Zur Finanzierung von notwendigen Sanierungen: Das Schloss Hagenwil sucht Ritter für seine Tafelrunde

Bei der Mittelbeschaffung für die Sanierung beschreitet der «Verein der Freunde des Wasserschlosses Hagenwil» einen kreativen Weg. Zudem wird der Kanton ersucht, das Projekt mit 1,44 Millionen zu unterstützen.

Manuel Nagel
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Bernhard Koch und Schlossherr Andi Angehrn stehen im westlichen Wehrgang und begutachten die Baufortschritte.

Bernhard Koch und Schlossherr Andi Angehrn stehen im westlichen Wehrgang und begutachten die Baufortschritte.

Bild: Manuel Nagel (Hagenwil, 29. Juni 2020)

Bernhard Koch ist unermüdlich. Während das eine Projekt noch läuft und die Bauarbeiten auf dem Wasserschloss Hagenwil noch in vollem Gange sind, schmiedet er bereits Pläne für die Zeit danach. Und diese Pläne sind nicht ganz günstig.

Koch, der den «Verein der Freunde des Wasserschlosses Hagenwil» präsidiert, weiss als ehemaliger Thurgauer Regierungsrat selbstverständlich gut Bescheid, in welchen Schatztruhen des Kantons sich noch ein paar Goldmünzen befinden, mit denen das Schloss noch schöner gemacht werden kann.

Doch Bernhard Koch muss sich nicht wie im Mittelalter als Raubritter betätigen. Er reichte diesen Montag ein Gesuch beim Kanton ein, dass das kommende Projekt mit 1,44 Millionen Franken unterstützt wird. Aus einer Truhe, die prall gefüllt ist mit 127 Millionen, wie Koch weiss. Er sagt:

«Das Geld stammt aus den Partizipationsscheinen der Thurgauer Kantonalbank. ‹Besonderes Eigenkapital› nennt es der Kanton.»

Aus diesem Fond unterstütze der Kanton grosse Projekte mit 20 bis 30 Millionen, aber auch kleinere von bis zu drei Millionen, so der Altregierungsrat. «Wir denken, unser Projekt würde da gut hineinpassen.»

Alt-Regierungsrat Bernhard Koch präsidiert den Verein «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil».

Alt-Regierungsrat Bernhard Koch präsidiert den Verein «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil».

Bild: Andrea Stalder

Ein Lift, das Dach und die Schlosskapelle

Das Projekt, das noch vor 2026 realisiert werden soll, umfasst den Einbau eines Personenlifts für rund 100'000 Franken, der das Schloss rollstuhlgängig machen würde. Weiter bedarf die Schlosskapelle einer Sanierung, doch der Hauptteil würde für das Dachgeschoss aufgewendet werden. Koch sagt:

«Das Dachgeschoss muss dringend gemacht werden.»

Bereits 1991 habe es eine Studie dazu gegeben. «Seither wurde immer nur das Dach geflickt. Nun wollen wir aber auch das ganze Geschoss sanieren.» Alleine dafür rechnet Koch mit einer Million.

Auch der Lift ist keine neue Idee. Bereits vor den jetzt stattfindenden Umbauarbeiten diskutierte der Verein konstruktiv mit der Denkmalpflege, wo und wie man den Aufzug einbauen könnte. Doch es wurde damals noch nichts spruchreif. Koch sagt lachend:

«Da waren wir nicht unglücklich, weil wir so noch ein bisschen Geld sparen konnten.»

Denn die zwei Bauetappen der laufenden Sanierung, werden 3,2 Millionen kosten. Von diesen bekommt der Verein eine Million von der öffentlichen Hand – je 320'000 Franken von Bund, Kanton und Gemeinde.

«Tag der offenen Tür» für Vereinsmitglieder

Der Verein plant Anfang Oktober einen Eröffnungsanlass mit den Sponsoren und Gönnern. Auch für die Vereinsmitglieder (schon ab 50 Franken jährlich, Anmeldung unter www.hagenwil.ch) soll es noch einen «Tag der offenen Tür» geben. «Eigentlich war das Ende August an der Jahresversammlung der Freunde des Wasserschlosses geplant gewesen», sagt Vereinspräsident Bernhard Koch, doch diese wird heuer aus aktuellem Anlass schriftlich durchgeführt. «Aber man kann ja auch jederzeit im neuen Restaurant einkehren», sagt Bernhard Koch. (man)

Jährlich ein Nachtessen für die Ritterinnen und Ritter

Während das Restaurant im südlichen Wehrgang bereits wieder geöffnet ist, wird im westlichen Wehrgang noch eifrig gewerkelt. Zunächst war unklar, ob für dessen Sanierung der Verein die 350'000 Franken Mehrkosten bereits jetzt aufwerfen möchte. Letztendlich sei es ein Vernunftsentscheid gewesen, sagt Koch und erklärt wieso:

«Wir hätten diesen Teil so oder so isolieren müssen. Auch der Boden hatte ein Gefälle von bis zu 25 Zentimetern, was man ausgleichen musste.»

Und auch bei der Decke habe die Denkmalpflege darauf bestanden, dass da was gemacht werde. Und so entschloss man sich, den Raum so auszubauen, dass er als zusätzlicher Gastraum benutzt werden kann und dem bestehenden Restaurant mit dem Täfer angeglichen wird.

So wie auf dieser Visualisierung könnte es künftig im zusätzlichen Raum des Schlossrestaurants aussehen. Bis zu 40 zusätzliche Plätze werden so zur Verfügung stehen.

So wie auf dieser Visualisierung könnte es künftig im zusätzlichen Raum des Schlossrestaurants aussehen. Bis zu 40 zusätzliche Plätze werden so zur Verfügung stehen.

Bild: PD

Das ergibt etwa 40 weitere Sitzplätze für den Restaurationsbetrieb – und brachte Bernhard Koch auf eine Idee, wie diese Mehrkosten zu finanzieren wären. Wobei er zugibt, dass man das bei einem anderen Schloss abgekupfert habe: «Dort gibt es schon eine Tafelrunde und wir waren der Ansicht, das passe auch gut zu uns.» Natürlich sollten sich diese Rittersleut, die dafür immerhin 10'000 Franken in die Sanierungsschatulle legen, auch regelmässig treffen. Und so werden sie vom Schlossherrn und dem Verein während einer Dekade einmal jährlich für ein festliches Mahl in ihren Saal eingeladen.

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