Zittersieg im Wallis: Der HC Thurgau macht in Visp das Playoff-Aus vergessen

Bei seiner Rückkehr an den Ort, wo für den HC Thurgau im vergangenen Frühjahr die Saison endete, gewinnt der Swiss-League-Leader nach aufopferungsvollem Kampf 5:3. Trotz ähnlicher Personalsorgen macht der HC Thurgau im Vergleich mit dem EHC Visp viel mehr aus der Situation.

Matthias Hafen aus Visp
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Trainer Stephan Mair brauchte auswärts in Visp starke Nerven, bis der 5:3-Sieg feststand.

Trainer Stephan Mair brauchte auswärts in Visp starke Nerven, bis der 5:3-Sieg feststand.

Bild: Mario Gaccioli (Winterthur, 11. Oktober 2020).

Es ist noch nicht so lange her, da gehörte der EHC Visp zur Crème de la Crème der Swiss League. Gefürchtet von seinen Gegnern, gefeiert vom ganzen Oberwallis. Von allen Bergdörfern rundherum reisten sie an, um die roten Löwen spielen zu sehen. Heute sind die Betten in den zwei Hotels im Städtchen dienstags zwar immer noch ausgebucht, aber hauptsächlich von Arbeitern und Besuchern der Chemiefirma Lonza. Sie steht derzeit im Fokus, weil hier bald ein Impfstoff gegen Covid-19 hergestellt werden soll. Der EHC Visp spielt nur noch die zweite Geige – nicht nur wegen Corona.

Das 3:5 gegen den HC Thurgau am Dienstagabend war die sechste Niederlage in Folge. Beim nächsten Sieg der EVZ Academy droht den Wallisern der Fall auf den letzten Tabellenplatz. Dabei hätte die neue Lonza-Arena der Aufbruch in eine noch erfolgreichere Ära einläuten sollen, in der selbst die National League Thema ist. Dafür kaufte Visp in diesem Sommer auch Thurgaus Topskorer Melvin Merola für teures Geld aus dessen Vertrag. In dieser Saison aber klaffen in der Lonza-Arena Vorstellung und Wirklichkeit weit auseinander. Mit ein Grund: Wie Thurgau leidet auch Visp unter zahlreichen Langzeitverletzten.

Visp fehlt derzeit ein starker Goalie

So fehlte am Dienstag erneut Goalie Reto Lory, der den HCT im Frühling dieses Jahres mit seinen Paraden aus dem Playoff-Viertelfinal gehext hatte. Auch der Amerikaner Mark Van Guilder ist ein Ausfall, den man nicht einfach so schnell ersetzen kann. Und sein vorübergehender Backup, der Kanadier Glenn Gawdin von den Calgary Flames, wurde vom NHL-Team bereits wieder zurückbeordert. Nicht einmal die Entlassung von Trainer Matti Alatalo am 21. Oktober brachte eine Besserung. Sportchef und Interimstrainer Bruno Aegerter macht an der Bande keine bessere Figur.

Die Misere der Walliser zeigt aber auch, wie gut beim HC Thurgau derzeit gearbeitet wird. Die Mannschaft des Trainerduos Stephan Mair/Beni Winkler hat ähnliche Personalsorgen (neu fehlen auch Adam Rundqvist und erneut Janik Loosli), versteht es aber hervorragend, mit den vielen Verletzten umzugehen. Das 5:3 in Visp war der vierte Sieg in den vergangenen fünf Partien, der neunte aus 14 Meisterschaftsspielen. Die Ostschweizer halten sich weiter hartnäckig an der Spitze der Swiss League.

Fünfminutenstrafe ebnet Thurgau den Weg

Entscheidend waren in Visp die Strafen. Ein grenzdebiler Check gegen das Knie von Michael Loosli bedeutete für Visps Verteidiger Valentin Pilet das verfrühte Matchende – und das sieben Sekunden nach Wiederanspiel im Mitteldrittel, beim Stand von 1:1. Die fünfminütige Strafe nutzte der HCT für zwei Treffer. Das Trio Brandon Hagel, Mattia Hinterkircher und Kay Schweri erhöhte das Skore innert 44 Sekunden auf 3:1. Die Thurgauer waren nicht unbedingt die bessere Mannschaft. Immer wieder musste man sich als Zuschauer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, besonders im Powerplay. Doch Mairs Equipe zeichnet in dieser Saison aus, dass sie ihre Chancen nutzt. Auch wenn das manchmal dauert.

Mit dem Zweitorevorsprung hätten die Gäste relativ beruhigt das Schlussdrittel angehen können. Ein Doppelausschluss von Hagel und Jan Mosimann in der 44. Minute brachte Visp aber zurück in die Partie, Andy Ritz verkürzte auf 2:3. Doch Thurgau gelang es in der folgenden Abwehrschlacht, jeden Gegentreffer mit einem weiteren Tor zu beantworten und wurde am Ende für seinen grossen Aufwand belohnt. In Visp hingegen rückt die Lonza-Arena sinnbildlich immer näher an das Nachbargebäude: ein Radikal-Liquidationen-Shop.

Visp – Thurgau 3:5 (1:1, 0:2, 2:2)

Lonza-Arena – Keine Zuschauer – SR Salonen/Fluri, Huguet/Wermeille.
Tore: 4. Hagel (Schmuckli) 0:1. 7. Brügger (Josephs/Ausschluss Hinterkircher) 1:1. 24. (23:50) Hagel (Schweri/Ausschluss Pilet) 1:2. 25. (24:33) Hinterkircher (Schweri, Hagel/Ausschluss Pilet) 1:3. 46. Ritz (Holdener/Ausschluss Mosimann) 2:3. 55. Hagel 2:4. 59. (58:22) Haas (Josephs, Haberstich) 3:4. 60. (59:12) Mosimann (Hagel, Schmuckli) 3:5 (ins leere Tor).
Strafen: 4-mal 2 Minuten plus 5 Minuten (Pilet) plus 10 Minuten (Spinell) plus Spieldauer (Pilet) gegen Visp, 6-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Visp: Saikkonen; Eggenberger, Pilet; Blaser, Wyss; Krähenbühl, Furrer; Steiner; Haberstich, Haas, Sterchi; Josephs, Ritz, Burgener; Merola, Brügger, Holdener; Riatsch, Berger, Spinell; Petrig.
Thurgau: Aeberhard; Fechtig, Moor; Schmuckli, Soracreppa; Scheidegger, Schmutz; Schnyder; Hinterkircher, Hagel, Michael Loosli; Schweri, Fritsche, Spannring; Murphy, Rehak, Mosimann; Baumann, Hobi, Lanz.
Bemerkungen: Visp ohne Lory, Van Guilder, Camperchioli, Wiedmer, Hofstetter, Heynen (alle verletzt) und Gawdin (zurück zu Calgary/NHL). Thurgau ohne Hulak, Parati, Janik Loosli, Rundqvist, Brändli, Wildhaber, Moser (alle verletzt), Hollenstein (Pfeiffersches Drüsenfieber) und Bischofberger (Quarantäne). – 11. Tor von Rehak aberkannt (Torraum-Offside). 23. Tor von Fritsche aberkannt (Goaliebehinderung). – 55:53 Time-out Visp, danach bis 58:22 ohne Goalie und ab 58:55 ohne Goalie.