Zurück zum Telefon: Evangelisch Amriswil lanciert Einkaufshilfe

Die Evangelische Kirchgemeinde Amriswil lanciert ab Mittwoch eine Einkaufshilfe für Senioren sowie Menschen mit Vorerkrankungen – und setzt dabei auf ein alt bewährtes Kommunikationsmittel.

Manuel Nagel
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Liliane Germann, Sekretärin der evangelischen Kirchgemeinde, und Pfarrer Lukas Butscher stellen das neue Angebot vor.

Liliane Germann, Sekretärin der evangelischen Kirchgemeinde, und Pfarrer Lukas Butscher stellen das neue Angebot vor.

Bild: Manuel Nagel

Pfarrer Lukas Butscher spürte die Auswirkungen am Sonntag, als viel weniger Leute als üblich zum Gottesdienst erschienen. «Vor allem Ältere sind zu Hause geblieben», sagt er. Butscher bekomme mit, dass diese Leute verunsichert seien und nicht mehr aus dem Haus gingen. Das sei zwar sinnvoll, führe aber zu Isolation und Einsamkeit.

Der Pfarrer des Pfarrkreises Süd steckte mit seinen Kollegen Markus Keller (Pfarrkreis Nord)und Michael Ziegler (Pfarrkreis West) die Köpfe zusammen, um etwas zu tun.

«Da sind ja ganz viele andere auch
auf diese Idee gekommen,
da sind wir nicht die Einzigen.»

Das sagt Lukas Butscher, als er das Angebot seiner Kirchgemeinde erläutert – eine Vermittlung, um für ältere Menschen Einkäufe zu tätigen.

Hilfe für Menschen aller Konfessionen

Butscher sprach sich ab mit dem Kanton, der Stadt Amriswil und anderen örtlichen Institutionen, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden und nicht andere Angebote zu konkurrenzieren, die es bereits gibt. So biete der Frauenverein weiterhin den Fahr- und Mahlzeitendienst an, und Pro Senectute kümmere sich um andere Bedürfnisse der Senioren.

Doch der reformierte Pfarrer stellt klar, dass die Hilfe nicht nur für seine Schäfchen gelte. «Wir richten uns an alle Menschen auf dem Gebiet unserer Kirchgemeinde – also auch in Hefenhofen und Sommeri sowie in einigen Weilern – ungeachtet von ihrer Religion oder Weltanschauung», sagt Butscher.

«Wir haben die Ressourcen und diese wollen wir gerne bereitstellen.»

Bewusst kein Kontakt mit Helfern nur per E-Mail

Hilfeempfänger sollen Leute sein, die zur sogenannten «Risikogruppe» zählen, also Menschen über 65 oder mit einer Vorerkrankung. All jene können sich ab sofort von Montag bis Freitag zwischen 9 und 11 Uhr vormittags unter 071 566 54 64 melden. Pfarrer Butscher sagt:

«Wir wählen bewusst das Telefon, weil es gerade für ältere Leute das natürlichste Kommunikationsmittel ist.»

Diese älteren Leute seien froh, wenn sie mit jemandem reden könnten. Doch nicht nur Hilfesuchende sollen sich unter dieser Nummer melden, sondern auch Helfende. Auch hier verzichtet die Evangelische Kirchgemeinde Amriswil bewusst darauf, dass Hilfeangebote per E-Mail eingereicht werden können. «Auch hier wollen wir im persönlichen Gespräch die Helfer einerseits kennen lernen, ihnen andererseits aber auch einige wenige Hinweise vermitteln, damit die Einkaufshilfe für beide Seiten gelingt», sagt Butscher.

Die Kirchgemeinde will damit auch eine gewisse Qualitätskontrolle sicherstellen, denn als Vermittlerin dieser freiwilligen Dienstleistung, bei der dennoch Geld im Spiel ist, übernimmt sie schliesslich Verantwortung – für beide Seiten. Mit dem persönlichen Kontakt wolle man schon im Vorfeld mögliche Probleme oder Missverständnisse gar nicht erst aufkommen lassen.

Einkaufshilfe Vermittlung
071 566 54 64 (Montag bis Freitag, von 9 bis 11 Uhr)