Zugpferd in die Selbständigkeit: Am Bommerweiher bietet sich jungen Menschen eine Chance zurück ins Leben zu gelangen

Marcel und Anita Peterer eröffnen psychisch erkrankten jungen Erwachsenen in Ellighausen eine Zukunft. Pferde, Hunde, Ziegen, Schafe und Rinder der Familie werden unterstützend eingesetzt.

Isabelle Merk
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Anita und Marcel Peterer bieten jungen Menschen eine feste Struktur.

Anita und Marcel Peterer bieten jungen Menschen eine feste Struktur.

(Bild: Reto Martin)


Zugpferd Bommerweiher bietet psychisch erkrankten jungen Erwachsenen in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Integration und Gesundheit eine Möglichkeit in sicherem, familiärem Umfeld wieder Fuss zu fassen. Mit Tagesplätzen oder in einer Wohngruppe geht es Schritt für Schritt gemeinsam zurück in einen strukturierten Alltag.

Samuel* ist frech, laut und manchmal auch sehr aggressiv. Er findet keinen Platz in der Gesellschaft, sein Umfeld ist überfordert. Die Abwärtsspirale hat begonnen. Kesb und Jugendanwaltschaft werden involviert. Samuel hat keine Chance, aktuell eine Lehrstelle zu finden.

Die involvierten Ämter nehmen Kontakt mit Zugpferd Bommerweiher auf. Samuel erhält einen Termin für ein Vorstellungsgespräch mit Marcel und Anita Peterer den Geschäftsführern von Zugpferd Bommerweiher. Der gerade mal 15-Jährige bekommt eine Chance, indem er bei der Institution durch die Tagesstruktur neuen Halt finden kann.

Platz mit Tagesstruktur für sechs junge Menschen

Nicht nur Institutionen wie die Kesb können sich bei Schwierigkeiten mit jungen Erwachsenen an Zugpferd Bommerweiher wenden. Auch für kleine- und mittlere Betriebe, welche Schwierigkeiten mit Lernenden haben, werden konkrete Lösungsmöglichkeiten angeboten. Neben den geplanten vier Wohnplätzen vor Ort (ab Januar 2021) können weitere sechs Jugendliche ab sofort in der Tagesstruktur Halt finden.

Die jungen Erwachsenen müssen die Hilfe wollen

«Wir begleiten die jungen Erwachsenen, solange wie sie uns brauchen. In der Regel bis zum Abschluss einer Berufslehre», erläutert Marcel Peterer. Samuel wird Tag für Tag auf dem Betrieb der Sintakt AG gefördert und unterstützt, er erhält Hilfe zur Selbsthilfe im Alltag.

Grundlegend dabei ist, dass Samuel diese Chance freiwillig nutzen möchte. Um einen Platz bei Zugpferd Bommerweiher zu erhalten müssen gemäss Marcel Peterer drei Kriterien erfüllt sein:

«Um bei uns auf die Wohngruppe oder in die Tagesstruktur zu kommen müssen eine psychiatrische Diagnose vorliegen, die obligatorische Schulzeit abgeschlossen sein und die jungen Erwachsenen müssen sich freiwillig beteiligen wollen.»

Samuels Alltag wird sich fortan auf dem Betrieb abspielen, wohnen wird er jedoch weiterhin zu Hause. Zugpferd Bommerweiher ist für die jungen Menschen an 365 Tagen im Jahr während 24 Stunden am Tag geöffnet. «Oftmals gehen die jungen Erwachsenen in eine gute stationäre Therapie, nach dem Aufenthalt und zurück im Lehrbetrieb sind einige von ihnen dann allerdings überfordert. Der Schritt vom geschützten Umfeld zum alltäglichen Arbeitsleben kann manchmal einfach zu gross sein.»

Dies haben Anita und Marcel Peterer oft erlebt und hier möchten sie, gerne auch über eine gute Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, eine Lücke mit dem neuen Angebot füllen. Zweieinhalb Jahre intensive Arbeit und das Glück mit Doris Suess von Sintakt AG eine solide Partnerin mit entsprechender Infrastruktur gefunden zu haben, liegen hinter dem Ehepaar, welches sich nun gemeinsam mit den vier eigenen Kindern auf die Herausforderung freut, jungen Menschen in einer schwierigen Situation eine Brücke zu sein.

Hinweis: *Name aus Datenschutzgründen verändert.

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