Zum Gedenken
Ein Vermittler zwischen den Generationen

Am 4. Januar ist der ehemalige Pfarrer von Evangelisch Weinfelden, Alterswilen-Hugelshofen und Greifensee verstorben. Als Redaktor des Kirchenboten schrieb er lange übers Pensionsalter hinaus für den Glauben.

Hans Ruedi Fischer
Drucken
Teilen
Walter von Arburg, 1933-2021.

Walter von Arburg, 1933-2021.

Bild: Susan Basler

Im ersten grossen Schneetreiben des neuen Jahres haben Angehörige und Weggefährten auf dem Bürgler Friedhof von alt Pfarrer Walter von Arburg-Plüer Abschied genommen. Der Lebenskreis des engagierten Seelsorgers hat sich am 4. Januar bei einem Kuraufenthalt in Berlingen geschlossen. Walter von Arburg kam im Herbst 1933 in Bern zur Welt; seinem früh verstorbenen Vater ist er nie begegnet. 1936 zog er zusammen mit seiner Mutter Elise in deren Elternhaus nach Frauenfeld. In seiner Kantonsschulzeit, die er 1952 mit der A-Matur abschloss, schmiedete er als Thurgovianer «Nestor» lebenslange Freundschaften.

Ein militärisch Vorgesetzter riet dem jungen Offizier, seine Studien an der Handelshochschule St. Gallen (HSG) nicht weiter zu führen sondern Theologie zu studieren. Die Idee zündete; die Universitäten Zürich, Bonn, Heidelberg und Oxford wurden weitere Stationen. Während seines Lernvikariats in Münchwilen bekam Walter von Arburg die ehrende Einladung für ein Nachdiplomstudium in Jerusalem. Sein Theologisches Examen legte er an der Uni Basel ab. Im Advent 1960 wurde er in der Stadtkirche Frauenfeld zum Dienst am Wort Gottes ordiniert; an Neujahr 1961 trat er das Pfarramt Alterswilen-Hugelshofen an. Im Kemmental lernte er die Handarbeitslehrerin Vreni Plüer aus Bürglen kennen; im Sommer 1963 schlossen die beiden den Ehebund, aus dem drei Söhne und eine Tochter hervorgingen.

Viele Arbeitsorte im In- und Ausland

Von 1965 bis 1970 wirkte Walter von Arburg zusammen mit Dekan Felix Ludwig in der Evangelischen Kirchgemeinde Weinfelden. 1970 erreichte die Familie der Ruf an das Schweizerische Reformierten Diakonenhaus Greifensee. Walter wurde zum Vorsteher ernannt; seine Frau Vreni übernahm die Rolle der Hausmutter einer Gemeinschaft, in der Schüler und behinderte Männer lebten. Auch ausserhalb des Hauses warteten viele Aufgaben und Verpflichtungen auf Walter von Arburg: Er arbeitete im Verband für Innere Mission und in der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft mit, leistete als Feldprediger Dienst in der Armeeseelsorge und trug massgeblich beim Aufbau der Deutschschweizer und der Europäischen Diakonie-Konferenz bei. Walter von Arburgs letzte Berufsjahre waren von den Umwälzungen im schweizerischen Bildungsbereich, der sich in Richtung einer Akademisierung bewegte, geprägt. Dieser schmerzliche Prozess beschäftigte den fraglos Engagierten immer wieder.

Nach 20 Jahren in Greifensee entschieden sich die von Arburgs zur Rückkehr in den Thurgau; Vrenis Elternhaus in Bürglen wurde beiden zur neu-alten Heimat. Während acht Jahren nahm Walter von Arburg seine beruflichen Verpflichtungen im Diakonenhaus noch als «Pendler» wahr. Hellhörig und leutselig liess er sich für manchen guten Dienst einspannen. Er wurde zum Brückenbauer, wenn es in den Kirchgemeinden harzte; er engagierte sich als federführender Redaktor beim Thurgauer Kirchenboten, den er mit seinen Beiträgen zu bereichern wusste.

Vermittler zwischen den Generationen

Besondere Freude bereitete ihm das Vermittleramt zwischen den Generationen, das er als väterlicher Freund nicht nur bei gemeinsamen Veranstaltungen von pensionierten Pfarrpersonen und jungen Theologiestudierenden wahrnahm. Als Walter von Arburg im Herbst 1998 seine Lebensaufgabe in Greifensee nach 28 Jahren niederlegte, bedachten ihn Weggefährten mit einer Festschrift, die den Titel trägt; «Den Charme Gottes gelebt». Trefflicher lässt sich «Vonis» Wirken kaum umschreiben. Es wird noch lange Zeit Leuchtspuren hinterlassen.