Das «Wöschhüsli» im Wasserschloss Hagenwil war neuzeitlich

In Hagenwil hat die zweite Bauetappe der Sanierung des Wasserschlosses begonnen. Dabei kam auch Überraschendes zum Vorschein.

Manuel Nagel
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In der südwestlichen Ecke des Schlosshofes, wo einst das «Wöschhüsli» war, stützen nun Pfeiler den Raum darüber.

In der südwestlichen Ecke des Schlosshofes, wo einst das «Wöschhüsli» war, stützen nun Pfeiler den Raum darüber.

(Bild: Manuel Nagel)

Als diesen Montag und Dienstag das Wöschhüsli in der südwestlichen Ecke des Schlosses Hagenwil abgebrochen wurde, kamen auch Grabsteine zum Vorschein. Was zuerst nach einer archäologisch interessanten Entdeckung tönt, entpuppt sich jedoch auf den zweiten Blick als wenig spektakulär und bietet für das Wasserschloss gar neue Möglichkeiten.

Am Mittwochnachmittag fand sich der gesamte Vorstand des «Vereins der Freunde des Wasserschlosses Hagenwil» zum Start der zweiten Bauetappe vor Ort ein. Diese zweite Sanierungsphase wird die Erscheinung des historischen Gebäudes nachhaltig verändern. Vereinspräsident Bernhard Koch und Architekt Thomas Kaczmarek erzählten, dass in der abgebrochenen Mauersubstanz auch ein Grabstein verbaut wurde. Aufgrund dessen Datierung kann nun aber mit Gewissheit gesagt werden, dass das Wöschhüsli, wo jeweils auch die Bühne der Schlossfestspiele davor stand, nur rund hundert Jahre alt ist. Bernhard Koch sagt:

«Es ist also historisch gesehen nicht wirklich bedeutend für das Schloss, sondern wurde wie vieles andere im Laufe der Zeit einfach angebaut.»

Diese Vermutung hatte Architekt Kaczmarek schon länger – und die wurde nach dem Abbruch der Mauern bestätigt.

Alt-Regierungsrat Bernhard Koch ist Präsident des «Vereins der Freunde des Wasserschlosses Hagenwil». Zusammen mit Architekt Thomas Kaczmarek und Vereinsvizepräsident Urs Fischer tauscht er sich im Wehrgang über dem ehemaligen «Wöschhüsli» aus.

Alt-Regierungsrat Bernhard Koch ist Präsident des «Vereins der Freunde des Wasserschlosses Hagenwil». Zusammen mit Architekt Thomas Kaczmarek und Vereinsvizepräsident Urs Fischer tauscht er sich im Wehrgang über dem ehemaligen «Wöschhüsli» aus.

(Bild: Manuel Nagel)

Der Ball liegt nun bei der Denkmalpflege

Daraus ergibt sich jetzt eine ganz neue Situation, denn der Schlosshof wirkt nun – trotz all der Pfeiler, die in der südwestlichen Ecke stehen und den Wehrgang abstützen – viel offener. Für Schlossherr Andi Angehrn würden sich dadurch mehr Nutzungsmöglichkeiten auftun, wenn der Raum dort frei bliebe. Auch den Schlossfestspielen käme das entgegen.

Doch die Zeit eilt, denn diese neuen Fakten müssen mit der kantonalen Denkmalpflege abgesprochen werden. Bisher war vorgesehen, dass das Wöschhüsli durch einen modernen Neubau ersetzt würde, weil man davon ausging, das Gebäude gehöre viel länger zum Schloss als es nun der Fall ist.

Der Blick in den Schlosshof von der Stelle aus, wo früher das «Wöschhüsli» war. Dessen Mauern standen dort, wo jetzt ein kleiner Graben ist.

Der Blick in den Schlosshof von der Stelle aus, wo früher das «Wöschhüsli» war. Dessen Mauern standen dort, wo jetzt ein kleiner Graben ist.

(Bild: Manuel Nagel)

Am 6. Januar beginnt bereits der Rückbau des Restaurants im südlichen Wehrgang, von wo aus man einen Blick auf die Zugbrücke hat. Die Wandtäferung wird sorgfältig herausgenommen, nummeriert und eingelagert, damit sie später wieder eingebaut werden kann.

Schlossherr bezahlt mit

Schlossherr Andi Angehrn hat in der Umbauphase bis April erhebliche Ausfälle zu verkraften. Ab Mai gebe es aber keine sichtbaren Einschränkungen mehr, versichert Angehrn. Zudem investiert seine Familie, die das Schloss schon in siebter Generation betreibt, auch eigene Mittel in den Umbau und modernisiert gleichzeitig die Küche. Auf etwa 120'000 Franken schätzt die Besitzerfamilie die Kosten für den Ertragsausfall und nochmals 600'000 Franken für die Küche, was sie alles selber trägt. Die übrigen Umbaukosten, die nur mit der Erhaltung des Schlosses zusammenhängen, bringt der Verein auf.

Ab März werden wieder Gäste im Schloss bewirtet

Das Interieur des Restaurants wird sich also nicht gross verändern, doch dieses wird um etwa zwei Meter vergrössert. Zudem wird es ein anderes Buffet geben, das die Abläufe bei der Bewirtung der Besucher vereinfacht. Schlossherr Andi Angehrn rechnet damit, dass er ab März wieder Gäste empfangen kann.

Weitere Informationen zum Verein der Freunde des Wasserschlosses Hagenwil und zu deren Umbauprojekten gibt es unter www.hagenwil.ch.

Sanierung in zwei Etappen beim Wasserschloss Hagenwil

In der Erzählstunde im Ortsmuseum Amriswil informierte Architekt Thomas Kaczmarek über die Sanierungsarbeiten am Wasserschloss Hagenwil. Die erste Etappe konnte bereits abgeschlossen werden.
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HAGENWIL: Für die nächsten 200 Jahre

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Rita Kohn