Zuerst Petra, dann Corona: Die Amriswiler Kirchturmuhr läuft seit bald zwei Monaten nicht mehr

Die Uhr der katholischen Kirche Amriswil steht still und schweigt. Dabei wäre alles schon längst repariert und parat.

Manuel Nagel
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Der havarierte Minutenzeiger auf der Südseite des Kirchturms ist mittlerweile wieder ganz, doch die Fachleute konnten ihn noch nicht wieder in luftiger Höhe anbringen.

Der havarierte Minutenzeiger auf der Südseite des Kirchturms ist mittlerweile wieder ganz, doch die Fachleute konnten ihn noch nicht wieder in luftiger Höhe anbringen.

(Bild: Urs Hungerbühler)

Als das Sturmtief Petra am 3.Februar mit rund hundert Kilometern pro Stunde über Amriswil hinwegfegte, kam auch die katholische Kirche St.Stefan nicht schadlos davon. Und auch wenn es vorerst nur nach einem ganz geringen Schaden aussah, so zieht sich das Malheur nun doch schon seit mehreren Wochen dahin – mit spürbaren Folgen für die ganze Stadt.

Der Sturm entwickelte eine solche Kraft, dass er vom Minutenzeiger auf dem südlichen Kirchturm einen Teil wegriss und dabei auch die Mechanik beschädigte. Dies veranlasste Urs Hungerbühler, am 4.Februar einzugreifen. «Da ein Zahnrad beschädigt wurde, musste die ganze Uhr abgestellt werden», sagt der Bauverwalter der katholischen Kirchgemeinde.

Hungerbühler reagierte sofort und bot die Firma Muff aus dem aargauischen Triengen auf, die auf Kirchturmtechnik spezialisiert ist. An der Budgetversammlung vom 11.Februar versprach Urs Hungerbühler den Kirchbürgerinnen und Kirchbürgern, «dass es nächste Woche spektakulär wird, wenn dann die grosse Hebebühne kommt».

Die Hebebühne in rund 40 Metern Höhe in Aktion.

Die Hebebühne in rund 40 Metern Höhe in Aktion.

(Bild: Urs Hungerbühler)

Ein neuer Zeiger aus Blech

Die kam eine Woche später und nahm Hungerbühler mit in luftige Höhen, wo er sich von den Folgen des Sturms ein Bild machen konnte und dem Zifferblatt so nahe kam wie wohl sonst nie mehr. Die Mitarbeiter der Muff Kirchturmtechnik holten die beschädigten Teile herunter, um sie zu reparieren.

Das Coronavirus war an jenem 18.Februar zwar schon auf dem Vormarsch, doch dass im Vergleich dazu das Sturmtief Petra wie ein laues Lüftchen wirken sollte, das hätte sich auch Hungerbühler nicht gedacht.

Denn obwohl die Firma Muff einen neuen Zeiger aus Blech fertigte und eigentlich alles wieder repariert und parat wäre, ist die Turmuhr der katholischen Kirche weiterhin stumm und steht still. Urs Hungerbühler sagt:

«Die Fachleute von der Firma Muff müssten über längere Zeit dort oben auf der Hebebühne zusammen arbeiten und könnten so die aktuellen Schutzmassnahmen des Bundes gegen das Coronavirus nicht umsetzen.»

Er prüft nun deshalb die Möglichkeit, dass die Uhr halt ohne Minutenzeiger läuft und die Glocken zur vollen Stunde die Zeit schlagen können.