Im Streit über den Standort einer Mobilfunkantenne in Heldswil wird das nächste Kapitel geschrieben

Der Erlass einer flächendeckenden Planungszone in der Gemeinde Hohentannen hat eine Einsprache zur Folge. Die Planungszone kam angesichts der Proteste gegen eine Mobilfunkantenne aufs Tapet und soll der Gemeinde ein Mitspracherecht einräumen.

Georg Stelzner
Drucken
Teilen
Blick in westlicher Richtung auf das Dorf Heldswil in der Gemeinde Hohentannen; das Visier (Bildmitte) markiert den Standort für eine Mobilfunkantenne.

Blick in westlicher Richtung auf das Dorf Heldswil in der Gemeinde Hohentannen; das Visier (Bildmitte) markiert den Standort für eine Mobilfunkantenne.

Bild: Andrea Stalder (Heldswil, 14. Oktober 2020)

Gemeindepräsident Lukas Hoffmann überraschte die Stimmbürger an der Gemeindeversammlung vom 12. August mit der Ankündigung, im Rahmen der Ortsplanungsrevision das ganze Gebiet der Politischen Gemeinde Hohentannen zur Planungszone zu erklären.

Hoffmann begründete diese Massnahme mit der daraus resultierenden Möglichkeit, künftige Bauten und Anlagen, die höher als 15 Meter sind, mit den Interessen des Ortsbild- und Landschaftsschutzes besser abstimmen zu können.

Kein Mittel zur Verhinderung

Vor dem Hintergrund des Protests gegen die Errichtung einer Mobilfunkantenne im Dorf Heldswil bedurfte es keiner ausgeprägten Vorstellungskraft, um zu erkennen, worauf dieser Vorstoss abzielt.

Der Gemeindepräsident räumte freilich noch am selben Abend ein, dass man damit nichts verhindern könne. Mit einer Planungszone hätte die Gemeinde aber zumindest ein Mitspracherecht, argumentierte Hoffmann.

Gemeindeautonomie bedarf einer Stärkung

Diesen Standpunkt vertritt der Gemeindepräsident auch zwei Monate später. Eine Planungszone sei der einzige Weg, den kommunalen Anliegen das nötige Gehör zu verschaffen:

Lukas Hoffmann, Gemeindepräsident Hohentannen.

Lukas Hoffmann, Gemeindepräsident Hohentannen.

Bild: Andrea Stalder
«Die Gemeindeautonomie soll gestärkt und nicht ausgehöhlt werden. Es geht mir um die Rücksichtnahme auf lokale Befindlichkeiten – egal, ob es sich um Mobilfunkantennen, Windräder oder Hochleitungsmasten handelt.
Wir wollen ernst genommen werden. Niemand soll über unsere Köpfe
hinweg entscheiden.»

Dass die vom Gemeinderat vorgeschlagene Planungszone deckungsgleich mit dem Territorium der Gemeinde sein soll, bezeichnet auch Hoffmann als unüblich und im Kanton Thurgau vermutlich einzigartig. Angesichts der spezifischen Gemeindestruktur mit zwei Dörfern sowie mehreren Weilern habe sich diese Variante jedoch angeboten.

Gemeindepräsident setzt auf Dialog

Der Gemeindepräsident ist zuversichtlich, mit der Revision der Ortsplanung den legitimen Wünschen der Bevölkerung bestmöglich Rechnung tragen zu können.

Dem Einspracheverfahren, das noch in diesem Jahr stattfinden soll, blickt Lukas Hoffmann gelassen entgegen. Er setzt auf den Dialog mit den Einsprechern und hofft auf lösungsorientierte Gespräche.

Thema «Mobilfunkantenne» weckt Emotionen

In der Gemeinde Hohentannen soll eine zweite Mobilfunk- antenne errichtet werden. Stein des Anstosses ist der ins Auge gefasste Standort in Heldswil. Gegen dieses Bauvorhaben formierte sich im Jahr 2019 eine breite Widerstandsfront. Rund 100 Einwohner unterzeichneten eine Einsprache. Der Gemeinderat Hohentannen versucht nun, mit dem Erlass einer auf zwei Jahre befristeten Planungszone Zeit zu gewinnen und schlägt dem Mobilfunkanbieter zwei alternative Standorte vor. Die bisher einzige Mobilfunkantenne steht auf dem Areal der Firma Schenk, das sich auf dem Hochplateau zwischen den Dörfern Hohentannen und Heldswil befindet. (st)

Mehr zum Thema