Der Romanshorner Stadtrat lockert den geplanten Zwang zu Ladenflächen fast überall im Zentrum: «Wir wollen keine leeren Schaufenster»

Der neue Stadtrat übernimmt bei der Zonenplanung viele Ideen vom alten Stadtrat und ist bereit, in der Ostschweiz eine Pionierrolle zu übernehmen.

Markus Schoch
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Der überarbeitete Zonenplan von Romanshorn: Im März legt ihn die Stadt öffentlich auf.

Der überarbeitete Zonenplan von Romanshorn: Im März legt ihn die Stadt öffentlich auf.

Bild: PD

Der Stadtrat will den Detailhandel stärken und verhindern, dass es im Zentrum bald nur noch Wohnungen und stilles Gewerbe gibt. Dazu schreibt die Behörde den Liegenschaftsbesitzern in bestimmten Zonen an der Alleestrasse und an anderen Orten bereits heute vor, wie sie das Erdgeschoss zur Strasse hin nutzen müssen: Erlaubt sind nur Geschäfte mit Publikumsverkehr, also beispielsweise Läden oder Reisebüros. «Aber kein normales Büro», sagt Stadtrat Philipp Gemperle. Damit Romanshorn nicht zur Schlafstadt wird, soll es ausserdem neu eine Mindesthöhe von 3,5 Metern bei Räumlichkeiten im Erdgeschoss von Gebäuden in den Wohn-/Arbeitszonen geben.

Der Stadtrat wünscht sich ein belebtes Zentrum von Romanshorn und schafft dafür die nötigen Rahmenbedingungen.

Der Stadtrat wünscht sich ein belebtes Zentrum von Romanshorn und schafft dafür die nötigen Rahmenbedingungen.   

(Bild: Reto Martin)

Mit Strukturpolitik in dieser Form allein lässt sich das Lädelisterben aber nicht aufhalten, findet der neue Stadtrat. Er hat deshalb die ausgedehnten Bereiche mit den beiden erwähnten Bauvorschriften im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen des alten Stadtrates stark verkleinert. «Wir wollen leere Schaufenster verhindern», sagt Gemperle.

Lob für die Arbeit des alten Stadtrates

Politisch gesehen seien diese beiden Änderungen die bedeutendsten Korrekturen, die der neue Stadtrat gegenüber dem ersten Entwurf von Zonenplan und Baureglement vorgenommen habe, zu dem sich die Romanshorner vor zwei Jahren äussern konnten. 69 Person beziehungsweise Institutionen machten damals von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Stadtrat Philipp Gemperle.

Stadtrat Philipp Gemperle.

(Bild: PD)

Die Behörde ist aufgrund der Rückmeldungen nochmals über die Bücher gegangen und legt jetzt die definitive Revision-Version des Rahmennutzungsplans öffentlich auf. Die Einsprachefrist läuft vom 6. bis 25. März.

Gemperle gehört dem Stadtrat seit etwas mehr als einem halben Jahr an und hat sich mittlerweile in die Materie eingearbeitet. Er sagt:

«Unsere Vorgänger im Amt haben hervorragende Grundlagenarbeit geleistet.»

Sie hätten vieles übernommen, aber sich auch erlaubt, im Detail das eine oder andere zu ändern. So hat die Behörde die Grünflächenziffer von 50 auf 55 Prozent in der W2 und von 40 auf 45 Prozent in der W3 erhöht. An der Grünflächenziffer selber hält der Stadtrat fest. Die Zahl definiert, wie stark eine Parzelle überbaut werden darf und drückt das Verhältnis der anrechenbaren Grünfläche zur anrechenbaren Grundstücksfläche aus.

Beste Antwort auf die raumplanerischen Herausforderungen

Romanshorn geht mit dem Wechsel von der Ausnützungsziffer zur Grünflächenziffer neue Wege in der Ostschweiz. «Wir haben intensiv darüber diskutiert, ob wir den Schritt wagen sollen», sagt Gemperle. Sie hätten ihn getan, weil er die beste Antwort auf die raumplanerischen Herausforderungen sei.

«Wir müssen und wollen die Städte verdichten.»

In der Kernzone von Romanshorn beispielsweise soll neu eine Fassadenhöhe von 13,5 statt wie heute 13 Meter erlaubt sein. Die Grünflächenziffer trage dieser Entwicklung Rechnung und biete gleichzeitig Gewähr, dass nicht der letzte Quadratmeter Boden zubetoniert werde. Bern oder Jura hätten mit dem Instrument gute Erfahrungen gemacht, sagt Gemperle. Auch weil es in der Anwendung einfach sei.

Parzelle für Mehrzweckhalle wird vorerst nicht umgezont

Freuen dürfen sich die Besitzer des Hotel Inseli. Der Stadtrat möchte die bestehende Touristik- und Freizeitzone auf die ganze Liegenschaft ausdehnen und dem Betrieb so eine Perspektive bieten, die er sich seit langem wünscht. Die «Inseli»-Eigentümer tragen sich bekanntlich seit Jahren mit dem Gedanken, neu zu bauen. Jetzt dürften die Chancen grösser sein, einen Investor für ihr Projekt zu finden.

Visualisierung einer der möglichen Neubauvarianten des Hotel Inseli.

Visualisierung einer der möglichen Neubauvarianten des Hotel Inseli.

(Bild: PD)

Die Parzelle 824 möchte der Stadtrat vorerst nicht umzonen. Aber nicht, weil er das Ziel aus den Augen verloren hat, dort eine Mehrzweckhalle zu bauen. «Wir wollen sie unbedingt», betont Gemperle. Mit diesem Vorgehen halte sich die Stadt alle Optionen offen für den Fall, dass es nichts mit der Halle werden sollte. «Zudem vermeiden wir so im Moment unnötige Buchverluste.» Das Land könnten sie später immer noch der öffentlichen Zone zuweisen, wenn ein Projekt vorliege. Nach Auskunft beim Kanton stehe dem nichts entgegen, sagt Gemperle.

Stadtrat tastet die Weilerzonen vorerst nicht an

Den Übergang von der Industrie- in die Wohnzonen in Hotterdingen hat der Stadtrat angepasst. Das Bauregelement sieht grössere Grenzabstände vor. Auf die nördliche Erweiterung der Arbeitszone Industrie (Industriezone Hof) im Gebiet Cheerwise verzichtet die Stadt vorerst. Ebenso teilweise auf die Erweiterungen der Bauzone im Gebiet Holzenstein. Die Weilerzonen soll im Moment nicht angetastet werden, da sie der Kanton derzeit überall im Thurgau überprüft und unklar ist, wie es weiter gehen soll.

Erlassen wird der Stadtrat an einer seiner nächsten Sitzungen den Gestaltungsrichtplan Innenstadt.

ROMANSHORN: Stadt geht beim Bauen neue Wege

Die Verantwortlichen haben am Mittwoch den überarbeiteten Bau- und Zonenplan vorgestellt. Die Hafenstadt wechselt als erste Gemeinde in der Ostschweiz zu einem neuen Berechnungsmodell.
Markus Schoch