Zum Gedenken an den Bischofszeller Peter Kriesi: Unternehmer – Bürgerpräsident – Gemeinschaftsmensch

Am 18. März verstarb der langjährige Präsident der Bischofszeller Bürgergemeinde, Peter Kriesi, im Alter von 91 Jahren.

Eugen Fahrni
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Peter Kriesi (8. August 1928 - 18. März 2020).

Peter Kriesi (8. August 1928 - 18. März 2020).

(Bild: PD)

Mit seiner grossen Familie trauert auch ein grosser Freundes- und Bekanntenkreis um den am 18. März 2020 verstorbenen Bischofszeller Peter Kriesi. Mit seinem Tod verliert Bischofszell einen erfolgreichen Unternehmer im Bereich Weinhandel, einen langjährigen Präsidenten der Bürgergemeinde, kurz: Ein Gemeinschaftsmensch, dem seine Heimatstadt viel zu verdanken hat. Ebenso trauert eine grosse Familie um ihn mit vier Töchtern, Schwiegersöhnen, Partnern, zehn Enkelkindern und zehn Urenkelkindern um den Verstorbenen.

Peter Kriesi wurde am 8. August 1928 in Bischofszell geboren. Die Mutter war Wienerin, der Vater Bischofszeller. Aufgewachsen war er mit einer Schwester und einem Bruder. Kindergarten, Primarschule und Sekundarschule besuchte er in Bischofszell. In seinen Erinnerungen an diese Zeit stechen die ersten Jahre in der Primarschule heraus. Insbesondere interessierte ihn die Heimatkunde. Die Sekundarschule schaffte er problemlos. Lateinunterricht bekamen er und sein Freund Dieter Stoll beim Pfarrer in Hauptwil.

Der 2. Weltkrieg

Den Ausbruch des 2. Weltkrieges erlebte Peter Kriesi als Fünftklässler. Das war für ihn und seine Schulfreunde ein Ereignis, das sie nie vergassen. Laut seiner Schilderung läuteten damals in Bischofszell alle Kirchenglocken und auch die Glocke im Bogenturm. Er und seine Schulfreunde erlebten, wie ihre Väter in Uniform zum Bahnhof eilten oder wie sie mit Lastwagen abgeholt und zu den Mobilmachungsplätzen transportiert wurden. Wenn die Schweiz auch nicht in kriegerische Handlungen verstrickt war, spürte und erlebte der Schüler Peter Kriesi das Schwierige und Problembehaftete dieser Zeit.

Für die Kantonsschule entschieden sich seine Eltern für die Ausserrhoder Kantonsschule in Trogen. Er fand dort viele gute Freunde fürs Leben. Erst noch berichtete er von der letzten Klassenzusammenkunft im Jahr 2019, an der er mit vier weiteren Ehemaligen teilnehmen konnte.

Ausbildung zum Unternehmer und Weinhändler

Nach der Matura entschied sich Peter Kriesi zur Freude seines Vaters ins Wein-Geschäft einzusteigen. In der Weinfachschule San Michele all’Adige lernte er alles über Oenologie und zusätzlich auch die italienische Sprache. Für ihn als künftigen Weinhändler war auch französisch wichtig. Und so erarbeitete er sich an der Sorbonne in Paris die notwendigen Französisch-Kenntnisse. Und schliesslich lernte der wissbegierige Bischofszeller in London die englische Sprache mit dem Cambridge-Diplom. Dazu kam noch 1964 die Eidg. Fachprüfung für Handelsreisende. An dieser Schule in Winterthur wirkte er schliesslich später einige Jahre als Lehrkraft. Von 1951 bis 1993 führte er zuerst gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder Heiner, danach in Kooperation mit der OBI die weitherum bekannte Weinhandlung in Bischofszell. Wer einmal das Glück hatte mit Peter Kriesi ins Veltlin zu Weinproduzenten zu reisen, staunte über sein grosses Fachwissen mit Bezug auf Trauben und deren Verarbeitung zu Wein.

Heirat und Familie

1953 heiratete Peter Kriesi «meine Betty», wie er seine langjährige Lebensgefährtin zu bezeichnen pflegte. Aus seinen Lebens-Aufzeichnungen spürt man, wie gut sich er und «seine Betty» verstanden. Er als ehemaliger Pfadfinder-Abteilungsleiter und sie als Leiterin der Mädchenpfadi hatten stets genügend Gesprächstoff. Abwechslung ausserhalb der Firma bot Peter auch seine Mitwirkung im Männerchor und auf der Theaterbühne Bischofszell. Der Familie wurden vier Mädchen geschenkt. Was ihr Vater über die Natur und speziell über die Blumenwelt wusste, erzählte er seinen Kindern. Und diese wiederum gaben alles an deren Kinder weiter. Bis ins hohe Alter duellierten sich Peter Kriesi und seine Frau mit dem Spiel Scrabble.

Der Bischofszeller Gemeinschaftsmensch

Bischofszell hat ihm ohne Zweifel viel zu verdanken. Er diente der Stadt in seiner Freizeit in verschiedenen Funktionen. Die Wichtigste: Er war vier Jahre Mitglied im Rat der Bürgergemeinde und während 20 Jahren deren umsichtiger Präsident. Und ebenfalls in der Freizeit war er national als Vorstandsmitglied im Schweizerischen Nutzfahrzeugverband ASTAG tätig. Erwähnenswert ist auch sein Engagement zusammen mit seiner Frau im Organisationskomitee des Eidg. Musikfestes 1984 in Bischofszell.

Trotz der lokalen Verbundenheit zu Bischofszell wollte das Ehepaar Kriesi auch die Welt kennenlernen. Das geschah mit Reisen nach Italien, Frankreich, China, USA, England, Irland usw.

Fast 50 Jahre war Peter Kriesi aktives Mitglied des Rotary Clubs Oberthurgau. Ein Höhepunkt des Clublebens war, verbunden mit einer logistischen Meisterleistung, als er in leitender Funktion fast 50 restaurierte Ambulanzen und mobile Zahnkliniken in Länder wie Serbien, Montenegro, Mazedonien usw. brachte.

Blitzgescheit und humorvoll

Viele erinnern sich aber auch an Peter Kriesi als blitzgescheiten und humorvollen Zeitgenossen. Kaum war in einer Runde ein Stichwort gefallen, zitierte er oft zur Ergänzung berühmte Dichter und Schriftsteller. Zu seinen Lieblingen gehörte Wilhelm Busch, dessen mehrstrophige Verse er frei zitieren konnte.

Er wohnte in den letzten Jahren im Bischofszeller Bürgerheim. Da war er sehr glücklich, und er fühlte sich gut aufgehoben.

Mit seinem Tod hat Bischofszell ein Original verloren, einen Bürger, dem seine Stadt, seinen Menschen viel bedeutet hat und der seiner Stadt auch viel gebracht hat. Das zeigte er auch, als er vor zehn Jahren als 81-Jähriger den ersten Preis eines Ideenwettbewerbes gewonnen hatte zur Frage nach dem Image von Bischofszell. Sein Vorschlag war: «Bischofszell – Kleine Stadt mit grossem Charme».