ZIHLSCHLACHT-SITTERDORF
Ein weinendes und ein lachendes Auge: Gemeindepräsidentin Heidi Grau präsentiert letztmals eine Jahresrechnung

Die Rechnung 2020 der Politischen Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf schliesst im Minus ab. Trotzdem löst das Ergebnis keine Verbitterung oder Verärgerung aus. Der Verlust ist nämlich spürbar kleiner ausgefallen als erwartet.

Georg Stelzner
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Gemeindepräsidentin Heidi Grau vor der Gemeindeverwaltung an der Bernhauserstrasse in Zihlschlacht.

Gemeindepräsidentin Heidi Grau vor der Gemeindeverwaltung an der Bernhauserstrasse in Zihlschlacht.

Bild: Reto Martin (Zihlschlacht, 18. Mai 2018)

Gemeindepräsidentin Heidi Grau atmet auf. Die letzte von ihr präsentierte Jahresrechnung schlägt zwar wie budgetiert mit roten Zahlen zu Buche, doch findet die Coronakrise nicht den befürchteten Niederschlag. Die Folgen der Pandemie dürften sich erst dieses Jahr und später auswirken. Der Aufwandüberschuss in der Rechnung 2020 beläuft sich auf 354’391 Franken und ist somit um rund 77’500 Franken geringer als prognostiziert.

Auswirkungen von Corona noch nicht spürbar

«Im Vergleich zum Voranschlag resultieren keine markanten Veränderungen, und dank der staatlichen Auffangregelungen sind wir gar nicht schlecht weggekommen», stellt die Gemeindepräsidentin fest. Zum vergleichsweise guten Abschluss habe auch die Zurückhaltung bei den Investitionen beigetragen.

Laut Grau ist das eine Konsequenz aus dem fiskalischen Rückschlag im Jahr 2019. Damals musste beim Steuerertrag eine Einbusse in Höhe von einer Million Franken verkraftet werden, was eine Erhöhung des Steuerfusses zur Folge hatte.

Die wichtigsten Abweichungen vom Budget

Das bessere Jahresergebnis ist auf weniger Beiträge an denkmalpflegerische Restaurierungen sowie einen tieferen Aufwand im Sozialbereich und beim Strassenunterhalt zurückzuführen. Die Annahme, dass die Coronapandemie zu signifikant höheren Ausgaben für die Sozialhilfe führen werde, hat sich (noch) nicht bewahrheitet, wie Heidi Grau erklärt:

«Für diesen Zweck ist das Budget sogar um 60’000 Franken unterschritten worden. Wir bewegen uns aber nach wie vor auf einem hohen Niveau.»

Beim Steuerertrag resultierte ein Minus von rund 25'000 Franken. Auf der Ausgabenseite fallen die Beiträge an die Pflegefinanzierung mit einer Zunahme um 20’000 Franken ins Gewicht. Dieses Minus konnte insofern kompensiert werden, als der Kanton erstmals einen Beitrag an die ambulante Pflege, Hilfe und Betreuung im Ausmass von 38’000 Franken ausgerichtet hat.

Wesentlich mehr als erwartet, nämlich um gut 54’000 Franken, musste die Gemeinde an die Sanierung der Kantonsstrasse Zihlschlacht-Wilen-Schönbühl zahlen. Verantwortlich dafür seien die massiven Mehrkosten für die Altlastensanierung, erklärt Heidi Grau.

Gemeinde hat mit Gesuch beim Kanton Erfolg

Obwohl sich der Steuerertrag zu 100 Prozent pro Einwohner im Vergleich zum Jahr 2018 halbiert hat, wird Zihlschlacht-Sitterdorf vom Kanton im Rahmen des Finanzausgleichs weiterhin kräftig zur Kasse gebeten. Stolze 107’934 Franken musste die politische Gemeinde nach Frauenfeld überweisen.

Zu viel, fanden Heidi Grau und der Gemeinderat. Unter Hinweis auf die 2019 eingetretene Veränderung der steuerlichen Situation wurde beim Kanton ein Gesuch um eine Kürzung der Summe eingereicht. Der Versuch zahlte sich aus, denn der Kanton leistete nun seinerseits einen ausserordentlichen Beitrag von 53'967 Franken, womit die von der Gemeinde zu entrichtende Summe im Rahmen des Finanzausgleichs de facto halbiert und das Jahresergebnis erheblich verbessert wurde.

Gemeindeversammlung: Mittwoch, 26. Mai 2021, 20 Uhr; Mehrzweckhalle in Sitterdorf.

Unaufgeregt und solidarisch

Die Sanierung der Sonnenhügel- und Sonnenstrasse in Sitterdorf konnte im Jahr 2020 zeitgerecht und budgetkonform realisiert werden. Das allein wäre noch keine spezielle Erwähnung wert. Die Umstände hingegen schon. «Die Anwohner sind mit den damit verbundenen Einschränkungen überaus gelassen umgegangen», findet Gemeindepräsidentin Heidi Grau. Lobend erwähnt sie auch jene Gewerbebetriebe, die Ersatzparkplätze für Fahrzeughalter aus besagtem Wohnquartier entschädigungslos zur Verfügung gestellt hatten. «Die Solidarität war sensationell, das Ganze ging stressfrei über die Bühne», sagt Heidi Grau eingedenk der Tatsache, dass rund 90 Parkplätze zur vorübergehenden Nutzung aufgetrieben werden mussten. (st)

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