und aus: Das Restaurant war ein beliebter Treffpunkt in diesem sonnigen Weiler. Man ist hergekommen, um mit Ausblick auf den Säntis den weitum bekannten «Härdöpfelsalat» zu essen. Oder um über die Neujahrszeit vom «Birewegge» zu naschen, den die Wirtin jeweils verschenkt habe. So erzählen es die Nachbarn.

Die Kühltresen sind wieder aufgefüllt

Dann wurde es ruhig im Fachwerkbau. Nach dem Tod der letzten Wirtin fielen die alten Mauern zwei Jahre in einen Dornröschenschlaf.

Im Herbst 2019 kehrte schliesslich das Leben zurück. Seither hat sich einiges getan: Der Garten wurde umgegraben, die Reben herausgerissen, ein Sitzplatz eingerichtet. Hinter dem Garten, zwischen Schopf und Baumschule, steht neu ein Pool. Drin wurden die alten Kühltresen wieder aufgefüllt. «Das ist die wichtigste Schublade hier», sagt ein Bewohner und zeigt lachend auf ein mit Bier gefülltes Fach.

Die Küchendecke war einst wohl weiss

Die neuen Bewohner kochen heute immer noch in der alten Gastroküche:

Andrea Stalder

Dieser sieht man an, dass in ihr viel gewirkt wurde. Die Decke – man kann sie beschönigend als cremefarben bezeichnen – war einst wohl weiss. Das Inventar ist wild zusammengewürfelt. Die schnellen Gastroabwaschmaschinen, und davon gibt es gleich zwei, sorgen dafür, dass nach grösseren Partys schnell sauber ist.

In der Stube nebenan wurde die Eckbank demontiert. An ihrer Stelle steht jetzt ein wuchtiges, graues Sofa, daneben ein Fernseher und eine knallrote Popcornmaschine, die allerdings wenig in Gebrauch sei. An einer Wand reihen sich Alkoholflaschen aneinander, daneben sind mit Brettspielen und Gläsern gefüllte Einbauschränke.

In der gekachelten Männertoilette steht ein Roboter

Direkt neben der Stube ist der kleinste Raum im Gebäude: die ehemalige Telefonkabine. Sie wurde zu einem Druckzimmer umfunktioniert. Nebenan in der gekachelten Männertoilette steht ein Staubsaugroboter in der Ecke. An der Wand hängt ein Bild einer Frau, die ihre Haare über ihren nackten Oberkörper fallen lässt.

Im Keller wird das Alter des Gebäudes deutlich, das seit 2009 als Kulturgut von nationaler Bedeutung klassifiziert ist. Spinnräder und eine Armbrust hängen an der Wand, daneben antike Gegenstände, deren Zwecke auch von den aktuellen Bewohnern nur erraten werden können.

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Andrea Stalder

Eine knarrende Treppe führt in den ersten Stock. Die Wände der sich hier befindenden Zimmer sind knallblau, knallgrün, oder mit einer altmodischen Tapete geziert. Die Einrichtung: zweckmässig. Es findet sich je ein Bett, ein Kasten und ab und zu ein Schreibtisch. Noch ein Stock höher, im Estrich des hellhörigen Hauses, steht ein Schlagzeug. Wer hier spielt, wird gehört.

Wer wohnt hier? Die Auflösung lesen Sie hier.

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