Rothenhausen wehrt sich gegen den ÖV-Abbau

166 Rothenhauser unterschrieben eine Petition für den Halbstundentakt des Postautos in ihrem Dorf.

Sabrina Bächi
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In Rothenhausen fährt das Postauto nur noch im Stundentakt. Der Rückschritt ist den Einwohnern zu viel. Eine Petition haben 166 Personen unterschrieben.

In Rothenhausen fährt das Postauto nur noch im Stundentakt. Der Rückschritt ist den Einwohnern zu viel. Eine Petition haben 166 Personen unterschrieben.

(Bild: Andrea Stalder)

Ein Jahr lang herrschte in Rothenhausen Glückseligkeit mit dem öffentlichen Verkehr. Doch das Glück war nur von kurzer Dauer. Nach einem Jahr muss das Dorf auf den Halbstundentakt morgens wieder verzichten. Weil die Linie 722 Rothenhausen nicht mehr anfährt. Stattdessen fährt dieser Kurs nur noch von Weinfelden über Bussnang nach Wuppenau und Wil. Rothenhausen hat das Nachsehen. Das wollen die Rothenhauser jedoch nicht auf sich sitzen lassen.

Gemeindepräsident Ruedi Zbinden.

Gemeindepräsident Ruedi Zbinden.

(Bild: Mario Testa)

Bereits Anfang November meldet sich der Rothenhauser Thomas Armbruster per Mail beim Gemeinderat. «Bisher war die erste Verbindung ab Rothenhausen um 6.16 Uhr. Wenn diese entfällt, steigen viele Pendler wieder auf das Auto um, damit sie rechtzeitig zur Arbeit kommen», schreibt er. Die Rückmeldung von Gemeindepräsident Ruedi Zbinden ist klar: Für die gesamte Region haben sich die Anbindungen verbessert, auch wenn Rothenhausen mit dem wegfallenden Halbstundentakt das Nachsehen hat. Das will Thomas Armbruster nicht auf sich beruhen lassen. Ein offener Brief mit 14 Unterschriften von ÖV-Nutzern und ein Mail an Regierungsrat Schönholzer folgen.

Stefan Thalmann, Leiter Öffentlicher Verkehr beim Kanton meldet sich daraufhin mit einem Schreiben bei Thomas Armbruster. Er zählt verschiedene Möglichkeiten auf, den Anschluss von Rothenhausen wieder zu verbessern. Im Brief heisst es:

«Mit der Gemeinde werden wir nach Lösungen für eine frühere Verbindung nach Weinfelden suchen, die auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2020 oder 2021 umsetzbar sind.»

Die Rothenhauser hätten auf diese Antwort «enttäuscht», «verärgert» oder «entsetzt» reagiert, sagt Armbruster. Deshalb hat der Dorfverein nun eine Petition lanciert und Unterschriften gesammelt. 166 Personen haben diese Petition für eine frühere Verbindung nach Weinfelden unterzeichnet. «Wir können uns einfach nicht damit anfreunden, dass man uns sagt, es seien immer noch gute Verbindungen», sagt Karin Kuratli aus Rothenhausen. Sie ist davon betroffen, dass morgens der Bus erst um 6.45 fährt. Kuratli sagt:

«Rothenhausen fühlt sich
abgeschnitten und benachteiligt.»

Alle ihre Vorschläge und Ideen seien bisher abgewiegelt worden. Sie hofft, mit der Petition ändert sich dies.

«So viele Unterschriften sind ein starkes Zeichen»

«Es ist schon ein starkes Zeichen, wenn so viele Personen sich für den Bus einsetzen», sagt Stefan Thalmann. Das, so sagt er, bewirke sicherlich etwas. «Wir können aber nicht monatlich den Fahrplan ändern.» Man bespreche nun mit der Gemeinde das weitere Vorgehen. «Es werden Fahrgasterhebungen gemacht und diese vergleichen wir dann mit jenen aus Rothenhausen vom vergangenen Jahr», sagt Thalmann. So könne eruiert werden, wo der Bus dringender benötigt werde. Denn eines ist klar: Bekommt Rothenhausen den Bus wieder, muss wahrscheinlich Bussnang darunter leiden.

Gemeindepräsident Ruedi Zbinden war überrascht, dass so viele Rothenhauser die Petition unterschrieben. Man nehme das ernst, sei dran an der Sache. Aber: «Rothenhausen hat mit dem Stundentakt immer noch einen guten Anschluss», sagt Zbinden. Er will jedoch erste Auswertungen der Benutzerzahlen abwarten, um zu wissen, welche Linienführung wichtiger wäre. Zbinden zeigt sich aber optimistisch und sagt:

«Wir werden bestimmt
eine Lösung finden.»

Einig sind sich Zbinden und Thalmann, dass es sehr erfreulich ist, wenn sich so viele Personen für gute ÖV-Anbindungen einsetzen und so grosses Engagement zeigen.