Zuwarten wäre riskant: Der Turm der katholischen Kirche von Sitterdorf wird saniert

Sechs Jahrzehnte hat der Zahn der Zeit am Bauwerk genagt. Aus Sorge um die Statik und aus ästhetischen Gründen werden jetzt die erforderlichen Massnahmen ausgeführt.

Georg Stelzner
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Mit Hülle und Gerüst zeigt sich der Turm der katholischen Kirche von Sitterdorf derzeit.

Mit Hülle und Gerüst zeigt sich der Turm der katholischen Kirche von Sitterdorf derzeit.

Bild: Andrea Stalder (Sitterdorf, 26. August 2020)

Das kleine Sitterdorf zieht mit Berlin gleich: Was in der deutschen Metropole das Reichstagsgebäude war, ist im Thurgauer Dorf der Turm der Marienkirche.

Das eine Bauwerk war 1995 verhüllt, das andere ist es jetzt. Mit dem Unterschied, dass es sich in Sitterdorf nicht um ein Kunstprojekt Christos handelt, sondern um ein Sanierungsvorhaben. Um etwas viel Banaleres also, aber bestimmt auch um etwas Dringenderes.

Stilikone aus den Sechzigerjahren

Rückblende: Im Dezember des Vorjahres genehmigten die Stimmberechtigten der Katholischen Kirchgemeinde Bischofszell einen Kredit von 404'000 Franken für die Turmsanierung.

Der damaligen Frage eines Kirchbürgers, ob ein Neubau nicht billiger wäre, mag eine gewisse Ironie innegewohnt haben. Sie machte aber deutlich, dass die Kosten als recht hoch empfunden wurden.

Das der heiligen Maria geweihte Gotteshaus ist in den frühen Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts errichtet worden. Die Architektur und die Betonbauweise sind stilbildend für Sakralbauten jener Zeit. Vergleichbare Kirchen stehen im Sulger Oberdorf und im St.Galler Vorort Winkeln.

Unübersehbare Schäden

Die vor wenigen Tagen in Angriff genommene und bis Mitte Oktober dauernde Sanierung des Kirchturms ist umfassend. Gemäss Thomas Diethelm, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Bischofszell, sind nicht nur die zum Teil schon von aussen erkennbaren Korrosionsschäden an den Armierungseisen zu beheben. Auch bei der Kirchturmtechnik und bei den Fenstern müsse der Hebel angesetzt werden, erklärt Diethelm.

Thomas Diethelm, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Bischofszell: «Bei Sanierungen dieser Art muss
man auch auf Dinge gefasst sein,
die nicht vorhersehbar sind. Das ist
im Kredit aber berücksichtigt.»

Der Kirchenpräsident nennt die gravierendsten Schäden: Die Aufhängevorrichtung für die Glocken sei von Rost befallen, durch die offenen Fenster sei jahrzehntelang Regenwasser ins Turminnere gelangt, und die Klöppel der vier Glocken hätten Abnützungserscheinungen, was den Klang beeinträchtige.

Eine Frage der Sicherheit

«Es war in erster Linie die Sorge um die Statik, welche die Kirchenvorsteherschaft zum Handeln veranlasst hat. Natürlich spielte in Anbetracht der mit blossem Auge sichtbaren Schäden auch der ästhetische Aspekt eine Rolle», führt Diethelm aus.

Da es sich bei der Marienkirche um eine Anlage von regionaler Bedeutung und somit um ein Schutzobjekt handelt, geschehe die Sanierung in Absprache und Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege.

Kanton und Gemeinde zahlen mit

Der besondere Status des Gotteshauses hat zur Folge, dass Katholisch-Bischofszell für die anfallenden Kosten nicht allein aufkommen muss. Als anrechenbaren Kosten im Rahmen des Sanierungsprojekts gelten zirka 250'000 Franken.

Die Katholische Kirchgemeinde Bischofszell kann nach den Worten Diethelms mit einer Subvention von total 25 Prozent rechnen: 10 Prozent Politische Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf und 15 Prozent Kanton Thurgau.

Infoveranstaltung: Baukredit für Sanierung der Stiftsamtei

An der Gemeindeversammlung vom 29. September 2019 haben die Stimmberechtigten der Katholischen Kirchgemeinde Bischofszell einem Projektierungskredit für die Sanierung der Stiftsamtei zugestimmt. Eine Baukommission hat mit dem zuständigen Architekten unter Beizug von spezialisierten Planern das Projekt ausgearbeitet. Die Projektierung ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass am 19. November 2020 der Gemeinde- versammlung das Begehren für einen Baukredit vorgelegt werden kann. Zu dieser Vorlage findet am nächsten Montag, 31. August, 19.30 Uhr, eine Informationsveranstaltung statt. Das Projekt, insbesondere das Raumprogramm, und die Kosten werden vorgestellt. Es besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Anregungen einzubringen. Die Veranstaltung findet coronabedingt in der Bischofszeller St. Pelagiuskirche statt. Alle interessierten Kirchbürgerinnen und Kirchbürger sind dazu eingeladen. (red)