Zihlschlacht

Winterquartier im Garten: Eine Familie hält 26 Schildkröten

Die 26 Schildkröten von Lilo und Beni Schürmann in Zihlschlacht halten derzeit ihre Winterruhe in den beiden Treibhäusern im Garten.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Lilo und Beni Schürmann kontrollieren zusammen mit ihren Enkelinnen Lara und Selina die Treibhäuser, in denen die Schildkröten ihre Winterruhe halten.

Lilo und Beni Schürmann kontrollieren zusammen mit ihren Enkelinnen Lara und Selina die Treibhäuser, in denen die Schildkröten ihre Winterruhe halten.

Bild: Yvonne Aldrovandi

Sträucher, Häuschen, Steine und weitere Rückzugsorte liegen unter einer dünnen Schneedecke. Nur in den beiden Treibhäusern scheint es wohlig warm zu sein – hier ist nämlich durch die Plexiglas-Scheiben Laub zu sehen.

Lilo und Beni Schürmann stehen in ihrem Garten in Zihlschlacht und zeigen auf ihr Schildkröten-Paradies. Von den Schildkröten ist allerdings nichts zu sehen. Sie halten ihre Winterruhe in den gut isolierten Treibhäusern.

«Schildkröten sind faszinierende und neugierige Tiere. Es wirkt beruhigend zu beobachten, wie sie sich langsam fortbewegen.»

So schwärmt Lilo Schürmann von ihrer Leidenschaft. Schon lange Zeit hat die 55-jährige Zihlschlachterin eine Schwäche für die Panzertiere. «Unsere Nachbarn am früheren Wohnort besassen Schildkröten. Ich war bereits damals von diesen Tieren völlig fasziniert», erinnert sie sich.

Vor 14 Jahren, kurz nach ihrem Einzug in ihr Einfamilienhaus in Zihlschlacht, haben sich Lilo und Beni Schürmann dann selbst vier Schildkröten in den Garten geholt. «Wir haben uns für Griechische Landschildkröten entschieden, weil deren Haltung relativ anspruchslos ist», sagt Beni Schürmann. Inzwischen leben insgesamt 26 Griechische Land- sowie Breitbrandschildkröten bei den beiden. Den Grossteil der Tiere haben sie selbst gezüchtet. Nun sei aber Schluss damit, denn inzwischen sei ihre Schildkrötenfamilie gross genug.

Die Bruttemperatur der Eier bestimmt das Geschlecht der Tiere

Beni Schürmann erklärt, dass die Bruttemperatur der Eier das Geschlecht der Tiere bestimme. Bei konstant rund 33 Grad Celsius sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass Weibchen schlüpften. Liege die Temperatur darunter, gebe es eher Männchen. Da die Eier oftmals bei tiefer Temperatur ausgebrütet werden, gibt es eine Überpopulation an Männchen.

Beni Schürmann erzählt, dass er die Eier in einen Brutkasten gelegt habe, um Schildkröten zu züchten – allerdings nie zum Verkauf, sondern nur für sich. In heissen Sommern seien aber auch «Naturbruten» möglich. «Dies geschah bei uns im vorletzten Sommer. Zwei junge Schildkröten sind rund acht Wochen nach der Eiablage geschlüpft», erinnert sich der 57-jährige Baggerführer und fährt fort:«Vier bis sechs Wochen nach der Befruchtung werden die Eier abgelegt, nach etwa 53 bis 65 Tagen schlüpfen die Jungen. Im Durchschnitt sind es vier bis zwölf Eier pro Gelege.»

Eine richtige Ernährung für Schildkröten sei sehr wichtig. Lilo Schürmann sagt dazu:

«An warmen Tagen verfüttern wir unseren Tieren etwa sechs bis acht Salate. Zudem bringen unter anderem frisch gepflückter Löwenzahn, Brennnesseln, Disteln oder Spitzwegerich eine willkommene und gesunde Abwechslung.»

Der Arbeitsaufwand von Frühjahr bis Herbst liege bei etwa einer Stunde pro Tag, dazu gehöre auch regelmässiges Ausmisten des Geheges. Jetzt im Winter fallen nebst stetiger Kontrolle der Treibhäuser, in denen die Schildkröten unter einer dicken Heu-, Stroh- und Laubschicht ruhen, keine weiteren Arbeiten an.

Die Winterruhe – die Bezeichnung Winterschlaf ist bei Schildkröten nicht korrekt – dauert etwa von Mitte Oktober bis Mitte März. Die Panzertiere stellen im Herbst, wenn es kälter wird, ihre Nahrungsaufnahme selbständig ein. Zur Darmentleerung im Herbst und Frühjahr bekommen die Schildkröten ein warmes Bad.

Die Schildkröten seien sehr gerne an der Sonne, doch im Hochsommer suchen sie Unterschlupf im Schatten. Denn sie haben, wie alle Reptilien, keine Schweissdrüsen und können demzufolge nicht schwitzen.

«Während der warmen Jahreszeit legen Spaziergänger oder Velofahrer oftmals einen Halt ein, um unsere Schildkröten draussen im Gehege beim Rumkrabbeln zu beobachten.»

Leider waren auch schon Langfinger am Werk und versuchten Schildkröten zu stehlen. Deshalb mussten Schürmanns eine Überwachungskamera anbringen. Schildkröten seien keine Kuscheltiere und als Heimtiere nicht geeignet – sie sollten draussen gehalten werden.

Schildkröten können über 100 Jahre alt werden. «Unsere älteste ist etwa 50-jährig», erzählen die Schildkrötenbesitzer. Doch für ein langes und glückliches Schildkrötenleben ist bereits vorgesorgt.

«Unsere Tochter wird irgendwann einmal die Tiere übernehmen, und unsere beiden Enkelinnen Lara und Selina haben auch schon ihre Freude daran.»