«Mündige Bürger Thurgau»
«Solche Leute gehören nicht zu uns»: Veranstalter einer Thurgauer Coronademo distanzieren sich von Neonazis im Publikum

An einer Veranstaltung der «Mündigen Bürger Thurgau» in Weinfelden war auch eine Gruppe Rechtsextremer dabei. Sie verhielt sich jedoch unauffällig. Die Organisatoren wussten von nichts.

Markus Schoch
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Covid-Gegner treffen sich am 1. März auf dem Marktplatz Weinfelden.

Covid-Gegner treffen sich am 1. März auf dem Marktplatz Weinfelden.

Bild: Andrea Stalder

Woche für Woche gehen immer mehr Menschen auf die Strasse, um gegen die Coronapolitik von Bundesrat und Parlament zu demonstrieren. Auch im Thurgau versammeln sich die Kritiker regelmässig in Weinfelden. Am 1. März lud die Gruppe «Mündige Bürger Thurgau» zu einer Veranstaltung auf dem Marktplatz ein. Rund 80 Personen folgten dem Aufruf. Im Publikum habe sich auch knapp ein Dutzend Rechtsextremisten oder zumindest Sympathisanten befunden, schreibt die «SonntagsZeitung» in ihrer neuesten Ausgabe.

Es sei das erste Mal gewesen, dass eine ganze Gruppe von Neonazis an einem Protest gegen den Lockdown teilgenommen habe, was aufhorchen lasse. Alle hätten sich jedoch unauffällig verhalten und sich Mühe gegeben, nicht aufzufallen. Denn die Organisatoren sollten nicht erfahren, dass sie die Demonstration unterwandern. Auch die Kantonspolizei bemerkte sie nicht. Mediensprecher Daniel Meili sagt:

«Wir waren vor Ort. Dabei sind uns die in der ‹SonntagsZeitung› erwähnten Personen jedoch nicht aufgefallen.»

Bekannte Gesichter im Publikum

Unter den Weinfelder Demonstranten habe es altbekannte Gesichter gegeben. Zum Beispiel den 47-jährigen Hammerskin Triboldo, der im Thurgau eine Firma für Gartenunterhalt im Handelsregister eingetragen hat. Der Name ist gemäss «SonntagsZeitung» das Pseudonym des Gitarristen und Sängers der Rechtsrockband Vargr I Veum.

Triboldo sei zuletzt 2019 am Budapester «Tag der Ehre» gesehen worden. An der Veranstaltung mit Tausenden Neonazis aus ganz Europa sei er offiziell als Teil der Schweizer Hammerskin-Abordnung aufgetreten, heisst es im Artikel weiter. In Weinfelden habe sich Triboldo auch um den Nachwuchs aus der Winterthurer Neonaziszene gekümmert.

«Solche Leute gehören nicht zu uns»

Sie sei erschrocken, als sie den Artikel gelesen habe, sagt Rosemarie Leu von den «Mündigen Bürgern Thurgau». «Wir sind keine Rechtsradikalen und wir distanzieren uns in aller Form von Rechtsradikalen oder rechtsradikalem Gedankengut. Solche Leute gehören nicht zu uns.» Die Neonazis seien ihr nicht aufgefallen. Und wenn sie sich bemerkbar gemacht hätten, wäre sie sofort eingeschritten, sagt Leu.

Organisatorin Rosemarie Leu an der Veranstaltung vom 1. März.

Organisatorin Rosemarie Leu an der Veranstaltung vom 1. März.

Bild: Andrea Stalder
«Wir lassen nicht zu, dass unsere Demos von Rechtsradikalen für ihre Zwecke missbraucht werden.»

Ihnen gehe es darum, den Diskurs zwischen Volk und Politik in Gang zu bringen, «um gemeinsam einen Weg aus der Krise zu finden». Gewalt sei sicher keine Lösung.

EDU-Kantonsrat kritisiert die Medien

An der Veranstaltung trat unter anderem der Zihlschlachter EDU-Kantonsrat Peter Schenk auf. Der Lockdown mache Existenzen zu Nichte und beraube die Jugend einer Perspektive, sagte er damals. Was der Bundesrat aktuell mache, sei «ganz klar eine Diktatur». Schenk wusste nicht, dass ihm Rechtsextreme zuhören, wie er am Sonntag erklärte. Die Frage, ob er andernfalls trotzdem ans Mikrofon gegangen wäre, stelle sich für ihn nicht.

EDU-Kantonsrat Peter Schenk.

EDU-Kantonsrat Peter Schenk.

Bild: Andrea Stalder
«Es kann in einem Publikum immer Rechtsextreme haben, auch in der Kirche.»

Er habe zugesagt aufzutreten, weil er etwas zu sagen habe und die Menschen in der aktuellen Situation aufrütteln wolle. «Ich möchte ihnen Mut machen, selber zu denken.»

Dass die Medien die Neonazis zum Thema machen, ist für Schenk bezeichnend. Ob möglicherweise auch Linksextreme oder irgendwelche andere Gruppierungen anwesend gewesen seien, interessiere die Zeitungen nicht, weil sie auf einem Auge blind seien. Er verwehre sich, in die rechtsextreme Ecke gestellt zu werden.

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