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Wohntürme in Arbon: Am «Riva» scheiden sich die Geister

Am Dienstag informierte die Stadt über das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit dem Bauprojekt der HRS auf dem Land des Hotel Metropol. Die Behörde musste sich viel Kritik anhören. Auch weil man sich nicht auf ihre Aussagen verlassen kann.
Markus Schoch
So soll der Eingang zum Gastrobetrieb «Riva» aussehen. (Bild: PD)

So soll der Eingang zum Gastrobetrieb «Riva» aussehen. (Bild: PD)

Die Nerven lagen bei einzelnen der rund 150 Teilnehmer der Orientierungsveranstaltung im Seeparksaal blank. Eine Frau meldete sich wiederholt zu Wort, um ihrem Ärger Luft zu verschaffen, weil ihrer Meinung nach die Diskussion in die völlig falsche Richtung geht.

Als Stadtpräsident Andreas Balg nicht bereit war, ihr das Mikrofon ein viertes Mal zu geben, stand sie empört auf und verliess schimpfend den Saal. Auch andere hatten danach genug gehört.

Die Pläne der HRS sorgen in der Bevölkerung teilweise für viel Unmut. Der Generalunternehmer will auf dem Gelände des Hotel Metropol zwei über 40 Meter hohe Türme bauen mit exklusiven Wohnungen, wie es sie in Bezug auf den Ausbaustandard rund um den Bodensee bis jetzt nicht geben dürfte nach Angaben von Balg.

Das Projekt mit dem Namen «Riva» ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen, den Michael Meier und Marius Hug Architekten AG aus Zürich gewonnen haben. Die Jury findet die Grundrisse schlichtweg brillant. Die Ansprüche in städtebaulicher Hinsicht an die Überbauung sind hoch.

Die wahrscheinlich beste Lage in Arbon direkt am See verlange nach einer architektonisch hervorragenden Lösung, sagte Balg. Das «Riva» erfülle alle Wünsche und könne zu einem Leuchtturm werden.

Der «Metropol»-Ersatz soll auch allen Arboner etwas bieten, die sich den Luxus in den oberen Etagen nicht leisten können, betonte der Stadtpräsident am Dienstagabend. Im Erdgeschoss ist ein Gastrobetrieb geplant, der gehobenen Ansprüchen genügen soll.

Zudem sehen die Pläne einen grossen Festsaal und gut ein Dutzend Hotelzimmer im ersten Obergeschoss vor, wie Architekt Marius Hug sagte. Die grosszügigen Grünräume in Form einer Parklandschaft sind uneingeschränkt öffentlich zugänglich und gut erschlossen.

«Ich bin fast ein bisschen neidisch»

Jury-Mitglied Beat Consoni hält grosse Stücke auf das Siegerprojekt von Hug und seinem Partner. Er sagte:

«Als Horner bin ich fast ein bisschen neidisch, dass Sie so etwas bekommen.»

Alle anderen neun Wettbewerbsteilnehmer hätten weit weniger überzeugende Ideen eingereicht. Consoni ging im einzelnen auf die Entwürfe ein und zeigte deren Schwächen.

Überzeugen konnte er damit allerdings nicht alle Kritiker der beiden Türme. Eine Mehrheit der Arboner wolle nichts davon wissen, sagte die Frau, die schliesslich entnervt davon lief.

«Wir möchten, dass das Hotel Metropol abgerissen und im gleichen Stil wieder aufgebaut wird.»

Andere konnten nicht verstehen, warum an dieser Stelle jetzt plötzlich doch möglich sein soll, was vor wenigen Monaten noch unmöglich schien. Im letzten Oktober habe der Stadtrat im Zusammenhang mit der laufenden Revision der Ortsplanung offiziell erklärt, das «Metropol»-Areal sei kein Standort für Hochhäuser, riefen diverse Besucher der Versammlung in Erinnerung.

Stadtrat Peter Gubser vertrat diese Haltung sogar öffentlich an einer Veranstaltung der CVP. Die Behörde habe ihre Meinung geändert, weil sie den Gestaltungsplan unbedingt zur Abstimmung habe bringen wollen, sagte Balg.

Architekt Kurt Sonderegger hält das Vorgehen der Stadt für widerrechtlich. Das Projekt «Riva» verstosse gegen diverse Vorschriften und lasse sich auch nicht mit dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) vereinen.

Dieses einfach ausser Acht zu lassen, sei nicht zulässig, wie das Bundesgericht 2007 in einem Fall in der Gemeinde Rüti entschieden habe. «Die Ortsbildkommission hat umgehend interveniert, seitens des Stadtrats gab es aber keine Reaktion.» Für Sonderegger ist darum klar:

«Wir müssen Nein sagen zum Gestaltungsplan und zur Zonenänderung.»

Ein Stadtrat, der nach der Pfeife von Investoren tanze, «ist für Arbon unwürdig. Und dass er dieses Geschäft noch eineinhalb Monate vor Amtsende durchboxen will, ist es ebenfalls».

«Metropol» ist endgültig Geschichte

Balg verteidigte das Vorgehen. Der alte Stadtrat ebne so der neuen Behörde den Weg und mache es ihr einfacher. Und wer Nein zum «Riva» sage, bekomme auch nicht einfach das «Metropol» zurück. Dieses ist endgültig Geschichte, heisst es bei der HRS.

Dass irgendetwas anderes auf der Parzelle gebaut wird, stehe ausser Frage. Denkbar sei, dass die HRS ein neues Projekt entwickle im Rahmen des bestehenden Baureglements, wenn das «Riva» beim Volk durchfalle, sagte Balg. Vielleicht in der Art der Überbauung «Breeze» auf dem ehemaligen Jumbo-Areal.

«Ein Leuchtturm wird es sicher nicht sein.»

Es werde auch kein hochstehendes Gastro-Angebot geben und kein Hotel im Saurer WerkZwei, das die HRS über den Bau der beiden Wohntürme finanzieren will.

Verloren ginge bei einem Nein ausserdem der ungehinderte Zugang aufs «Metropol»-Gelände, das vermutlich mit einem Haag abgesperrt werde, befürchtete ein Besucher. So weit dürfe es nicht kommen, sagte Architekt Hug.

«Wir brauchen an dieser besonderen Lage Raum für die Öffentlichkeit.»

Das Projekt «Riva» sei eine «riesige Chance», die sich Arbon nicht entgegen lassen dürfe. «Es wäre das Tor zu einem Stadtteil, der sich völlig verändert.»

Die nächsten Schritte

Die Arboner werden im nächsten Jahr über das Projekt «Riva» beziehungsweise den Gestaltungsplan abstimmen können, der die Details der Überbauung regelt. Also etwa die Erschliessung, die Umgebungsgestaltung, die Nutzung der Gebäude oder deren Abmessungen, wie Hanspeter Woodtli von Strittmatter Partner AG an der Orientierungsversammlung erklärte. Im Moment läuft das sogenannte Mitwirkungsverfahren. Öffentlich aufliegen wird der Gestaltungsplan entweder im Mai oder dann nach den Sommerferien. Mehrwerte seien unter anderem der relativ kleine Flächenbedarf und die grosse öffentliche Freifläche.

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