Amriswil hilft Leuten mit finanziellen Problemen, bevor sie in der Sozialhilfe landen

Die Sozialen Dienste der Stadt Amriswil bieten neu jenen Hilfe an, die ihre Finanzen nicht mehr im Griff haben.

Manuel Nagel
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Die Sozialen Dienste sind momentan noch an der Kirchstrasse 24a untergebracht, ab Mai/Juni befinden sie sich jedoch im Erweiterungsbau des Stadthauses.

Die Sozialen Dienste sind momentan noch an der Kirchstrasse 24a untergebracht, ab Mai/Juni befinden sie sich jedoch im Erweiterungsbau des Stadthauses.

(Bild: Manuel Nagel)

Es ist ein Thema, das Betroffene oft nicht ansprechen oder wahrhaben wollen. Neue Rechnungen, Mahnungen, Betreibungen – sie alle wandern nicht selten ungeöffnet in irgendeine Kartonschachtel. Aus den Augen, aus dem Sinn. Doch der Schuldenberg wird grösser – und mit ihm auch die Probleme.

Tamara Sulzberger ist Leiterin der Sozialen Dienste der Stadt Amriswil.

Tamara Sulzberger ist Leiterin der Sozialen Dienste der Stadt Amriswil.

(Bild: pd)

Tamara Sulzberger hat als Leiterin der Sozialen Dienste der Stadt Amriswil immer wieder mit solchen Klienten zu tun, die den Überblick über ihre finanzielle Situation längst verloren haben. Diesen Menschen versucht das Sozialamt nun gezielt zu helfen und sie zu beraten, auch wenn es keine Sozialhilfebezüger sind. Oder gerade deshalb, denn das Angebot soll auch präventiv wirken, damit keine dieser Personen in der Sozialhilfe landet. Genau das würde passieren, wenn wir keine frühzeitige Hilfe anböten», sagt Tamara Sulzberger. Es sei wichtig, dass sich die finanzielle Situation stabilisiere und nicht noch weiter verschlimmere.

Für Menschen am Rande der Gesellschaft gedacht

Das Bedürfnis nach solchen Beratungen ist da. Einzelanfragen gebe es schon lange, doch nun können die Hilfesuchenden auch ohne Voranmeldung jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat zwischen acht und elf Uhr vorbeigehen, die Unterlagen abgeben und eine Kurzberatung in Anspruch nehmen. Anschliessend können weitere Termine ausgemacht werden, um konkret auf die einzelnen Fälle eingehen zu können. Tamara Sulzberger sagt:

«Weil sich die Anfragen in letzter Zeit gehäuft haben, möchten wir nun mit der zeitlichen Eingrenzung diese Personen von den regulären Klienten trennen.»

Das Angebot richte sich an «sozial schwache Personen», sagt die Leiterin der Sozialen Dienste. Es sei für Menschen gedacht, die am Rand der Gesellschaft stehen, «und nicht für den Mittelstand, der nicht mit Geld haushalten kann und einen günstigen Treuhänder sucht», sagt Sulzberger.

Guter Draht zu Steueramt und Krankenkassen

Einzelne Beratungen sind zwar kostenlos, doch für eine längerfristige Einkommensverwaltung werden 50 Franken pro Monat berechnet. Zudem müssten die Klienten bereit sein, diese Hilfe auch anzunehmen und die Einkommensverwaltung komplett an die Sozialen Dienste abzutreten, erzählt Sulzberger – vor allem dann, wenn die Betroffenen den Überblick über ihre Schulden verloren haben.

Meist sind Schuldner Steueramt und Sozialversicherungen, mit denen die Sozialen Dienste eng zusammenarbeiten. Auch haben sie einen guten Draht zu Krankenkassen und können so oft erreichen, dass keine weiteren Mahnungen oder Betreibungen ins Haus flattern. Man wolle handeln, bevor es zu spät sei, sagt Sulzberger. Lande man einmal in der Sozialhilfe, so sei es schwer wieder rauszukommen.

Kontakt
Soziale Dienste Stadt Amriswil, Kirchstrasse 24 a, 071 414 12 20, sozialedienste@amriswil.ch.

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