Überlegen Schweizer Meisterin: Yasmin Giger findet in Basel zur alten Zuversicht zurück - Andrina Hodel reist mit Silber im Gepäck in die USA

Die Romanshornerin Yasmin Giger gewinnt an den Schweizer Leichtathletik-Meisterschaften in Basel Gold über 400 m Hürden. Die Frauenfelderin Andrina Hodel hätte für einen Triumph im Stabhochsprung einen Exploit gebraucht. Am Ende holt sie Silber.

Jörg Greb aus Basel
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Die 20-jährige Romanshornerin Yasmin Giger lässt die Konkurrenz an den nationalen Titelkämpfen hinter sich.

Die 20-jährige Romanshornerin Yasmin Giger lässt die Konkurrenz an den nationalen Titelkämpfen hinter sich.

Bild: Georgios Kefalas/KEY

Die Anerkennung des Trainers tat gut. «Dieser Sieg, diese Zeit ist wichtig», sagte Flavio Zberg und klopfte Yasmin Giger nach dem in 56,78 Sekunden gewonnenen Rennen über 400m Hürden anerkennend auf die Schulter. Von «einem schwierigen Frühling» sprach Zberg, der im LC Zürich einst Kariem Hussein förderte. Und davon, dass dieses Rennen für ihn und seine Athletin wichtige Anhaltspunkte für die Zukunft geliefert habe.

Erst auf diese Saison hat Giger zu Zberg in die kompetitive Trainingsgruppe gewechselt. Durch einen Muskelfaserriss war die 20-jährige Romanshornerin zusätzlich zum Lockdown gebremst worden. Erst seit wenigen Wochen kann sie wieder wunschgemäss belasten. «Aber», so Zberg, «wir haben nun gesehen, was funktioniert.»

Noch Potenzial in Sachen Tempo und Rhythmus

Yasmin Giger pflichtet bei. «Ich spüre, wie sich das Gefühl wieder entwickelt, wie es wieder vorwärtsgeht», sagte die Thurgauerin nach ihrem Sieg in Basel. Dabei hat sie das als heikle Aufgabe gesehen. Das Selbstvertrauen musste sie «von null auf wiederaufbauen». Dass dies durch starke Resultate am besten glückt, überrascht wenig. «Diese Schweizer Meisterschaft ist eine tolle Erfahrung», sagte sie und fügte an: «Ich sehe aber auch ganz klar, wo ich noch zu arbeiten habe.»

Bei der Schnelligkeit und dem Rhythmusgefühl sieht Giger am meisten Bedarf. Bereits am Dienstag in Bellinzona bietet sich eine weitere Startgelegenheit – gegen internationale Konkurrenz. Giger freut sich. Die Ostschweizerin zählt zu den grössten Talenten der Schweizer Leichtathletik. Seit 2015 sorgt sie für diverse Medaillengewinne auf internationaler Ebene. Allerdings: Die Bestzeit in ihrer Paradedisziplin über 400 m Hürden von 55,90 Sekunden hat seit 2017 Bestand. Im neuen Umfeld mit Trainer Zberg will sie sich dieser weiter nähern – und sie irgendwann knacken.

Andrina Hodel (hier an der Athletissima in Lausanne) verabschiedet sich mit der SM-Silbermedaille in die USA.

Andrina Hodel (hier an der Athletissima in Lausanne) verabschiedet sich mit der SM-Silbermedaille in die USA.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Gegnerin von Andrina Hodel war schlicht zu stark

Stabhochspringerin Andrina Hodel war in Basel die zweite Medaillengewinnerin aus dem Thurgau. Sie holte sich an den nationalen Titelkämpfen den realistischen zweiten Platz. Kein Vorbeikommen gab es für die 20-Jährige vom LC Frauenfeld an Angelica Moser, die mit 4,66 m sogar eine neue persönliche Besthöhe sprang. Hodel überquerte die Latte bei 4,35 m – und sah sich nur wegen der geringeren Anzahl an Fehlversuchen vor Lea Bachmann klassiert. Dennoch gab es Grund zur Genugtuung. «Ich bin zufrieden und konnte nochmals zeigen, auf welch konstantem Level ich springe», sagte die Thurgauerin. In dieser Saison hat sie in vier Wettkämpfen mit Besthöhen zwischen 4,30 m und 4,40 m aufgewartet. Der Schönheitsfehler aus ihrer Sicht: «Der Exploit fehlte wiederum.» Auf 4,45m scheiterte sie. Noch am Sonntagabend flog Hodel in die USA. An der University of Oklahoma wird sie vorerst bis Weihnachten weiter auf den Sport setzen. Als «Investition für den nächsten Schritt», wie sie sagt.

Der Thurgauer Spitzenathlet Kariem Hussein (LC Zürich) trat in Basel über 400 m Hürden an, verzichtete aber auf den Final.

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Jörg Greb