Zwei ehemalige Profis bilden den Amriswiler Volleyball-Nachwuchs aus

Matevz Kamnik und Aleksandar Ljubicic wechselten von der Nationalliga A zum Coaching der Amriswiler Volleyballschüler.

Rita Kohn
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Die beiden neuen Volleyballschul-Coaches Matevz Kamnik und Aleksandar Ljubicic vor der «Kunst am Bau» in der neuen Sporthalle im Amriswiler Tellenfeld.

Die beiden neuen Volleyballschul-Coaches Matevz Kamnik und Aleksandar Ljubicic vor der «Kunst am Bau» in der neuen Sporthalle im Amriswiler Tellenfeld.

Bild: Rita Kohn

Noch ist ihnen der Moment nahe, in dem Speaker Tom Schnegg ihren Namen ganz langzieht und die Fans in Applaus ausbrechen, weil sie gerade einen Punkt für Lindaren Volley Amriswil geholt haben. «Es war eine schöne Zeit», sagen beide, der 32-jährige Matevz Kamnik und der 38-jährige Aleksandar Ljubicic unisono.

Beide reden in Vergangenheit. Denn sie werden nicht mehr mit dem NLA-Team auf dem Feld um die Meisterschaft kämpfen. «Ich war einfach zu oft verletzt», sagt Matevz Kamnik.

Ein Glücksfall für Amriswil

Für den Slowenen Kamnik gehört Sport zum Leben. Schon immer. Er hätte auch als Skifahrer eine gute Figur gemacht. Doch er wollte Volleyball spielen. Im Wissen darum, dass die Sportkarriere eines Tages zu Ende sein wird, hat er schon vor einiger Zeit die Weichen gestellt.

«Ich bin Sportlehrer», sagt er mit einem Schmunzeln. Und er war auch schon Coach in Slowenien. Jetzt gibt der Profi sein Wissen erneut an andere Spieler weiter: die Schülerinnen und Schüler der Volleyballschule in Amriswil.

Er ist nicht alleine: Auch Aleksandar Ljubicic hat seine NLA-Spielerkarriere an den Nagel gehängt und ist nun für den Volleyballnachwuchs da. Tom Schnegg, zuständig für die Volleyballschule, spricht von einem Dream-Team, dass sie mit den beiden Spielern gefunden hätten.

Auch das private Umfeld stimmt

Ljubicic ist in Amriswil längst heimisch geworden, seine Kinder wachsen hier auf. «Für mich ist es eine perfekte Lösung», sagt er zum Engagement in der Volleyballschule. Er kann hier seine langjährige Erfahrung als Spitzenspieler einbringen. Und er sieht, wer sowohl von der Technik wie auch von der Einstellung her das Zeug dazu hat, an die Spitze zu kommen.

Das gilt auch für Kamnik, der unter anderem der Liebe wegen in Amriswil heimisch geworden ist. «Meine Freundin fühlt sich hier sehr wohl, sie möchte gerne in der Schweiz leben.» Und für ihn stimme das Umfeld auch. Denn mit den Volleyballschülern hat er die Aufgabe gefunden, die ihm nahe liegt.

Weiter mit Spitzensport in Kontakt

Doch ist es nicht eine grosse Umstellung vom Spieler zum Coach? Beide denken kurz nach und nicken dann. «Nicht jeder gute Spieler ist auch ein guter Coach», gibt Ljubicic zu. Ihm und seinem Kollegen Matevz Kamnik würde es gut liegen.

Die Arbeit mit den Kindern mache Spass. Und den Anschluss ans Spitzenfeld verlieren die beiden Coaches auch nicht: Aleksandar Ljubicic ist Head-Coach der NLB-Mannschaft, Kamnik Assistent-Coach des NLA-Teams.

Damit können sie die Erfahrungen bei der Ausbildung der Talente einsetzen. Viele Spieler der NLB-Mannschaft kommen aus eigenen Reihen, haben die Volleyballschule durchlaufen. Und eine ganze Reihe der jetzigen Schülerinnen und Schüler haben das Potenzial, es ganz nach vorne zu schaffen. Davon sind die beiden Coaches überzeugt.

Im Besitz der höchsten Trainerlizenz

So, wie die Fans sie von den NLA-Spielen kennen, so treten die Beiden jetzt auch als Coaches auf: kollegial und aufbauend. Es sei wichtig, die jungen Talente zu motivieren und ihnen ihre Stärke bewusst zu machen, sagt Aleksandar Ljubicic. 

Eigentlich dürften die beiden Coaches auch die Besten im Lande trainieren. «Wir verfügen beide über die höchste Trainerlizenz in der Schweiz und sind jetzt gerade an einer weiteren Ausbildung», sagt der langjährige NLA-Spieler Ljubicic.

Angebot muss bekannter werden

Ambitionen, Amriswil zu verlassen, um ein anderes Spitzenteam zu übernehmen, haben die beiden Coaches vorläufig nicht. Sie mögen ihre Aufgabe mit den jungen Talenten. «Wir wissen, was sie brauchen», sagt Aleksandar Ljubicic. «Wir waren auch mal jung und wissen, was die jungen Talente von sich selber erwarten sollten.»

Auch Matevz Kamnik ist überzeugt vom System der Volleyballschule. Allerdings wünschte er sich noch mehr interessierte Jugendliche. Nicht alle wüssten, welche Möglichkeiten ihnen hier offen stehen.

«Wenn wir Jugendliche auf der Strasse beim Ballspiel erleben und sehen, dass sie das Zeug zum Volleyball hätten, sprechen wir sie auch mal an», sagt er. Und Aleksandar Ljubicic bekräftigt: «Jedes Kind, das einen Ball in der Hand hat, sitzt nicht vor dem PC oder dem Fernseher. Er findet es gut, dass auch Schulen an Nationalliga-A-Spiele eingeladen werden, um den Kindern Volleyball näher zu bringen.

Das System bleibt gleich

Erst kürzlich hat Swiss Volley bekannt gegeben, dass die Ausbildung der jungen Talente schweizweit verändert werden soll. Der Vorstand von Volley Amriswil hat daraufhin nach den Umstellungen in den Förderstrukturen von Swiss Volley diverse Möglichkeiten geprüft, kam aber zum Schluss, dass er mit seiner bewährten Strategie weiter machen will. An Trainingsumfang und Trainingsinhalt ändert sich somit nichts, und auch die schulischen Partner bleiben unverändert.

«Bei der Finanzierung mussten wir aufgrund von entfallenden Subventionen vom nationalen Verband allerdings nach Alternativen suchen, die auch gefunden wurden», sagt Tom Schnegg. Der Name «Talent School» werde jedoch voraussichtlich verschwinden. «Wie wir dann genau heissen werden, steht auch in Abhängigkeit von einem Entscheid aus Bern (Swiss Volley).» (rk)