Zentrumsüberbauung

Güttinger lehnen den Kredit zum Kauf von zwei Stockwerken oberhalb der Verwaltung ab

Die Gemeinde kann die zusätzlichen Flächen nicht erwerben. Mit einer Zweidrittel-Mehrheit schmetterten die Stimmbürger den Kredit ab.

Martina Eggenberger Lenz
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Das neue Verwaltungsgebäude mit geplanten Wohnungen in den Obergeschossen.

Das neue Verwaltungsgebäude mit geplanten Wohnungen in den Obergeschossen.

Bild: PD

Es hatte sich abgezeichnet. Die Güttinger Stimmbürger lehnen den 3,1-Millionen-Kredit zum Kauf von zwei zusätzlichen Stockwerken in der neuen Zentrumsüberbauung ab. Von den 584 gültigen Stimmen beinhalteten nur 176 ein Ja zur Vorlage. 408 Zettel gingen mit einem «Nein» ein. Die Stimmbeteiligung lag bei 56,3 Prozent. Die Abstimmung fand an der Urne statt, weil der Kredit die Marke von einer Million Franken übersteigt.

Im Vorfeld der Abstimmung hatte die SVP Ortspartei die Nein-Parole publik gemacht. Es gab zudem Leserbriefe und Inserate mit einer Nein-Empfehlung, unter anderem von einer anonymen Gruppe «Pro Güttingen». Die Argumente der Gegner waren, man müsse die Verschuldung stopppen und die «Ausgabewut» eindämmen. Die Gemeinde solle keinen Spekulationskauf tätigen.

Kein Weltuntergang, aber eine verpasste Chance

Gemeindepräsident Urs Rutishauser nahm das Abstimmungsresultat denn auch gelassen zur Kenntnis. «Wir haben dem Volk vor drei Jahren versprochen, dass wir es über die Option eines Kaufs von zusätzlicher Fläche abstimmen lassen werden. Das haben wir nun getan.» Dass die Gemeinde nicht Eigentümerin der zwei Obergeschosse werde, sei kein Weltuntergang, sondern eher eine verpasste Chance, sagt Rutishauser.

Die Idee hinter der Investition war, eine Fläche für Gewerbe zu sichern, weil es immer wieder Anfragen diesbezüglich gebe oder bemängelt werde, dass es in Güttingen zu wenige Gewerbeflächen gebe. Der Gemeindepräsident meint:

«Nun wird der Investor höchstwahrscheinlich einfach Wohnungen realisieren, weil man diese einfacher vermitteln kann.»
Gemeindepräsident Urs Rutishauser

Gemeindepräsident Urs Rutishauser

Bild: Nana do Carmo

Er vermutet, dass die Höhe des Kredits mit über 3 Millionen Franken viele Stimmbürger abgeschreckt hat. Dies in Zeiten, in denen die Gemeinde so oder so viel investieren müsse, weil sich einiges angestaut habe. Das Nein hat keine weiteren Folgen für den Betrieb der neuen Gemeindeverwaltung. Es falle einzig die längerfristige Option einer Erweiterung nach oben, die durch den Erwerb möglich geworden wäre, weg.

Der Kredit zum Erwerb von zusätzlichem Stockwerkeigentum ist die zweite Abstimmung über eine kommunale Vorlage, die an der Urne statt an der Gemeindeversammlung erfolgt. Urs Rutishauser beurteilt die Stimmbeteiligung als äusserst positiv. Sie sei wohl primär den eidgenössischen Vorlagen geschuldet. «Aber für uns war es eine super Gelegenheit, einen repräsentativen Entscheid einzuholen. Der Volkswille ist klar. Zwei Drittel wollten den Kauf nicht. Ich kann trotzdem gut schlafen.»